landtag-rlp.de ↗

Helge Schwab

FREIE WÄHLER 13.12.2023 Sitzungen 18/55

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Die diesjährigen Nachrichten aus Schulleistungsstudien sind eine Abfolge von Katastrophenmeldungen, wie die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-LeseUntersuchung (IGLU), des IQB-Bildungstrends und die jüngsten Zahlen der PISA-Studie aufzeigen. Sie alle vermitteln das gleiche Bild, unsere Schülerinnen und Schüler verfehlen die Anforderungen, und das Bildungssystem krankt an vielen Stellen. So kann es nicht weitergehen. Wir müssen zwingend über die Probleme und vor allem die Konsequenzen sprechen. Liebe CDU, ich bedanke mich daher für die Aktuelle Debatte. Ich komme aber nicht umhin, auf einen Aspekt hinzuweisen, der in der PISA-Auswertung ganz oben steht. Mit Erlaubnis des Präsidenten möchte ich zitieren: Die Auswertung ist zwar für Deutschland repräsentativ, aber es erlaubt keine verallgemeinerbaren Vergleiche zwischen den Bundesländern. – (Abg. Sven Teuber, SPD: Sehr gut! Danke, Helge!) – Gerne. Die PISA-Studie ist also eine Gesamtbeurteilung der Bildungspolitik in Deutschland und trifft keine konkreten Aussagen zum Bildungserfolg in RheinlandPfalz. So fair müssen wir sein. Ich spreche dennoch gerne zu dem prekären Zeugnis, das die Bildung in Deutschland erhalten hat. Ohne die Ergebnisse noch einmal im Einzelnen benennen zu wollen, möchte ich den Blick auf die Herausforderungen richten; denn dort müssen wir zwingend und dringend ansetzen. Die am 5. Dezember vorgestellte PISA-Studie zeigt aus unserer Sicht zwei Kernprobleme. Erstens: mangelnde Sprachkenntnisse. Haben Sie sich einmal den Spaß gemacht und versucht, die Mathematikaufgaben aus PISA 2022 zu lösen? Diese finden Sie bei SPIEGEL ONLINE. Dann ist oder wäre Ihnen aufgefallen, dass es zwar um Mathe geht, aber jede Aufgabe viel sprachliches Wissen und vor allem eine gute Lesekompetenz voraussetzt, um sie richtig lösen zu können, und genau daran scheitert es. Die Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler stehen und fallen mit ihrer Deutschkompetenz. Ohne Deutschkenntnisse bleibt auch die Chance auf schulischen Erfolg und sozialen Aufstieg verwehrt. Hier müssen wir ran. Für unsere Schülerinnen und Schüler in den weiterführenden Schulen sollten wir schnellstmöglich Maßnahmen auf den Weg bringen: analog zu den Grundschulen einen Neun-Punkte-Plan für die Sekundarstufe I mit zusätzlichem Deutschunterricht, Sprachstandserfassung, Deutschförderung und täglicher Schreib- und Lesezeit mit Papier und Stift. Der zweite Punkt ist der Umgang mit Heterogenität. Die Schülerschaft ist in den letzten Jahren heterogener geworden. Faktoren sind Integration, Inklusion und sozioökonomische Unterschiede. Das alles hat Einfluss auf das schulische Lernen, die Gestaltung genauso wie die Organisation von Unterricht, und es wird zur Kraftprobe für unsere Lehrkräfte. Bereits im Mai 2023 meldete der Philologenverband Rheinland-Pfalz: „Wir kommen mit der Heterogenität in den Lerngruppen an [unsere] Grenzen.“ Viele Lehrkräfte geben an, sie seien überfordert und nicht gut vorbereitet auf das heterogene Klassenzimmer von heute. Der Spagat zwischen Kindern in großen und heterogenen Klassen ist nicht mehr zu bewältigen. Aus diesem Grund brauchen wir viel mehr Lehrkräfte in unseren Schulen und Klassen, um diesem Umstand gerecht zu werden und die Heterogenität bewältigen zu können. Wir müssen jetzt die Personalnot bekämpfen, um jedes einzelne Kind individuell fördern und fordern zu können, und wir müssen die Lehrkräfteversorgung in Rheinland-Pfalz anheben, damit keine Unterrichtsstunde mehr ausfällt. Zwei Kernprobleme identifiziert und Handlungskonsequenzen vorgeschlagen, so sieht unser Weg aus der Bildungsmisere aus. (Abg. Sven Teuber, SPD: Immerhin habt Ihr eine Idee!) – Genau, Herr Teuber. Wer ernsthaft an der Sprache arbeitet, sollte auf keinen Fall die Sprach-Kita abschaffen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und bei der CDU – Zuruf des Abg. Sven Teuber, SPD) Ein Letztes noch zu Ihnen, Herr Dr. Bollinger: Ich kenne wirklich keinen anderen Menschen, der es bei jedem Thema schafft, von „Kuchebacke uff Arschbacke“ zu kommen. Danke schön. (Beifall der FREIEN WÄHLER und bei der CDU)

Alle Reden von Helge Schwab Protokoll ↗