Daniel Köbler
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Herausforderungen sind da, aber die Ergebnisse nicht gerade aktuell und die Lösungsvorschläge schon gar nicht. Meine Damen und Herren, die IQB-Bildungsstudie 2022 hat die entsprechenden Ergebnisse in ganz Deutschland gezeitigt, die wir alle ernst nehmen, ernst nehmen müssen. Deshalb haben wir im Bildungsausschuss dazu eine umfängliche Anhörung durchgeführt. Ich habe jetzt in den Vorreden, ehrlich gesagt, relativ wenige neue Vorschläge, Frau Kollegin Groß, oder gar keine Vorschläge, vom Vorredner, gehört. Ich bin auch der festen Überzeugung, wir werden die Herausforderungen von heute und schon gar nicht von morgen nicht mit den Vorschlägen von vorgestern lösen können. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD – Zurufe von der CDU: Oh!) Frau Kollegin Groß, vielem von dem, was Sie diagnostiziert haben, kann ich durchaus zustimmen. An zwei Punkten kann ich Ihnen jedoch nicht zustimmen, zum einen – das ist vielleicht Ihr Job als Opposition – zu suggerieren, dass das Land und die Landesregierung hier nichts täten. Kollege Teuber hat eine Reihe von Maßnahmen aufgezählt. Das Zweite – das will ich hier noch einmal stark betonen – ist, dass Sie so ganz kurz darüber hinweggegangen sind, dass die Corona-Pandemie nicht als Erklärung heranzuziehen sei. Ich will die politische Verantwortung überhaupt nicht kleinreden, nur, Sie müssen sich einmal vorstellen, über wen wir hier reden. Die Ergebnisse sind von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern aus dem Frühjahr 2022. Das war noch am Ende der Hochphase der Pandemie. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Sie müssen sich jetzt einmal vorstellen, dass wir über Schülerinnen und Schüler sprechen, die ihre komplette Mittelstufe im pandemiebedingten Unterricht verbracht haben, in Fern- und Wechselunterricht von heute auf morgen. Natürlich bringt das Probleme. Bildungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Schülerinnen und Schüler mindestens ein Schuljahr in ihrem Kompetenzerwerb hintendran sind. Das kann man doch hier nicht einfach mal eben wegdiskutieren, zumal der Befund für ganz Deutschland zutrifft. Ich finde, man muss sich schon, auch wenn man sich an die Lösung der Probleme macht, in der Ursachenforschung ein Stück weit ehrlich machen, sonst wird man die Probleme am Ende nicht lösen. Das ist doch unsere Aufgabe als Politik, meine Damen und Herren hier in diesem Hause. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt bei der SPD sowie des Abg. Marco Weber, FDP) Ich muss ganz ehrlich sagen, mich haben die Ergebnisse daher nicht überrascht, (Abg. Joachim Paul, AfD: Das glaube ich!) weil es klar war, dass, wenn die Schulen geschlossen sind und zum ersten Mal in der deutschen Bildungsgeschichte Wechselunterricht und Digitalunterricht stattfindet, (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) dies abbildbar sein wird. Die gute Nachricht für die jungen Leute – die will ich auch einmal nennen – ist, dass wir einen Fach- und Arbeitskräftebedarf in Deutschland haben, sodass wir sie am Ende alle brauchen werden. Deswegen ist es unsere Aufgabe, diese jungen Menschen nicht einfach abzuschreiben, (Zuruf des Abg. Michael Frisch, AfD) sondern ihnen etwas zurückzugeben; denn sie haben in der Corona-Pandemie verdammt viel für diese Gesellschaft geleistet. Ich finde, das muss man auch einmal sagen können. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD sowie des Abg. Marco Weber, FDP) Wir haben in den Ergebnissen aber auch ein Thema dahin gehend, dass wir einen signifikanten Anstieg von jungen Menschen haben, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich eine Erhebung in einem Fach durchführe, in dem es um Sprache geht, ob ich die Muttersprache teste oder eine Fremdsprache. Das ist doch wohl jedem logisch klar. Jedes dritte getestete Kind hat Deutsch nicht als Muttersprache, die zu Hause gesprochen wird. Darauf muss man reagieren. Man kann das machen wie die AfD, die müssen alle weg, die müssen alle raus. Das aber wollen wir anderen alle gemeinsam nicht. Deswegen müssen wir darauf reagieren und attestieren, dass wir muttersprachlichen Unterricht ausbauen und gleichzeitig auch Deutsch dort, wo es eine Fremdsprache ist, adäquat vermitteln. Die Maßnahmen sind alle geschildert worden. Ich will noch ein letztes sagen. Wir machen unsere Schulen, unsere Bildung nicht besser, indem wir sie nur schlechtreden. Ich finde es bemerkenswert, dass bisher noch in keinem Satz gefallen ist, dass in der gleichen Studie attestiert worden ist, dass die Erhebungen, die Bildungsstandards im Fach Englisch signifikant besser geworden sind im Vergleich zu den Vorerhebungen. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Das müssen wir auch einmal anerkennen. Ist Englisch nicht heute in einer pluralisierten, vernetzten und digitalisierten Welt ebenfalls eine Schlüsselkompetenz für eine erfolgreiche Gestaltung der Zukunft in Beruf und Gesellschaft? (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD sowie des Abg. Marco Weber, FDP – Zuruf des Abg. Michael Frisch, AfD) Meine Damen und Herren, wir müssen die Ursachen genau anschauen und dann die Lösungen entwickeln. Dann kann man es auch gemeinsam besser machen für die Kinder und Jugendlichen. Herzlichen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Zuruf des Abg. Michael Frisch, AfD)
