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Daniel Köbler

GRÜNE 13.12.2023 Sitzungen 18/55

– – das ist schon okay. Ich bin auch durch dieses Bildungssystem gegangen. Ich bin einiges gewohnt. Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, die Ergebnisse der PISA-Studie 2022 sind erschreckend und alarmierend, aber leider auch nicht überraschend. Sie reihen sich ein in eine Reihe von Studien, die wir haben und die zeigen, dass die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern der Welt (Abg. Marcus Klein, CDU: Traurig aber wahr!) zurückgegangen und nicht, wie wir uns das erhofft und erwartet haben, nach oben gegangen ist. Frau Groß, Sie haben von der Bildungskatastrophe gesprochen und quasi wörtlich viele zitiert, die sich geäußert haben. Ich habe das noch einmal nachgeschaut. Vor 20 Jahren ist die erste PISA-Studie in Deutschland veröffentlicht worden, der PISA-Schock. (Zuruf des Abg. Dr. Christoph Gensch, CDU) Die deutsche Öffentlichkeit und deutsche Politik wurden mit der Realität konfrontiert, dass das analoge, selektierende deutsche Bildungssystem doch nicht so leistungsstark ist, wie man sich das immer über Jahrzehnte selbst eingeredet hat. Wir sind danach viele Jahre ein bisschen besser geworden, aber seit zehn Jahren gehen die Leistungsniveaus auch wieder herunter, und jetzt, mit der neuen Studie, sind sie sehr drastisch eingebrochen. Woran liegt das? – Ich glaube, wenn man sich den Erhebungszeitraum anschaut, muss man gar nicht in die Studie blicken, um sofort eine Erklärung zu haben. Im April und Mai 2022 wurden 15-Jährige getestet. Sie können sich vielleicht erinnern, das war genau die Zeit direkt nach den letzten großen Schulschließungen der Corona-Pandemie. Das erklärt wohl auch, dass nahezu alle Staaten, die untersucht wurden, deutliche Leistungsrückgänge zu verzeichnen haben. Ich habe das im letzten Plenum schon gesagt, die Zeit der Schulschließungen ist eine Zeit, in der wir den Kindern und Jugendlichen extrem viel zugemutet haben, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten, um gerade ältere und schwächere Menschen in unserer Gesellschaft vor der Pandemie zu schützen. Es ist unsere verdammte gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diesen Kindern und Jugendlichen etwas zurückzugeben. Die PISA-Studie zeigt in erschreckendem Maße, dass ein ganz wesentlicher Anteil des Rückgangs der Kompetenzen auf die Schulschließungen zurückzuführen ist. Ich finde, das gehört bei aller parteipolitischen Polemik erst einmal gemeinsam anerkannt, weil wir diese 15-Jährigen, die da getestet worden sind, die heute 16 sein dürften, nicht vergessen dürfen. Wir müssen denen auch wieder etwas zurückgeben, weil sie diese zwei Jahre mit Schulschließungen so einfach nicht mehr wiederbekommen. Deswegen ist es unsere gemeinsame Aufgabe als Politik, denen, die in der Pandemie so viel für den Zusammenhalt der Gesellschaft geleistet haben, auch etwas zurückzugeben, meine Damen und Herren. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Ich will hier aber nicht die Soße darüberkippen nach dem Motto „Es waren nur die Schulschließungen und Corona“ – das ist ja schon Herausforderung genug –, sondern wir sehen natürlich einen Abwärtstrend auch schon in den Jahren davor. (Zuruf aus dem Hause: Aha!) Wir sehen auch, dass trotz aller Schwankungen bei den Ergebnissen das größte Problem in Deutschland nach wie vor ist: In Deutschland hängt der Bildungserfolg so sehr wie in fast keinem anderen Land von der sozialen Herkunft ab. Das heißt, der Bildungserfolg der Eltern bestimmt über den Bildungserfolg der Kinder. Das hat das selektive deutsche Schulsystem nie in den Griff bekommen. Im Prinzip wissen Schülerinnen und Schüler mit einer hohen Wahrscheinlichkeit heute schon, wenn sie eingeschult werden, welchen Abschluss sie machen wollen. Welche Motivation das für einen bedeutet, kann sich wohl jeder an der Hand abzählen. Wir sind übrigens auch in den Jahren, in denen wir insgesamt besser geworden sind, in diesem Parameter nicht wirklich besser geworden. Das heißt, wir müssen das Augenmerk viel stärker darauf legen, diese sozialen Disparitäten in den Griff zu bekommen. Wenn man sich die Herausforderungen der Menschen mit Migrationshintergrund anschaut, dann sehen wir vor allem auch, dass diejenigen ohne deutsche Sprachkenntnisse vor allem auch Menschen sind, die aus Familien kommen, die keinen oder nur einen geringen Bildungsabschluss mitbringen und dann sozusagen in doppelter Weise in unserem Bildungssystem vor Probleme gestellt sind. Sie haben nicht die deutschen Sprachkenntnisse, und dann kommen sie noch aus einer bildungsfernen Schicht. Das ist auch in PISA zu sehen, und darauf müssen wir ebenfalls einen Schwerpunkt legen. Das bedeutet – ich glaube, da sind wir uns in vielen Punkten auch gar nicht so uneins –, dass es vorne anfängt, dass es in den Kitas anfängt, in der frühkindlichen Bildung, dass wir ein ganz wesentliches Augenmerk auf die Grundschulen legen müssen. Ich glaube, da müssen auch entsprechende Ressourcen eingesetzt werden. Nicht zuletzt zeigt sich das vielleicht auch an der Ausbildung und den Gehaltsstufen von Lehrerinnen und Lehrern. Am Ende müssen wir auch feststellen, dass dort bessere Ergebnisse gezeitigt werden, wo Kinder und Jugendliche Spaß am Lernen haben, wo sie länger gemeinsam lernen, sowohl was die Jahre angeht, aber auch im Ganztag. Das sind die Vorbilder, die wir uns nehmen sollten. Ich glaube, es wäre wichtig, im nächsten Bildungsausschuss einmal vertieft auf die Ergebnisse zu schauen, weil wir hier am Ende so viel parteipolitische Polemik an den Tag legen können, wie wir wollen, am Ende geht es um unsere Kinder und Jugendlichen, um die Zukunft unserer Gesellschaft. Daran arbeiten wir in Rheinland-Pfalz sehr, sehr stark. Herzlichen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)

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