landtag-rlp.de ↗

Helge Schwab

FREIE WÄHLER 22.02.2024 Sitzungen 18/61

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, ich habe in den letzten Plenarsitzungen keinen Zweifel daran gelassen, welchen Stellenwert Deutsch als Unterrichtssprache für mich und die FREIE WÄHLERLandtagsfraktion hat. Ganz klar und unmissverständlich habe ich mich dafür ausgesprochen, dass die Deutschkompetenzen, also das Lesen, Schreiben und Zuhören, von zentraler Bedeutung für den Schulerfolg in allen Fächern sind. Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Deutsch als Handwerkszeug, um dem Unterricht folgen zu können. Ist aber der Herkunftssprachenunterricht schuld an fehlenden oder mangelnden Deutschkenntnissen unserer Schülerinnen und Schüler? – Gewiss nicht. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Hier spielt die antragstellende Fraktion wieder ihr altbekanntes Spiel. Auf anspruchsvolle Fragen gibt sie nur einfache, vorurteilsbehaftete Antworten. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Dinge werden wieder gegeneinander ausgespielt, im vorliegenden Antrag die Herkunftssprache gegen die Zielsprache. Das Gegenteil ist der Fall. Kein Kind muss die Sprache seiner Eltern vergessen, um eine andere Sprache zu erlernen. Die Herren Teuber und Münster haben Ihnen das sehr anschaulich erklärt. Ich will es nun mit meinen eigenen Worten noch einmal versuchen. Es ist aus wissenschaftlicher Sicht absolut unstrittig, dass der konkrete Erwerb der eigenen Herkunftssprache für den Erwerb weiterer Sprachen außerordentlich förderlich ist und keinesfalls zu schlechteren Ergebnissen im Deutschunterricht führt. Das haben die EU-Mitgliedstaaten anerkannt und die Mehrsprachigkeit als besonders förderliche Schlüsselkompetenz für Identitätsbildung, beruflichen Erfolg, aktive Bürgerschaft und Integration ernannt. In diesem Zusammenhang verpflichten sich die Staaten zur Pflege der Muttersprache und zum Erhalt der natürlichen Mehrsprachigkeit. Diesem Umstand wird der Herkunftssprachenunterricht gerecht, wenn er in einem angemessenen Umfang und auf freiwilliger Basis angeboten wird, so wie es in RheinlandPfalz praktiziert wird. Ich sehe keine Entwicklung dahin, dass Herkunftssprachen wie Arabisch, Türkisch, Italienisch oder Farsi in der Schule das Deutsche zurückdrängen. Sie werden lediglich zusätzlich zur Landes- und Unterrichtssprache angeboten. Der hohe Stellenwert der deutschen Sprache ist unumstritten und steht für die FREIE WÄHLER-Landtagsfraktion heute und künftig nicht zur Diskussion. Ich möchte direkt eine andere Debatte abräumen. Die Frage um die Deutschpflicht im Schulhof ist veraltet und längst überholt. Wer das fordert, weiß scheinbar nicht, was das bei Kindern, Jugendlichen und sogar Erwachsenen bewirkt. Eine Hamburger Forschergruppe hat sich mit genau dieser Thematik beschäftigt und den Versuch gemacht. Dabei hat sich eines gezeigt: Wenn wir die Herkunftssprachen in unseren Schulen verbieten, führt das nicht dazu, dass mehr deutsch gesprochen wird, sondern dazu, dass sich die Kinder zurückziehen und verstummen. Sprachen lernen funktioniert nicht mit der Brechstange. Der bessere Weg wäre, mehr Begeisterung und eine natürliche Betroffenheit für die neue Zielsprache Deutsch zu wecken. Sagen wir es in klaren Worten: Wenn es darum geht, dass Kinder besser und mehr Deutsch lernen, hilft das Abschaffen des Herkunftssprachenunterrichts nicht. (Beifall des Abg. Sven Teuber, SPD) – Vielen Dank, Herr Teuber. Aus diesem Grund lehnen wir den vorliegenden Antrag ab. Für uns sind zwei Punkte entscheidend und lösungsorientiert. Erstens: Wir brauchen mehr Deutschunterricht an unseren Schulen. Zweitens: Wir brauchen einen motivierenden und lebensnahen Deutschunterricht, der in meiner Wunschvorstellung zu Begeisterungsstürmen bei unseren Kindern und Jugendlichen führt. Das forderten wir bereits im letzten Plenum und erzielten dazu von der Bildungsministerin Frau Dr. Hubig zumindest lobende Worte. Dafür meinen Dank. Die FREIE WÄHLER-Landtagsfraktion steht weiterhin dafür, sich konstruktiv, aber keinesfalls einseitig für gute Deutschkompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler einzusetzen. Vielen Dank. (Beifall der FREIEN WÄHLER)

Alle Reden von Helge Schwab Protokoll ↗