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Helge Schwab

FREIE WÄHLER 17.04.2024 Sitzungen 18/64

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Mit Erlaubnis der Präsidentin zitiere ich gleich zu Anfang – Zitat –: Wir werden nie eine große Biotechnation haben, da haben wir den Zug verpasst. – Diese bei einer öffentlichen Anhörung des Wirtschaftsausschusses im Bundestag zum Thema „Deutschland als Innovations-, Biotechnologie- und Pharmastandort ist der Zug wirklich abgefahren? Der bevorstehende internationale Tag der Immunologie am 29. April ist ein Anlass, über diese Frage nachzudenken. Eines steht für mich bereits fest: Entscheidend wird für unser Land sein, Forschungsergebnisse aus Medizin und Naturwissenschaften so schnell und vor allem so gut wie möglich in die Gesundheitsversorgung einfließen zu lassen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der translationalen Medizin. Grundsätzlich sehe ich das Ganze nicht so schwarz, wie es auf den ersten Blick scheint. Gerade die Entwicklungen rund um die Universität Mainz zeigen uns, dass es in Deutschland sehr wohl Perspektiven gibt. Wir werden sicherlich in diesem Bereich nie beim Tempo Schritt halten und vor allem nicht die Dimension erreichen, mit der die USA und China auf diesem noch relativ jungen Markt agieren. Doch brauchen wir uns trotzdem nicht zu verstecken, zumal wir den Schutz von Patienten gerade in Rheinland-Pfalz höher halten als andere. Die Ampelfraktionen weisen gern darauf hin, dass das Land bis einschließlich 2026 Steuermittel in Höhe von rund 800 Millionen Euro für die Förderung der Biotechnologie und der Lebenswissenschaften bereithalten wird. Ebenso wird immer wieder gern betont, dass das Land zwischen 2010 und 2020 insgesamt 200 Millionen Euro zusätzlich für die Forschungsförderung ausgegeben hat. Wir könnten mit diesen Zahlen die Debatte beenden und uns gegenseitig auf die Schulter klopfen. Ich frage dennoch: Reicht das? Wir wissen alle um die globale Konkurrenz, aber dass die größte Konkurrenz aus dem eigenen Bundesgebiet kommt, ist in der Öffentlichkeit noch nicht überall angekommen. So hat sich in Bayern ein Biotechnologie-Cluster formiert, das vom Großraum München bis in den nördlichen Landesteil reicht. Am Rande sei erwähnt, dass Würzburg mit rund 150 km Entfernung aus der Mainzer Perspektive gar nicht so weit weg ist. Unsere Nachbarn in Hessen werben mit rund 20.000 Beschäftigten im Biotechsektor, die einen Jahresumsatz von 5,2 Milliarden Euro erwirtschaften. Das sind deutliche Signale nach Rheinland-Pfalz. Gut, dass hier mehr getan wird, als sich über den BioNTech-Sondereffekt zu freuen. Die Entwicklungen rund um den geplanten Biotech-Campus an der Saarstraße quasi in Verlängerung des Universitätscampus spiegeln wider, dass es zumindest im Bereich der Biotechnologie eine Aufbruchstimmung gibt. Grundlagenforschung, anwendungsbezogene Forschung und der direkte Draht zu den Unternehmen, in Mainz hat sich in den vergangenen Jahren ein Netzwerk entwickelt, das sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen kann. Es kommt nicht von ungefähr, dass allein die Mainzer Wissenschaftsallianz rund 4.000 Mitglieder hat. Mit ihren 36.000 Studenten und 4.150 Wissenschaftlern, davon 540 Professoren, sowie 150 Instituten und Kliniken gehört die Universität Mainz zu den großen und führenden Hochschulen in Deutschland. Das gilt auch für die Ausbildung für Mediziner. Diese Tatsachen sind angesichts der leidigen Diskussion um die finanziellen und personellen Probleme der Universitätsmedizin ein wenig ins Hintertreffen geraten, ebenso die Tatsache, dass die örtlichen Wissenschaftler oft Herausragendes leisten. Es kommt nicht von ungefähr, dass an der JGU ein Forschungszentrum Translationale Medizin mit drei Einrichtungen angesiedelt ist. Das große Ziel ist, die personalisierte Präzisionsmedizin durch Entwicklung neuer Verfahren und Therapien voranzubringen, und das Ganze besonders mit Blick auf unsere Jüngsten. Ich nenne daher exemplarisch das Kinderonkologische Zentrum der Universitätsmedizin. Hier werden unter anderem neuartige immuntherapeutische Ansätze für den Kampf gegen den Krebs im Rahmen der pädiatrischen Onkologie entwickelt. Mit Blick auf die kommenden Haushaltsberatungen ist die Politik in der Pflicht, auch künftig für eine auskömmliche Finanzierung dieser Vorzeigeeinrichtung zu sorgen. Danke schön. (Beifall der FREIEN WÄHLER sowie des Abg. Dr. Helmut Martin, CDU)

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