Jutta Blatzheim-Roegler
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! In diesem Sommer war ich mit meiner Kollegin Pia Schellhammer unter anderem in den Moselweinbergen. Wir konnten uns dort bei einer Vorführung des DLR Mosel den Einsatz von Drohnen in den Steil- und Steilstlagen zeigen lassen. Praxisnah wurde uns gezeigt, wie in Zukunft umweltschonend und risikoarm Pflanzenschutzmittel auf die Reben gesprüht werden können. Im Gegensatz zum Einsatz von Hubschraubern ist die Drohne leiser, einfacher in der Handhabung und kann nötige Pflanzenschutzmittel zielgenauer versprühen; ein digitales und innovatives Vorzeigeprojekt made in RheinlandPfalz. Der Drohneneinsatz wurde übrigens bereits im Jahr 2011 von unserer damaligen Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken als Pilot auf den Weg gebracht. Das heißt, bis zur Praxisreife hat es zwölf Jahre gedauert. Dazu muss ich anmerken, dass solche Prozesse, auch was die bürokratischen Verfahren angeht, in Zukunft beschleunigt werden sollten. Wir haben uns bei weiteren Besuchen bei Landwirtinnen und Landwirten umgesehen und waren begeistert, mit welcher Verve und natürlich auch mit welchem Arbeitsaufwand in den Familien, mit welcher Kreativität die Landwirtinnen und Landwirte neue Wege gehen, auch in der Vermarktung. Ich bin sehr dankbar für diese Aktuelle Debatte „Zukunftsbranche Landwirtschaft – Durch Innovation zu mehr Resilienz und Leistungsfähigkeit auf Höfen und Weinbergen“; denn kaum eine Branche digitalisiert und automatisiert ihre Prozesse gerade so grundlegend wie die Branchen Landwirtschaft und Weinbau. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP) Rheinland-Pfalz nimmt mit seinen Bäuerinnen und Bauern, Winzerinnen und Winzern, Landmaschinenherstellerinnen und -herstellern sowie Versuchsund Beratungsstellen einen Spitzenplatz beim Digital Farming ein. Wir haben die GeoBox entwickelt und somit eine Plattform für den Austausch von Daten und Informationen für die gesamte Agrarwirtschaft geschaffen. Damit hat Rheinland-Pfalz im Übrigen ein inzwischen bundesweit genutztes Verfahren entwickelt. Mit dem Hofgut Neumühle hat ein bundesweit bedeutendes Zentrum für Digital Farming seinen Standort in der Pfalz. Kürzlich erhielt die Versuchsanstalt eine EU-Förderung in Höhe von 2,2 Millionen Euro für das Projekt „Nachhaltigere Milch“; wir haben in der vergangenen Sitzung des Landwirtschaftsausschusses darüber gesprochen. Für den Bürokratieabbau im Weinbau haben wir im Frühjahr die digitale Verfügbarkeit des Weinbegleitdokuments umgesetzt. Wir haben zukunftsweisende KI-Projekte des Bundes wie das Vorhaben „PhenoTruck“, das mittels künstlicher neuronaler Netze Schädlinge direkt im Feld und im Weinberg identifizieren kann. Natürlich haben wir auch den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildtechnik zur Rehkitzrettung. Ich freue mich, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium die Mittel für dieses Projekt von 2 Millionen auf 4,4 Millionen Euro heraufgesetzt hat; denn die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass diese Methode die mit Abstand effektivste Möglichkeit ist, um Rehkitze zu orten und zu retten. Wir müssen innovativ denken – ich glaube, darin sind wir uns, zumindest in der Regierungskoalition, einig –, wenn wir für die Folgen des Klimawandels gewappnet sein wollen, auch was den Weinbau angeht, Stichwort „Neue Rebsorten“. Vermehrt auftretende Extremwetterlagen – diese haben wir jetzt auch noch einmal in Rheinland-Pfalz erleben müssen: Spätfrost, Hitzeperioden, extreme Trockenheit, Hagel – gefährden die empfindlichen Weinreben, und das Sortenspektrum verschiebt sich. In den nächsten Jahren werden in unseren Weinanbaugebieten vermehrt Rotweine wie zum Beispiel Merlot oder Pinot angebaut. Wir waren mit dem Ausschuss in Polen. Selbst in Polen wird jetzt Wein angebaut. Der Klimawandel schreitet also voran, und natürlich werden wir in Rheinland-Pfalz davon zum Teil empfindlich getroffen werden. Das betrifft leider auch den Riesling. Deshalb müssen wir die Züchtung von Rieslingreben, die mit dem Klimawandel zurechtkommen und insgesamt ein lockereres Beerenwachstum ausweisen, unterstützen. Die traditionellen Rebsorten leiden unter dem Extremwetter, weswegen wir die sogenannten neuen Rebsorten, die klimaangepasst sind, brauchen, Stichwort „PIWIs“, pilzwiderständige Sorten. Diese sind gegen gängige Pilzkrankheiten resistent. Sie haben ein längeres Stielgerüst und sind lockerbeerig, also insgesamt weniger anfällig. In Rheinland-Pfalz befinden sich (Glocke des Präsidenten) zurzeit 100 pilztolerante neue Rebsorten im Anbau, auf ca. 3 % der Gesamtfläche. Das muss mehr werden. Mehr dazu in der zweiten Runde. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)
