Claus-René Schick
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Präsident! Der Titel zur Aktuellen Debatte ist Programm: „Zukunftsbranche Landwirtschaft – Durch Innovation zu mehr Resilienz und Leistungsfähigkeit auf Höfen und Weinbergen“. Wir dürfen die Augen nicht vor den Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht, verschließen. Dass sich das Klima wandeln dürfte, ist uns allen klar. Ich lasse jetzt einmal die Begrifflichkeit „menschengemachter Klimawandel“ weg, damit nicht gleich wieder ein Teil des Parlaments Schnappatmung bekommt. Dass Niederschläge immer unkalkulierbarer werden und in der Verteilung nicht mehr verlässlich sind, gehört heute bereits zum Alltag. Bei den Besuchen vor Ort schildern uns die Landwirte ihre Ängste und Nöte. Neben den klimatischen Herausforderungen stellt der Arbeitskräftemangel ein immer größeres Problem in der Landwirtschaft dar. Auch befindet sich die Landwirtschaft ständig in dem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach gesicherter Nahrungsversorgung, Ökologie und Wirtschaftlichkeit, was die Sache nicht einfacher macht. Die Wünsche an die Landwirtschaft gehen bisweilen an der Realität vorbei, wie wir im Entwurf der EU-Kommission zu einer neuen Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln haben erfahren dürfen. Es ist auch in der Zukunft damit zu rechnen, dass uns invasive Pflanzen, Tiere und Insekten immer mehr beschäftigen werden. Doch was kann die Lösung für die Landwirtschaft sein? – So kommen wir wieder zurück zum Titel der Aktuellen Debatte bzw. zu dem wichtigsten Schlagwort darin: Innovation. Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Landwirte sehr innovativ sind und es schon immer waren. Es war und ist aber auch notwendig, dass die Landwirtschaft Unterstützung bekommt, um die Aufgaben und Herausforderungen, die sich ihr stellen, meistern zu können und aus alten Abläufen herauszukommen und Innovation annehmen zu können. Das tun wir. Wir unterstützen die Landwirtschaft mit unseren Einrichtungen, den Dienstleistungszentren Ländlicher Raum, den Hochschulen und Universitäten. In diesen wird hervorragende Forschungsarbeit betrieben: Monitoring bei Phytomedizin, in der Erarbeitung von Strategien bei Schadenslagen und immer wieder mit innovativen Anwendungsempfehlungen für die Landwirtschaft bei der Bewältigung der jeweiligen Problemlage. Innovation – ich schließe mich Herrn Weber an – findet auch auf dem Hofgut Neumühle an der Alsenz statt. Dort bekommen wir einen Eindruck davon, welche Innovationssprünge noch vor uns liegen. Es hat sich in den letzten Jahren stark verändert und zu einer Smartfarm entwickelt, die beispielgebend ist. Wir haben als Land aktuell – Herr Weber hat das auch schon erwähnt – das Projekt „Nachhaltige Milch“ mit rund 2,2 Millionen Euro mitfinanziert. Damit wird an der Optimierung der Milchwirtschaft gearbeitet. Ich möchte anmerken, dass die Milchviehwirtschaft immer wieder vor großen Herausforderungen stand und steht. Durch Digitalisierung wird es immer besser und einfacher, die verschiedenen Parameter, die für eine erfolgreiche Milchwirtschaft eine Rolle spielen, nachzuvollziehen. Wie viel frisst die Kuh? Was ist ihre Milchleistung? Was macht ihre Gesundheit? Wann will sie im automatischen Melkstand gemolken werden? Welche Qualität an Milch gibt das Tier? Was kann ich tun, dass all diese Erkenntnisse zu einer Haltungsform führen, die für das Tier die artgerechteste ist und für die Landwirte zu einer ökonomischen führen? Eine große Bedeutung für die Bewirtschaftung von Grünland durch Milchvieh ist ebenfalls die Frage der Gülleentsorgung, was durch die Digitalisierung auch besser gelöst werden kann. Die Zusammenarbeit der Neumühle mit dem Partner John Deere macht es möglich, Innovationen und Ideen zu verwirklichen, die früher undenkbar waren, aber allen Aspekten der Landwirtschaft zugutekommen. Eine bedarfsgerechte Ausbringung von Gülle auf dem Grünland unter ständiger Analyse der Inhaltsstoffe, und dies bei vorhergehender genauer Betrachtung, wo und wie viel Gülle gebraucht wird, ist so möglich. Damit entsteht kein Überschuss von Dünger bzw. Bestandteilen davon im Boden und im Grundwasser. Die negativen Folgen für die Umwelt bleiben aus. Auf der Neumühle werden auch Versuche durchgeführt, die den Weg zu immer größerer Automatisierung möglich machen sollen, was die Fragestellung des Arbeitskräftemangels in der Landwirtschaft beantworten könnte. Die digitalen Möglichkeiten können ebenso den Pflanzenschutz massiv verbessern. Durch genaue visuelle Erkennung von Schadkräutern auf Feldern und in Sonderkulturen kann und wird in Zukunft der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auch ohne zu restriktive Vorgaben immer weiter zurückgehen. Das liegt auch im erklärten Interesse der Landwirte. Alles in allem sehe ich unsere Landwirtschaft auf einem guten Weg. Für die Koalition kann ich versichern, dass wir alles dafür tun werden, um die Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz zu unterstützen und zu begleiten. Wir stehen an der Seite der Landwirtschaft auf ihrem Weg zu noch mehr Innovation, zum Wohle unseres Landes und der Branche. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
