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Cornelia Willius-Senzer

FDP 08.11.2023 Sitzungen 18/53

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Florence Nightingale, die Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege, hat sinngemäß einmal gesagt: Krankenpflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst. – In Deutschland kümmern sich circa 500.000 Kinder und Jugendliche um kranke oder pflegebedürftige Angehörige. Dabei übernehmen sie unterschiedliche Aufgaben. Sie putzen, kochen oder betreuen jüngere Geschwister. Kinder und Jugendliche sind vielfach auch in die Körperpflege eingebunden oder übernehmen krankenpflegerische Tätigkeiten. Diese Pflegeverantwortung kann vielfach zu Überlastungen und Überforderungserscheinungen führen. Die Situation ist den Kindern selbst oft gar nicht so bewusst. Viele Kinder und Jugendliche sehen sich selbst nicht als Pflegende und haben niemanden, mit dem sie über ihre Sorgen und Belastungen sprechen können. Liebe CDU, zu Ihrem Alternativantrag – wir haben heute das Thema auf der Tagesordnung –, es geht nicht um Pflegestützpunkte, Pflegemanager und Investitionsförderungen für stationäre Pflegeeinrichtungen, die Inhalte Ihres Alternativantrags sind. Sie verfehlen unser Thema leider voll und ganz. Wir befassen uns mit der Gruppe der Young Carer, also Kindern, die sich jahrelang um ihre kranken Eltern kümmern, ohne sich Hilfe zu suchen. Diese schutzwürdige Gruppe findet übrigens auch schon länger Beachtung. Anfang Oktober fanden in Berlin zu diesem Thema zum wiederholten Mal eine Fachtagung und Netzwerktreffen statt, bei denen es um die verbesserte soziale Teilhabe für junge Pflegende mit Migrations- und Fluchtbiografie ging. Bei dieser Gruppe junger Menschen kommen noch weitere Belastungsfaktoren hinzu. Um nur zwei zu nennen: Sprachbarrieren und posttraumatische Störungen. Meine Damen und Herren, wir reden über insgesamt eine halbe Million ungewöhnlich hilfsbereiter junger Menschen, die genau dadurch in ihrer seelischen Entwicklung und in ihrer Ausbildung ausgebremst werden, eine halbe Million gefährdete Biografien. Wir als FDP fordern natürlich, dass wir als Gesellschaft dorthin schauen müssen. Jedoch sollte in unserer Gesellschaft jeder hinschauen, wenn ihm ein junger Mensch begegnet, der derart belastet ist; denn hier bietet gerade die eigene Familie oft keine Hilfe, sondern im Gegenteil. Deshalb wollen wir öffentlichkeitswirksam auf das Thema aufmerksam machen, um insbesondere junge Pflegende zu erreichen und sie über das Themenfeld „Pflege“, über ihre Rechte und vor allem über ihre Entlastungsmöglichkeiten zu informieren. Wir möchten diese jungen Menschen nicht verlieren. Deshalb sollten wir rechtzeitig handeln. Es sind nicht nur die jungen Seelen, die in Gefahr sind. Es sind perspektivisch deutschlandweit 500.000 unverzichtbare Arbeits- und Fachkräfte für die Zukunft. Diese stehen nur dann eines Tages auch dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, wenn sie von der Gesellschaft rechtzeitig aufgefangen werden und eine normale Ausbildung absolvieren können. Lassen Sie uns also gemeinsam hinschauen und in unserem Bundesland Rheinland-Pfalz so vielen jungen Menschen wie möglich, trotz kranker Angehöriger, eine normale Entwicklung ermöglichen. Vielen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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