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Thomas Barth

CDU 08.11.2023 Sitzungen 18/53

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Man darf die Erziehung nicht gering schätzen, da sie unter den größten Gütern, die den Menschen zuteilwerden, den ersten Rang einnimmt. – Dieses Zitat des griechischen Philosophen Platon hat bis zum heutigen Tag nichts an seiner Gültigkeit verloren. Erziehung hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, allen voran die frühkindliche Bildung, die für die individuelle Entwicklung unserer Kleinsten prägend ist. Diese pädagogische Bildung und Bindung vermitteln unsere Erzieherinnen und Erzieher mit großem Engagement auf eindrucksvolle Weise unter schwierigen Rahmenbedingungen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Sie leisten einen unschätzbaren, ganz wichtigen Beitrag bei der Entwicklung unserer kleinsten Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ihnen gebührt daher unser allergrößter Dank und Respekt. (Beifall der CDU, vereinzelt bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Mit dem neuen Kita-Gesetz sind die Anforderungen an unser Personal gewachsen. So wurden die Betreuungszeiten mit der durchgehenden Betreuung ausgeweitet, ohne dass zusätzliches Personal zur Verfügung stand oder noch zur Verfügung steht. Das System wurde gedehnt, strapaziert, sogar überstrapaziert, obwohl bereits damals ein Fachkräftemangel bestand. Jetzt fehlen noch mehr Kräfte. Eine der größten Herausforderungen für die kommenden Jahre ist also die Fachkräftesicherung und -gewinnung. Aus dem Hut zaubern können wir sie allerdings nicht, (Vereinzelt Beifall bei der SPD) aber wir können durch Maßnahmen Anreize schaffen, damit sich mehr junge Menschen für diesen tollen Erzieherberuf entscheiden und am Ende als staatlich anerkannte Erzieherin und Erzieher antreten. (Beifall der CDU) Es ist also wichtig, dass wir das Berufsbild der Erzieherin und des Erziehers insgesamt attraktiver machen. Das beginnt natürlich mit der Ausbildung. Es gibt ganz verschiedene Wege, die man beschreiten kann, um in RheinlandPfalz Erzieherin oder Erzieher zu werden. Wir wollen auch nicht alles neu erfinden oder irgendwelche Dinge abschaffen, sondern wir wollen – ich sage es noch einmal – durch Maßnahmen Anreize verstärken. Damit die Fachkräfte ihrem Bildungsauftrag und den Ansprüchen an ihren Beruf gerecht werden können, brauchen wir eine neue Schwerpunktsetzung in der Erzieherausbildung, eine Erzieherausbildung, die den angehenden Fachkräften eine fachgerechte, qualitativ hochwertige Ausbildung mit frühem Praxisbezug angedeihen lässt, einen Ausbildungsweg, der attraktiv ist, weil er kompakt und vergütet ist und zum Ziel staatlich anerkannter Erzieher/anerkannte Erzieherin führt. Die Anforderungen an den Beruf haben sich in den letzten Jahren gewandelt und verändert. Die Ausbildung ist dieses Tempo nicht mitgegangen. So ist zum Beispiel die vorschulische Standardausbildung zum Erzieher unseres Erachtens nicht mehr zeitgemäß. Die Sozialassistenz ohne Mehrwert hat keinen Mehrwert, es sei denn, sie ermöglicht mit der anschließenden Erzieherausbildung die Erlangung der Fachhochschulreife. Der Bezug zur Arbeit am Kind und mit dem Kind und der Bezug zum Kind an sich erfolgt bei der vorgeschalteten Sozialassistenz viel zu spät. Dabei sind frühe Praxisphasen und -anteile wichtig, um Absolventen mehr praktische Erfahrung im Umgang mit den Kindern zu ermöglichen und sie so gut auf ihre berufliche Tätigkeit vorzubereiten. Was sagen wir jemandem – das bekomme ich bisweilen auch als Träger mit –, der zwei Jahre Sozialassistenz durchlaufen hat, in die Erzieherausbildung geht und dann feststellt, dass das doch nicht sein oder ihr Beruf ist? Mit unserem Antrag wollen wir die Erzieherausbildung attraktiver machen und damit dem Fachkräftemangel begegnen. (Beifall bei der CDU) Ziel ist es, die Anreize so zu schaffen, dass sich angehende Fachkräfte für den Erzieherinnen- und Erzieherberuf entscheiden. Dabei gehen wir eigentlich einen sehr einfachen Weg; denn wir wollen einen Ausbildungsweg, nämlich den der praxisintegrierten Ausbildung, zum Standard machen. Ein mindestens sechsmonatiges vergütetes Vorpraktikum gehört dazu. Damit greifen wir – salopp gesagt – auf das zurück, um das uns die ganze Welt beneidet, das duale Ausbildungssystem, das Theorie und Praxis sinnvoll miteinander verbindet. Es ist praktikabel; denn es bietet Anreize finanzieller und zeitlicher Art. Dafür braucht es entsprechende Schulkapazitäten, entsprechende Ausbildungskapazitäten. Meine Damen und Herren, die Zukunft unserer Kinder liegt in unseren Händen. Mit unserem Antrag auf eine Reform der Erzieherausbildung wollen wir eine zeitgemäße, fachgerechte und den Anforderungen an den Erzieherberuf angemessene und überdies auch nachgefragte Ausbildungsform zum neuen Standard machen und hierauf auch den Schwerpunkt setzen. Mit Erlaubnis des Präsidenten darf ich aus einer Evaluation des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg aus dem Jahr 2016 zitieren, das wie folgt lautet: Die praxisintegrierte Ausbildungsform ist ein Erfolgsmodell. Die Hoffnungen auf Erschließung neuer Zielgruppen haben sich erfüllt. Es spricht mehr Personen an, die mit beruflicher Vorerfahrung kommen und gerne einen anderen Weg einschlagen möchten. Der Anteil männlicher Interessenten ist deutlich höher, ebenso der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund. – Kurzum, ein Erfolgsmodell, und dem ist nichts hinzuzufügen, meine Damen und Herren. Deshalb bitte ich Sie, unserem Antrag zuzustimmen. Vielen Dank. (Beifall der CDU)

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