Ralf Schönborn
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wir besprechen heute – man kann schon sagen traditionell – die Ergebnisse des Waldzustandsberichts 2023. Die wesentliche Erkenntnis der Erhebung lautet, dass das Schadniveau in Rheinland-Pfalz über alle Waldflächen, Baumarten und Altersstufen hinweg sehr hoch bleibt und sogar noch einmal gestiegen ist. Dass 85 % der landesweiten Waldbäume als geschädigt, als krank gelten, was einem Anstieg von vier Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht, sollte uns nicht nur zu denken geben, sondern ist auch als Handlungsverpflichtung zu verstehen. Besonders markant ist, dass gerade unsere Eiche, das Symbol für deutsche Freiheitsliebe, Kraft, Stolz und Stärke, (Beifall bei der AfD – Heiterkeit bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) in der Kategorie „stark geschädigt“ mit 8,4 % überproportional vertreten ist. Ungefähr 20 % der rheinland-pfälzischen Bäume sind Eichen, was eine starke Quote im bundesdeutschen Vergleich ist. (Unruhe im Hause) Die Widerstandsfähigkeit der Eichen gegen klimatische Veränderungen, gegen biotische und abiotische Belastungen ist beeindruckend. Teilweise extreme Borkenkäferschäden, beispielsweise bei der Fichte, Schädigungen durch den Eichenprachtkäfer, Kronenschäden und Trockenstress setzten den rheinlandpfälzischen Bäumen auch im vergangenen Jahr zu. Meine Damen und Herren, das Ökosystem Wald garantiert Artenvielfalt, ist Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, speichert Wasser und produziert Sauerstoff. Der Wald gewährleistet darüber hinaus Lebensqualität und Erholung der Menschen, ist wichtiger Tourismusmagnet und Wirtschaftsfaktor. Was wir benötigen, ist ein sachlich fundierter und schützender Umgang mit diesem Lebensraum. Oberstes Ziel der naturnahen Waldbewirtschaftung in Rheinland-Pfalz ist deshalb der Aufbau klimaresilienter struktur- und artenreicher laubbaumgeprägter Mischwälder, so die Strategie der Landesregierung. Diesen Weg gehen wir mit und fügen hinzu, dass für einen maximalen Erfolg möglichst heimische oder zumindest standorttreue widerstandsfähigere Arten eingesetzt werden müssen. Die Wiederbewaldung und Gesundung des Waldes ist eine Herausforderung für die nächsten Jahrzehnte in Rheinland-Pfalz. Dazu bedarf es einer landesweiten Kraftanstrengung. Im Rahmen der heutigen Aussprache nutze ich die Gelegenheit, um mit Blick auf die wirtschaftliche Nutzung des Waldes zu betonen, dass dem Wald auch nur so viel entnommen werden darf, wie im gleichen Zeitraum nachwachsen kann. Wo gefällt wird, soll das Holz hauptsächlich dem inländischen Bedarf zugeführt werden. (Abg. Marco Weber, FDP: Sehr gut!) Deutscher Wald muss auch deutscher Wald bleiben. Ein Ausverkauf an ausländische Investoren muss verhindert werden. Meine Damen und Herren, vor ziemlich genau einem Jahr habe ich an dieser Stelle gefordert, dass im Waldzustandsbericht 2023 dringend die Auswirkungen des Windkraftausbaus auf den Zustand des Waldes dokumentiert werden sollten. Warum das nicht schon längst getan wird, ist mir vollkommen klar. Sie haben Angst vor unangenehmen Wahrheiten und fürchten sich vor Ihren eigenen Widersprüchen; so sinngemäß meine Ausführungen im Januar 2023. Wenig überraschend ist die Landesregierung hierauf nicht eingegangen. Es darf eben noch immer nicht sein, was nicht in die eigene Erzählung und die eigene Weltanschauung passt. Sie alle hier, die die verheerende Energiewende begrüßen, verweigern sich einer ehrlichen Auseinandersetzung mit unserer Natur und dem Umweltschutz als solchen. Meine Damen und Herren, für uns als AfD-Fraktion ist klar, politische Ansinnen, Waldflächen und entstandene Kahlflächen zum Bau von Windkraftanlagen zu nutzen, sind strikt abzulehnen. Grundsätzlich dürfen Waldflächen keine Standorte für Windindustrie werden. Windräder, für deren Bau nicht selten Rodungen vorgenommen werden, (Zuruf des Abg. Dr. Bernhard Braun, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und die dazugehörige Infrastruktur mit breiten Zufahrtswegen und teilweise im Boden verbleibenden Fundamenten aus Beton vertragen sich nicht mit unseren heimischen Wäldern. (Abg. Dr. Bernhard Braun, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Doch, die sind ja deutsch!) Meine Damen und Herren, für uns als Verteidiger dieser Heimat ist der Wald als grüne Lunge eine Herzensangelegenheit. (Beifall bei der AfD) Ihre Doppelzüngigkeit, auf der einen Seite Schädigungen des Waldes abzuwenden und auf der anderen Seite Wälder mit Industrieanlagen zuzustellen, (Abg. Joachim Paul, AfD: So ist es!) ist unerträglich. Die AfD-Fraktion wird auch hier künftig den Finger in die Wunde legen und echten Umwelt- und Naturschutz betreiben. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)
