landtag-rlp.de ↗

Ralf Schönborn

AfD 27.09.2023 Sitzungen 18/50

Herr Präsident, meine Damen und Herren! „Zukunftsbranche Landwirtschaft“ titelt die FDP. Die Wahrheit ist aber, dass sich durch die EU-Agrarpolitik die Zahl der Höfe in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren fast halbiert hat. Jeden Tag sind mehr als sechs Betriebe gezwungen, ihre Hoftore für immer zu schließen. Kein Wunder, dass die Landwirtschaft mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hat. Da nützt auch die rheinland-pfälzische Hofübernahmeprämie wenig. Wenn es nach dem Willen einiger Öko-Utopisten geht, soll die Landwirtschaft wegen Ausstoß von CO am besten ganz abgeschafft werden. Künftig sollen wir Fleischersatzprodukte aus dem Bioreaktor essen, Industriefood statt Landwirtschaft. Meine Haltung ist ganz klar: Ich möchte auch in Zukunft gesunde Schnitzel von echten Schweinen aus heimischer Landwirtschaft und keine Insekten aus Übersee und auch kein Industriefood aus dem Bioreaktor kaufen. (Beifall der AfD) Meine Damen und Herren, wir haben unseren Landwirten unseren Wohlstand zu verdanken. Wenn ich Sie frage, woher denn unser Wohlstand kommt, dann werden die meisten von Ihnen Dinge nennen wie Industrie, Automobilindustrie, Handel, Gewerbe, Dienstleistungen usw. Die wenigsten werden an andere Lebensbereiche denken und schon gar nicht an die Landwirtschaft. Dabei spielt die Landwirtschaft in der Entwicklung unseres Wohlstands tatsächlich eine sehr große Rolle. Daher gebe ich Ihnen gern einmal einen kurzen Abriss durch die geschichtliche Entwicklung in der Landwirtschaft. Im Jahr 1800 benötigte man noch drei Bauern, um einen Nicht-Landwirt zu ernähren. So um 1900 ernährte ein Landwirt schon drei Personen, 1950 stieg die Zahl auf elf Personen, und heute sind es bis zu 160 Personen, die ein Landwirt in Deutschland ernährt. Erst diese ganz enorme Effektivitätssteigerung hat Arbeitskraft auf dem Land freigesetzt, die nun für Handwerk, Industrie, Dienstleistungen usw. zur Verfügung steht. Lebensmittel wurden immer besser verfügbar, seit 70 Jahren ist Hunger in Deutschland unbekannt und die Versorgung unserer Bürger mit Nahrungsmitteln sichergestellt. Das alles führte zu Wohlstand. Sie sehen, mithilfe moderner Bewirtschaftungsmethoden ist es unserer Landwirtschaft über die vergangenen Jahrzehnte gelungen, den Flächenertrag und die Ertragsqualität deutlich zu steigern. Diese Entwicklung muss weitergehen; denn mit der wachsenden Weltbevölkerung steigt auch die Zahl der Menschen, die mit gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen sind. Daran knüpft der aktuelle Trend der Digitalisierung nahtlos an. Digitale Innovationen ermöglichen es landwirtschaftlichen Betrieben, die Effizienz in verschiedenen Betriebsprozessen zu steigern, landwirtschaftliche Tätigkeiten zu erleichtern und Umweltbelastungen zu verringern. Digitalisierung ermöglicht, Tierhaltung zu verbessern und transparenter zu arbeiten. Die TH Bingen untersuchte im Rahmen eines Projekts die Bedarfe der landwirtschaftlichen Betriebe in der Digitalisierung. Eine Befragung dazu ergab, dass der Fokus der Erwartungen vor allem im Bereich der Arbeitserleichterung und Kosteneinsparung liegt, und tatsächlich, Smart Farming bestehend aus Bodenmessungen und Analysen, Präzisionsbewirtschaftungen und dem Einsatz von Drohnen führt zu einer Ertragssteigerung von mindestens 30 %, einer Optimierung der Arbeitsressourcen von bis zu 70 % und einer Verbesserung des Deckungsbeitrags von wenigstens 98 %. Das zeigte das Unternehmen FarmBlick aus Baden-Württemberg. In Rheinland-Pfalz ist der Stand der Digitalisierung leider noch immer auf einem geringen Niveau. Meine Damen und Herren, wie oft schon und wie lange hat die AfD-Fraktion Kritik an der schleichenden Digitalisierung in Rheinland-Pfalz in diesem Parlament und in den Ausschüssen geäußert. (Abg. Hans Jürgen Noss, SPD: Daran kann ich mich nicht erinnern!) Wir müssen uns also insbesondere darum kümmern, dass unsere Betriebe an den Vorteilen der Digitalisierung teilhaben können, gerade auch die kleinen und mittleren. Der erste Schritt dazu ist der weitere flächendeckende Ausbau der digitalen Infrastruktur auf dem Land, ein zweiter Schritt die Sicherstellung des Datenschutzes. Für uns als AfD-Fraktion steht fest, dass alle betrieblichen Daten dem Landwirt gehören. Cybersicherheit und Datenschutz müssen auch dort im Vordergrund stehen. Werte Kollegen, was digitale Strukturen angeht, bietet zum Beispiel die Wissenstransfer-Plattform Farmwissen eine gute Möglichkeit, zusammen mit den Landwirten Praxiserfahrungen und Ansprüche in neue Technologien einfließen zu lassen. Weitere Strukturen, auf denen man in Rheinland-Pfalz aufbauen kann, sind die AgroScience GmbH und das Kompetenzzentrum Smart Farming. (Zuruf des Abg. Benedikt Oster, SPD) Meine Damen und Herren, egal ob automatisierte Fütterungssysteme, Maschinen, die miteinander kommunizieren, autonom steuernde Fahrzeuge, Verzahnung der Produktion mit modernster Kommunikationstechnik, die digitalen Technologien werden in der deutschen Landwirtschaft überwiegend positiv beurteilt und gut angenommen, aber sie sollten bezahlbar bleiben. Fazit: Die rheinland-pfälzische Landwirtschaft braucht weniger Vorschriften und Gängeleien, stattdessen mehr Förderung von Technologien und deren Anwendung. Vielen Dank. (Beifall der AfD)

Alle Reden von Ralf Schönborn Protokoll ↗