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Helge Schwab

FREIE WÄHLER 28.09.2023 Sitzungen 18/51

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Wer mich gut kennt, weiß, ich setze mich in vielen Bereichen für Klarheit und Verlässlichkeit ein, auch was unsere Sprache betrifft. Vorweg, es geht heute nicht um Doppelnennungen wie vom Kollegen Kusch angesprochen. Da gebe ich Herrn Dr. Kusch absolut recht. Ist es denn zielführend, wenn Jugendliche im Sozialkundeunterricht etwas erfahren über das Lebenswerk von Malu Dreyer als unserer derzeitigen Präsidentin der Minister:innen, also konsequenterweise als derzeitige Minister:innenpräsidentin? Oder muss im Fach Mathematik das Sprichwort korrekterweise „Übung machen den/die Meister:in“ lauten; denn ansonsten würden sich die Mädchen nicht angesprochen fühlen? Nach meiner Auffassung tragen diese Beispiele nicht zur Geschlechtergerechtigkeit in unserer Gesellschaft bei. Vielmehr zeigt sich, wie die sprachliche Form den eigentlichen Inhalt überlagert und die Verständlichkeit erschwert. Es geht also um die Frage, gendern ja oder nein mit Binnenzeichen. Das ist aus meiner Sicht eine wichtige Debatte. Sie muss allerdings sachlich geführt werden. In Sachen Sachlichkeit hilft uns der Rat für deutsche Rechtschreibung weiter; denn ihm gehören bekanntlich die besten Experten der deutschen Sprache und Rechtschreibung an. Er ist die maßgebende Instanz und hat die Aufgabe, ein amtliches Regelwerk herauszugeben und damit die Einheitlichkeit der Rechtschreibung zu bewahren. Seinen Stellenwert bestätigte auch Bildungsministerin Frau Dr. Hubig in der letzten Sitzung des Bildungsausschusses, wie mehrfach genannt. Mit Erlaubnis der Präsidentin möchte ich aus der Vorlage 18/4530 zitieren: „Das Amtliche Regelwerk bildet nach wie vor die Grundlage des Unterrichts in den Schulen. Dies wird auch so bleiben.“ Diese Aussage begrüßt die FREIE WÄHLER-Landtagsfraktion ausdrücklich. Die Formulierung gibt klar vor, dass in den Schulen der amtlichen Rechtschreibung Geltung zu verschaffen ist. Es gilt, Schulen und Lehrkräfte sollen Wortbinnenzeichen nicht verwenden, und in Schülertexten sollen Sonderzeichen als nicht normgerecht, also als Fehler, gekennzeichnet werden. Nach unserer Auffassung steckt jedoch in dem so kleinen Wörtchen „soll“ der/die Teufel:in im Detail; (Heiterkeit des Abg. Dr. Joachim Streit, FREIE WÄHLER) denn es gibt einen großen Unterschied zwischen sollen und der Realiltät. Es geht daher vielmehr um die Frage, welche konkreten Möglichkeiten es gibt, die Erfüllung des Amtlichen Regelwerks in Bildungseinrichtungen sicherzustellen und wie davon Gebrauch gemacht wird. Da mir diese Frage wichtig erscheint, habe ich sie in Form einer Kleinen Anfrage an Frau Dr. Hubig gerichtet und warte gespannt auf deren Antwort. Wir, die Freien Wähler, sehen an dieser Stelle noch Klärungsbedarf. Mit einem Schreiben an die Lehrkräfte, wie im vorliegenden Antrag vorgeschlagen, ist es unserer Ansicht nach nicht getan. Aus diesem Grund werden wir diesen Antrag ablehnen. Abschließend möchte ich gerne noch etwas anmerken. Mit der Aussage, die Genderdebatte ist sprichwörtlich ein Sturm im Wasserglas, möchte ich bitte nicht mehr konfrontiert werden. Durch das Verwenden von Sonderzeichen im Wortinneren werden Strukturen verkompliziert und das Lesen sowie Schreiben deutlich erschwert. (Beifall des Abg. Peter Stuhlfauth, AfD) Das gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Deutsch als Zweitsprache oder für Schüler mit einer Lern- und Leistungsbeeinträchtigung. (Zuruf des Abg. Benedikt Oster, SPD) Gendergerechte Sprache ist keinesfalls barrierefrei und schon gar nicht inklusiv. Auch in Anbetracht der kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der IGLU-Studie sollten keine zusätzlichen Hürden aufgebaut werden. (Zuruf des Abg. Benedikt Oster, SPD) – Herr Oster, ich empfehle Ihnen, melden Sie sich. Dann können Sie hier ohne Probleme reden. (Zuruf des Abg. Benedikt Oster, SPD) – Die Zeit stehlen Sie mir nicht, weil ich ohnehin gleich am Ende bin. (Zuruf des Abg. Benedikt Oster, SPD) – Herr Oster möchte sicherlich noch einen Beitrag leisten. Vielleicht kennt er sich im Gendern aus. (Abg. Benedikt Oster, SPD: Ich kann gendern!) Aus diesem Grund ist es wichtig, (Zurufe des Abg. Benedikt Oster, SPD) darüber zu sprechen, dass Texte versachlicht und sprachlich korrekt verständlich und lesbar sein müssen. Dafür setzt sich die FREIE WÄHLER-Landtagsfraktion gerne ein. Danke schön. (Beifall der FREIEN WÄHLER und vereinzelt bei der CDU)

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