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Sven Teuber

SPD 08.11.2023 Sitzungen 18/53

Sehr geehrter Präsident, Kolleginnen und Kollegen! 40 % der Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter wird nicht mehr regelmäßig vorgelesen. Das sind Zahlen von Erhebungen der Stiftung Lesen. Nächste Woche Freitag ist der bundesweite Vorlesetag. Ich glaube, dass auch viele von Ihnen und von uns hier im weiten Rund dann wieder unterwegs sind, um in Kitas und Grundschulen vorzulesen und Vorbild zu sein. Ich freue mich über jede und jeden, der das tut. (Abg. Michael Frisch, AfD: Dann ist ja alles gut!) Wir müssen sehen – da stimme ich zu –, es ist eine Polykausalität da, warum die Erhebungen des IQB-Bildungstrends so ausfallen, wie sie ausfallen. Das Vorlesen, gerade im frühkindlichen Alter, ist eine entscheidende, prägende Phase, um Grundkompetenzen im Spracherwerb zu erlangen. In diesem Sinne muss uns diese Erhebung der Stiftung Lesen sorgen. Es muss aber auch sorgen, dass wir immer wieder dieselben Plattitüden von rechts hören und immer wieder einfach Schuldige gesucht werden, die dafür eben nicht allein als Schuldige auszumachen sind, (Abg. Joachim Paul, AfD: Die Schuldigen sind Sie! Sie sind schuld!) dass sie tatsächlich als Kind und als Eltern nicht unbedingt immer nur die Wahl haben, hier hinzukommen, sondern teilweise auch gezwungen sind, wenn wir immer wieder nur auf die Kinder draufhauen, (Abg. Michael Frisch, AfD: Nein!) die einen Migrationshintergrund haben, wie Sie das gerade getan haben, (Abg. Michael Frisch, AfD: Es haut doch keiner auf die Kinder, das ist doch Unsinn!) wenn wir nicht motivieren, sondern demotivieren, wenn wir ausschließen, statt integrieren, und wenn wir keine Gemeinschaft erleben, die sich gemeinschaftlich um die Verbesserung kümmert, (Abg. Michael Frisch, AfD: Die Politik ist verantwortlich, nicht die Kinder!) wir aber trotzdem gut ausgebildete Kinder mit Grundkompetenzen haben. Wir müssen gemeinsam schauen, welche Schlüsse wir aus dem IQB-Bildungstrend ziehen können. Dazu haben wir bereits Anfang des Jahres eine Anhörung im zuständigen Bildungsausschuss gemeinschaftlich gemacht. Deswegen hat mich diese Aktuelle Debatte gewundert, weil wir uns intensiv mit diesem Bildungstrend auseinandergesetzt haben. Es gibt kein Erkenntnisproblem. (Abg. Joachim Paul, AfD: Es wird immer schlechter!) Es gibt kein Erkenntnisproblem. Wir sind in der Umsetzung einer Strategie. Ich will Ihnen in dem Zusammenhang deutlich machen, – – (Abg. Michael Frisch, AfD: Das haben Sie beim letzten Mal auch gesagt!) – Sie haben es aber offensichtlich nicht verstanden. (Abg. Michael Frisch, AfD: Sie setzen nichts um! Sie ändern nichts daran!) – – wie diese Strategie aussieht. Dass diese Ergebnisse aus demselben Bildungstrend kommen, den wir schon analysiert haben und woraus wir schon Schlüsse gezogen haben, das verschweigen Sie. Sie suggerieren, es seien neue Probleme, die aufkommen. Das ist wirklich nicht der Fall. In dem Zusammenhang muss man deutlich sagen, was wir machen. Erstens: Wir gehen in die frühere Sprachstandserhebung. Eineinhalb Jahre vor der Einschulung werden wir künftig die Sprachstandserhebung machen. (Abg. Martin Brandl, CDU: Nur für die, die nicht in der Kita sind! Nur für die, die nicht in der Kita sind!) Warum? – Damit wir in dem Zusammenhang die Kinder frühzeitiger fördern können und die Kitas und Schulen dann so unterstützen, dass die Kinder dort gefördert werden. (Abg. Martin Brandl, CDU: Für wie wenige Kinder ist das? – Das ist doch nur eine Handvoll Kinder! Lächerlich!) Zweitens: Wir werden zum neuen Schuljahr das Fach Deutsch stärken, indem wir eine Stunde mehr Deutsch in der 2. Klasse einführen. Das ist ebenfalls eine Umsetzung des Gutachtens der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission. Drittens: Wir führen ein tägliches Leseband ein als verbindliche Lesezeit in der Grundschule. Das ist ebenfalls ein erfolgreiches Modell, das wir miteinander schon diskutiert haben. Viertens: Die Schulen haben in diesem Schuljahr bereits alle Hefte und Fördermaterialien zum Thema „Lesen macht stark“ vorliegen. Dieses Schuljahr wird dazu genutzt, dass die Kolleginnen und Kollegen – denen ich und denen wir als SPD-Fraktion sehr für ihren Einsatz danken – schon jetzt das Material mit den Schülerinnen und Schülern der 1. und 3. Klasse nutzen und sie heranführen können, um das im nächsten Grundschuljahr verbindlich einzuführen. Fünftens: Wir stellen Schulsozialarbeitsmittel (Abg. Joachim Paul, AfD: Ach!) über das bekannte Maß hinaus zur Verfügung, und das besonders dort, wo wir die multiprofessionellen Teams besonders brauchen, nämlich in herausfordernden Lagen. Das ist ein Grund. Die Hintergründe der Familien sind ein Grund für diese Erhebungsergebnisse, ja. (Abg. Michael Frisch, AfD: Dafür sind Sie auch mitverantwortlich!) Dann müssen wir aber auch gemeinschaftlich schauen, wie wir die Familien bestärken können und sie nicht dafür beschimpfen, dass sie es nicht schaffen. Das heißt, wir stellen die Schulsozialarbeiter da ein, wo sie besonders gefordert sind. (Abg. Michael Frisch, AfD: Ihre Familienpolitik verhindert das doch!) Sechstens: Wir stellen 14,5 Millionen Euro für zusätzliches Personal an diesen Schulen zur Verfügung. Siebtens: 80 neue Stellen entstehen allein durch den Aufwuchs im Bereich der Mehrstunden für Deutsch in der Grundschule. Ich erkenne einen Plan, aber dass dieser nicht von heute auf morgen greifen wird, das ist selbstredend, glaube ich. Das heißt, wir müssen diese Strategie miteinander verfolgen. Wir müssen entschlossen die Kinder und die Familien unterstützen sowie die Kolleginnen und Kollegen motivieren und in ihrer Motivation bestärken, das Beste für die Kinder zu tun. Vielen Dank. (Beifall der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Cornelia Willius-Senzer, FDP)

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