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Helge Schwab

FREIE WÄHLER 18.04.2024 Sitzungen 18/65

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn es um die Bedeutung der ersten Lebensjahre geht, sind wir uns sicherlich fast alle einig. In dieser Zeit werden die Grundlagen für Sprache, Kognition, Motorik und vieles mehr gelegt. Neben der eigenen Familie (und dem sozialen Umfeld) kann dabei auch der Kindergarten eine zentrale Rolle spielen. Dieser Begründung im vorliegenden Antrag schließen wir uns an. Auch wir möchten uns bei allen pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften für ihr Engagement und die tägliche wertvolle Arbeit mit unseren Jüngsten bedanken, die, wie wir alle wissen, zum Teil unter schwierigen Rahmenbedingungen stattfindet. Was den Stellenwert der frühkindlichen Bildung betrifft, sind wir also ganz nah, aber mit Blick auf die Forderungen des vorliegenden Antrags sieht es etwas anders aus. Ich möchte auf einzelne Punkte gerne näher eingehen. Zu Punkt eins, der verbindlichen Sprachstandserhebung für alle Kinder. Bereits im Mai-Plenum 2023 sprach ich mich dafür aus, eine Sprachstandsfeststellung eineinhalb Jahre vor der Einschulung durchzuführen, damit noch ausreichend Zeit für sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kita bleibt. Diese Forderung hat zu Teilen Einzug in den Neun-Punkte-Plan für die Grundschulen gefunden. So wird die Schulanmeldung künftig früher erfolgen und damit verbunden auch der Sprachstand der Kinder früher erfasst werden, besonders bei den Kindern, die keine Kita besuchen. Das begrüßen wir als FREIE WÄHLER ausdrücklich. Erste Konsequenzen sind also gezogen, und wir müssen jetzt genau hinschauen und prüfen, ob sie wirken, aber nicht mit einem Aktionismus für alle, sondern Schritt für Schritt. Zu Punkt zwei, ein verbindliches Bildungsportfolio. Unsere Erzieherinnen und Erzieher beobachten die Kinder von Tag eins an, dokumentieren die Entwicklungsstände und führen Entwicklungsgespräche mit den Eltern. Die Beobachtung und Dokumentation gehören zum Alltag der Kindertagesstätten und sind schon jetzt ständige Begleiter für unsere pädagogischen Fachkräfte; denn jeder guten Förderung eilt eine aufmerksame Beobachtung voraus. Das findet nicht erst vor der Einschulung statt. Dabei verrate ich auch nicht zu viel, wenn ich sage, dass die Dokumentationspflichten nicht nur als wichtige Aufgabe wahrgenommen, sondern auch als großer Aufwand empfunden werden. Ein weiteres umfangreiches Instrument im Sinne eines verbindlichen Bildungsportfolios für Vorschulgruppen einzusetzen, muss nicht zwangsläufig zum Besten für Kind und Fachkraft führen. Drittens: In den Forderungen klingt auch die verpflichtende Vorschulzeit an. Hier müssen wir uns fragen, ob das die Rahmenbedingungen und die Kapazitäten vor Ort überhaupt hergeben. Pauschal für alle Kinder würde es wohl schwierig werden, aber wir FREIE WÄHLER sprechen uns ausdrücklich dafür aus, dass für Kinder, bei denen im Rahmen der Schulanmeldung ein Förderbedarf festgestellt wurde, auch der Besuch einer Kita angeordnet wird. Das bedeutet für uns gute Startbedingungen und Chancengerechtigkeit für alle. Schulanmeldung, Schulfähigkeit und Vorschulzeit, das sind die Schlagworte des vorliegenden Antrags. Damit entsteht für mich der Eindruck, dass hier aus Sicht der Schulen auf die Kitas geblickt wird. Natürlich ist es unerlässlich, dass unsere Kinder schulfähig in die Grundschule kommen, aber das ist nicht der einzige Blickwinkel. Die Herausforderungen in unseren Kindertagesstätten sind unabhängig von der Schulanmeldung groß. So fehlt uns noch immer eine Vielzahl an Kitaplätzen. Uns fehlen Fachkräfte und gute Rahmenbedingungen vor Ort. Noch ein Letztes: Aus unserer Sicht war und ist es noch immer eine Fehlentscheidung, dass die Landesregierung das Erfolgsprogramm „Sprachkitas“ nicht landesseitig fortgeführt hat. Daran erkennt man, dass durch die Ampelfraktionen im Bereich der frühkindlichen Bildung derzeit noch zu kurzfristig gedacht wird. Auch wir FREIE WÄHLER wollen die frühkindliche Bildung und damit unsere Kitas stärken. In der Sache sind wir uns mit der CDU einig, aber über den vorgeschlagenen Weg müssen wir noch einmal reden. Aus diesem Grund freuen wir uns über den Antrag auf Ausschussüberweisung. Für Sie, Frau Nieland: Wenn Ihnen auf der Autobahn alle entgegenkommen, dann sind Sie, glaube ich, Falschfahrer. Danke schön. (Beifall der FREIEN WÄHLER und bei der CDU)

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