Johannes Zehfuß
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! „Nicht Du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt Dich.“ Mit diesem Zitat aus dem Römerbrief möchte ich auf den Ursprung des Christentums eingehen. Dieses Zitat bestimmt bis heute das Verhältnis der Christen zum Judentum. So wie unser Neues Testament auf den heiligen Schriften der Juden aufbaut, stehen wir Christen wie Juden in der gemeinsamen Glaubenstradition von Abraham, Isaak und Jakob, von Mose und den Propheten. Juden und Christen sind unterschiedlicher Meinung in Bezug auf die Bedeutung der Person Jesu Christi, aber einig sind sie in der Überzeugung, dass Gott das Heil aller Menschen will. Dieser Zukunftsoptimismus ist das beste Mittel gegen Angst, Hass und Gewalt. (Beifall der CDU) Er ist die Wurzel, die uns trägt. In der letzten Zeit begegnen uns immer häufiger die Nachrichten von Konflikten zwischen Ländern oder Völkern, die teils in brutaler Gewalt eskalieren, wie wir es ganz aktuell erleben müssen. Diese Konflikte kommen immer näher, und wir können uns nicht darauf ausruhen, in der glücklichen Lage zu sein, seit nunmehr fast 80 Jahren in unserem Land in Frieden leben zu dürfen. Vergessen wir, Flagge zu zeigen? In unserer Gesellschaft wird ebenfalls immer häufiger nach den Unterschieden gesucht, den Dingen, mit denen wir uns voneinander abgrenzen. Es findet zunehmend eine Polarisierung statt. Der Dialog untereinander schwindet. Bischof Georg Bätzing sagte in einer Ansprache 2017 – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –: Dialog bedeutet immer auch, Wege zu finden, um respektvoll auch über das Trennende reden zu lernen, damit die Gesprächspartner das Vertrauen zueinander und in das Gemeinsame nicht verlieren, das in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitet wurde. Gegenseitige Wertschätzung und die Klarheit der Unterscheidung bilden zusammen die Basis weiterführender Gespräche. Nur auf dieser Grundlage kann eine gemeinsame Zukunft gestaltet werden. – Aus dem letzten großen Konflikt in unserem Land, dem Zweiten Weltkrieg, klingt eine Lehre immer wieder nach: Nie wieder. – Nach allem, was wir heute gehört haben und auch gleich in der Debatte der CDU-Landtagsfraktion gegebenenfalls hören werden, ist: Nie wieder, jetzt. – Nie wieder diese unbegreiflichen Gräueltaten an anderen und vor allem an jüdischen Mitmenschen. (Beifall der CDU und des Abg. Philipp Fernis, FDP) Papst Johannes Paul II. hat im Jahr 2000 unsere jüdischen Mitmenschen als unsere älteren Brüder bezeichnet und für die christliche Überheblichkeit und ihre zum Teil fatalen Folgen um Vergebung gebeten. So mahnt die Katholische Kirche beim II. Vaticanum in der Erklärung „Nostra Aetate“ über das Verhältnis zu nicht christlichen Religionen ihre Söhne, dass sie mit Klugheit und Liebe, durch Gespräche und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des Christenglaubens und -lebens jene geistlichen und sittlichen Güter – auch die sozialkulturellen Werte , die sich bei ihnen finden –, anerkennen, wahren und fördern. Die Verabschiedung des Gesetzes heute – eine Neufassung des bislang bestehenden aus dem Jahr 2012 – ergibt sich im Wesentlichen aus dem Austritt der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen aus dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz. Es soll unsere jüdischen Mitbürger weiterhin darin unterstützen, ihren Glauben ausleben zu können sowie zur Pflege und Entwicklung des gemeinsamen deutsch-jüdischen Kulturerbes beitragen. Der Schutz und die Sicherheit jüdischer Einrichtungen wurde zusätzlich in die Präambel aufgenommen. Beim Blick in die Zukunft sollten wir unsere Wurzeln nicht vergessen; denn „Nicht du trägst die Wurzel, die Wurzel trägt dich“. Die in der Präambel umschriebenen Grundsätze decken sich mit dem Gedankengut der CDU-Fraktion. (Glocke der Präsidentin) Die CDU-Fraktion wird der vorgelegten Neufassung des Landesgesetzes zu den Verträgen zwischen dem Land Rheinland-Pfalz sowie dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz und der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen vorbehaltlos zustimmen. (Beifall der CDU)
