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Lisa-Marie Jeckel

FREIE WÄHLER 18.04.2024 Sitzungen 18/65

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Gestern wurde die Ansiedlung eines Weltunternehmens in Rheinland-Pfalz im Plenum gelobt. Es wurde aber in der Debatte auch deutlich, dass wir uns nicht auf solchen Erfolgen ausruhen dürfen; denn die Statistik lügt nicht, und die Meldung aus Bad Ems muss aufrütteln. Rheinland-Pfalz ist auf Platz 16 von 16 Bundesländern. Es sind nicht nur die Gründe, die gestern bereits mein geschätzter Kollege Stephan Wefelscheid aufgeführt hat, also Rückgänge in der Biotechnologie und anderen Bereichen, sondern es gibt auch strukturelle Probleme, die uns die LVU in Rheinland-Pfalz und andere Arbeitgeber und Wirtschaftsverbände benennen. Allen voran ist der Fachkräftemangel aufzuführen; denn leider ist es so, dass wir in diesen Tagen häufig auch vernehmen müssen, dass es landauf, landab Fachkräftemangel gibt. Diese Entwicklung sehen wir Freie Wähler mit großer Sorge. Hier muss die Landesregierung aktiver werden. Wir hatten schon häufiger im Plenum davon gesprochen, dass gerade Lehrberufe unbedingt wieder attraktiver werden müssen. Ich habe hier schon davon gesprochen, dass der Schüler, der einen Beruf nicht kennt, diesen auch nicht erlernen möchte. Wir müssen in der Schule beginnen, dass wir eine Lehre wieder wertschätzen, ebenso wie ein Studium. Beides hat Qualität. Beides braucht unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft; denn schauen wir uns Rheinland-Pfalz insgesamt an, haben wir viele Hidden Champions, einen starken Mittelstand. Die KMU im Land plagen aber trotz wirtschaftlicher Erfolge oft auch das Problem, dass die Nachfolge nicht geregelt ist. Vielerorts fehlen Führungskräfte, die bereit sind, in die Selbstständigkeit zu gehen. Folglich ist die Politik hier gefordert, wieder Lust auf Selbstständigkeit zu machen, Lust auf Chef sein und Verantwortung zu übernehmen. Dies gelingt nur, wenn wir bei Betriebsnachfolgen steuerlich entgegenkommen, Bürokratie in der Breite und überflüssige Hürden abbauen. Da erwarte ich Initiativen von Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt und konkrete Vorschläge jenseits medialer Kampagnen und bunter Bilder. Konkret geht die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung, die WHU in Vallendar im Landkreis Mayen-Koblenz, den Weg, dass sie zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Koblenz den IHK-Lehrstuhl für kleine und mittlere Unternehmen gegründet hat. Dort ist Professorin Christina Günther seit zehn Jahren mit ihrem Team dabei, die Attraktivität der Übernahme von KMU auch bei der Wirtschaftselite von morgen zu steigern; denn an der WHU wird die für die Wirtschaft so wichtige Führungskraft ausgebildet. Die Absolventen sind heiß begehrt, gerade in der Finanzwirtschaft, aber auch bei Start-ups. Der Lehrstuhl soll dafür sorgen, dass der Familienbetrieb im Westerwald ohne geregelte Nachfolge für solch eine Fachkraft attraktiv wird; denn mit einer solchen Übernahme werden nicht nur am Markt erfolgreiche Unternehmen für die Zukunft gerettet, sie tragen auch dazu bei, dass in der Heimat hochwertige Arbeitsplätze erhalten bleiben; denn auch die Entwicklung ist leider zu beobachten, dass im Handwerk oftmals alteingesessene Betriebe keinen Nachfolger finden. Insofern müssen wir auch hier jetzt handeln und den Meister im Handwerk wieder attraktiver machen. Hier komme ich wieder zurück. Es braucht in Schulen die Steigerung der Attraktivität einer Lehre in Handwerk, Handel und Gewerbe. Wenn wir diese Punkte aufgreifen, dann werden wir künftig nicht nur ein Glanzlicht ansiedeln oder müssen die rote Laterne im Bundesländervergleich beklagen, sondern können so erfolgreich Unternehmen in die Zukunft überführen; denn auch das braucht es für ein erfolgreiches Rheinland-Pfalz. Vielen Dank. (Beifall der FREIEN WÄHLER)

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