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Daniel Köbler

GRÜNE 25.01.2024 Sitzungen 18/58

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Ergebnisse des jüngsten IQB-Bildungstrends, das haben wir schon besprochen, im Ausschuss und hier im Plenum, können uns natürlich nicht zufriedenstellen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir da besser werden, was die Kompetenzerreichung angeht. Ich sage das nur vorneweg, weil es hinterher wieder heißt, das würde alles wieder schöngeredet werden. Ich finde es aber trotzdem bemerkenswert, wenn man sich noch einmal vor Augen führt, dass es hier um eine Bildungsstudie geht, von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern bundesweit, die im Spätfrühjahr 2022 durchgeführt wurde, dass bisher nicht thematisiert wurde, dass das unmittelbar nach dem Ende der Schulschließungen durch die Corona-Pandemie geschehen ist. (Abg. Carl-Bernhard von Heusinger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Genau!) Das macht die Ergebnisse nicht irgendwie besser, aber ich finde das ganz wesentlich. Man sollte sich schon anschauen, in welchem Umfeld, unter welchen Voraussetzungen solche Ergebnisse erzielt werden, wenn man hier darüber redet, welche Schlüsse man daraus zieht. So bitter das ist, egal welche Maßnahmen wir jetzt auf den Weg bringen, die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler aus dem vorletzten Jahr werden wir damit nicht mehr erreichen. Ich finde aber, wir müssen diese Pandemiesituation mit in den Blick nehmen, wenn wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen wollen. Das sagen auch die Autoren der Studie in ihrem Fazit, dass ein ganz wesentlicher Teil des Kompetenzverlusts auf die Schulschließungen zurückzuführen ist. Deswegen muss unsere Aufgabe sein, in der Zukunft hoffentlich nicht mehr zu solchen Maßnahmen greifen zu müssen. Herr Kollege Schwab, Sie haben tatsächlich die Aufforderung des Kollegen Teuber beherzigt und Vorschläge vorgelegt. Gut, wir haben im Bildungsausschuss natürlich auch schon über weitere Maßnahmen usw. gesprochen. Die Ministerin hat auch angekündigt, dass Dinge verstärkt werden in der Sekundarstufe I. Geschenkt. Ich sage es einmal so: Die bildungspolitischen Mindeststandards haben Sie jetzt schon einmal erreicht. Das hebt Sie doch positiv ab von anderen Oppositionskräften. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD sowie des Abg. Helge Schwab, FREIE WÄHLER) Wenn wir uns jetzt die Vorschläge im Einzelnen anschauen – – – Vorweg will ich schicken, dass es auch nicht so ist, dass noch nichts passiert wäre, also Stichworte „Neun-Punkte-Plan für die Grundschulen“, „Erhöhung der Stundentafel Deutsch in den Grundschulen“. Das hatten wir vorhin schon in der Debatte. Da werden die entscheidenden Weichen für den Erwerb der deutschen Sprache gelegt. In der Sekundarstufe I heißt das nicht, dass man da nichts machen soll. Im Prinzip sind das aber ganz entscheidende Maßnahmen. Das will ich noch vorwegschicken. Sie fordern in Ihrem Antrag mehr Deutschunterricht in der Sekundarstufe I, also das, was wir in den Grundschulen gemacht haben, unterstützen Sie anscheinend und wollen das jetzt auch in der Sekundarstufe I. Neben der Frage, dass ich mir nicht sicher bin, ob das das richtige Instrument ist, geht es hier um Kompetenzen, und es geht nicht unbedingt darum, jetzt das gesamte Fächerspektrum, die ganzen Lerninhalte des Fachs Deutsch zu erweitern. Wenn Sie das aber wollen – glauben Sie mir, ich habe viele Jahre am Ende erfolgreich dafür gestritten, dass man die Sozialkunde ausweitet –, (Abg. Sven Teuber, SPD: Ja, ich auch! – Beifall des Abg. Sven Teuber, SPD) – wir gemeinsam –, (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) dann müssen Sie aber dazusagen, was Sie wegnehmen wollen, wie Sie das organisieren wollen, wie Sie das machen wollen. Mehr Stunden für XY, das wollen immer alle, überall. Zur bildungspolitischen Verantwortung gehört dann aber auch dazu zu sagen, was sich verändern soll. Soll das obendrauf kommen? Wo soll was weggenommen werden? Wo sollen die Lehrkräfte herkommen? Die Fragen müssen Sie auch beantworten, sonst ist es leider nur eine These, an die ich auch einmal ein Fragezeichen mache, ob es wirklich etwas bringt, dann die Kompetenzen zu verbessern. Sie wollen die Diagnose- und Fördertools – das freut mich – stärken und ausbauen. Ich glaube, das ist genau das Richtige. (Abg. Sven Teuber, SPD: Machen wir ja auch!) Jetzt wollen Sie aber noch ein neues, nicht näher benanntes Förder- und Diagnosetool einführen. Warum, habe ich jetzt auch noch nicht so ganz genau verstanden. Ich glaube, viel wesentlicher ist es, dass diese Diagnosetools, die wir den Lehrkräften an die Hand geben, beim Thema „Individuelle Förderung“ am Ende auch einen Output haben; denn es bringt doch nichts, noch mehr zu messen, noch mehr Leistung zu messen und noch mehr Vergleiche anzustellen. Das Entscheidende ist doch, dass die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler besser werden. Das heißt, auf diese Leistungsstandserhebungen muss auch etwas folgen. Das ist das ganz Entscheidende, was individuelle Förderung angeht. Das fände ich den wichtigeren Punkt an der Stelle. Sie haben da aber einen Punkt. Dann wollen Sie das Fach Deutsch lebensweltlicher gestalten. (Abg. Sven Teuber, SPD: Das finde ich Quatsch!) Ich verstehe Sie. Sie haben gelesen, dass das Interesse an Deutsch abnimmt und deswegen die Leistung sinkt. Gut, so habe ich es verstanden. Da müssen Sie aber schon sagen, was das heißt; (Abg. Joachim Paul, AfD: Zum Beispiel das Nibelungenlied zu behandeln! Das ist unsere Forderung!) denn sonst ist das so ein Allsatz. Das ist ein Allsatz, dem kann sich jeder anschließen, aber Folgen hat es keine. Am Ende schreiben Sie, dass die Dinge evaluiert werden sollen. Ich halte das für eine Selbstverständlichkeit. (Glocke des Präsidenten) Daher beglückwünsche ich Sie, dass Sie Vorschläge gemacht haben. Sie sind doch aber weitestgehend entweder schon am Laufen oder sehr allgemein und oberflächlich und werden uns am Ende nicht zum Ziel führen. Danke aber trotzdem für die Debatte, auch wenn wir den Antrag leider ablehnen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD)

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