Helge Schwab
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Im Oktober 2022 wurde der IQB-Bildungstrend 2021 für den Primarbereich veröffentlicht, und die Ergebnisse gaben Anlass zur Sorge. Rund 17 % unserer Schülerinnen und Schüler verfehlten am Ende der 4. Klasse den Mindeststandard im Lesen, Zuhören und Rechnen. Im Kompetenzbereich der Orthografie waren es sogar 27,8 %. Hier war nichts mehr schönzureden, sondern es war Zeit, Antworten und Lösungen für den Primarbereich zu finden. So beteiligten wir uns aktiv an dem konstruktiven Prozess einer Expertenanhörung. Wir begrüßten das Maßnahmenpaket für unsere Grundschulen „Mehr lesen, mehr Schreiben, mehr Rechnen – mehr Chancen“, besser bekannt als sogenannter Neun-Punkte-Plan; neun Punkte, die darauf abzielen, die Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu stärken. Es ist ein guter und richtiger Schritt; denn es wurde eine Antwort auf die alarmierenden Befunde gefunden, eine Antwort aber für die Grundschule, die die Landesregierung auch jetzt nur allzu gerne als Erwiderung auf die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022 oder der im Dezember veröffentlichten PISA-Studie bemüht. Doch IQB 2022 und PISA untersuchten die 15-Jährigen in unseren weiterführenden Schulen. Daher können und wollen wir, die Landtagsfraktion FREIE WÄHLER, es nicht bei einer Lösung für die Grundschulen belassen. Wir brauchen auch eine Antwort für unsere Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I. Diese Jugendlichen dürfen wir nicht vergessen. Besonders ihre Entwicklungen im Fach Deutsch können uns nicht zufriedenstellen: eine immer schlechter werdende Lesekompetenz, niedrigere Leistungen im Zuhören und Verstehen. Es mangelt an den Deutschkompetenzen in der Sekundarstufe I. Konkret heißt das, unseren Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern fehlt damit das grundlegende Handwerkszeug, um dem Schulunterricht überhaupt folgen zu können und Wissen zu mehren. Das betrifft übrigens nicht nur das Fach Deutsch; denn ausreichende Deutschkenntnisse, ein gutes Lese- und Hörverstehen sowie Schreibfähigkeiten sind auch für alle anderen Fächer unerlässlich. Hier müssen wir handeln, und zwar jetzt. Lassen Sie uns also gemeinsam den Schülerinnen und Schülern das so dringend benötigte Werkzeug in die Hand geben, damit sie ungehindert lernen und ihr Potenzial entfalten können. Dabei sehen wir den Bedarf nicht nur für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, sondern für die gesamte Schülerschaft. Mit dem vorliegenden Antrag fordern wir also die Landesregierung dazu auf, analog zum Neun-Punkte-Plan für die Grundschulen ein Maßnahmenpaket Deutsch für die Sekundarstufe I zu schnüren. Aus unserer Sicht müssen darin folgende Schwerpunkte gesetzt werden. Erstens braucht es mehr Deutschunterricht an den weiterführenden Schulen. Zweitens braucht es auch nach der Orientierungsstufe eine verbindliche Lernstandsüberprüfung im Fach Deutsch. Drittens brauchen wir eine Strategie für die Gestaltung eines motivierenden, lebensweltnahen Deutschunterrichts, und gleichzeitig soll geprüft werden, ob es länderübergreifend eine Qualitätsoffensive Deutsch geben kann. Viertens wird die Förderung des Lesens und Zuhörens zur Aufgabe aller Unterrichtsfächer. Das ist unser konkreter Vorschlag, um die Bildungs- und Unterrichtssprache Deutsch zu stärken. Apropos Vorschlag, ich möchte gerne mit einem Rückblick auf die 55. Plenarsitzung vom 13. Dezember 2023 schließen. Dort kritisierte Kollege Teuber, dass noch keine Maßnahmen oder Ideen von der Opposition vorliegen, wie auf die jüngsten Schulleistungsstudien reagiert werden könne. (Abg. Sven Teuber, SPD: Ja, du kriegst dein Fleißbienchen!) Lieber Kollege Teuber, nun liegt etwas vor Ihnen. Bitte wischen Sie es nicht einfach weg, sondern stimmen Sie unserer Zukunft, den Kindern und Jugendlichen zuliebe, einem Maßnahmenpaket Deutsch für die Sekundarstufe I zu. Ich bedanke mich an dieser Stelle für Ihre Aufmerksamkeit und vielleicht auch für Ihre Unterstützung, Herr Teuber. Vielen Dank. (Beifall der FREIEN WÄHLER und bei der CDU)
