Carl-Bernhard von Heusinger
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich stimme mit Ihnen, lieber Herr Kollege Junk, und mit der CDU-Fraktion in einem wichtigen Punkt überein: Feuerwehrfrauen und -männer leisten Herausragendes. Das zeigt sich gerade ganz besonders, da derzeit leider kaum ein Tag vergeht, an dem unsere Feuerwehren nicht auf einem Acker oder im Wald stehen und dort Brände löschen. Gestern musste ich auf meiner Fahrt nach Mainz einen Brand am Rande der Autobahn melden. Auch dort war die Feuerwehr wieder gefordert. „Im Wald stehen“ ist dabei nicht metaphorisch gemeint; denn unsere Feuerwehrfrauen und -männer sind hervorragend ausgebildet, und ja, die Führungskräfte müssen ausreichend Kapazitäten an der LFKA erhalten. Es gibt jedoch nicht nur Häuptlinge, es gibt auch unzählige Ausbildungsangebote für Feuerwehrleute auf kommunaler Ebene; denn hier spielt die Musik, wenn wir über die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren in unserem Land sprechen. Viele Feuerwehrleute sind tagsüber nicht in ihren Ortsgemeinden verfügbar, weil sie fernab der Heimat zur Arbeit gehen. Viele Feuerwehren müssen in anderen Ortsgemeinden aushelfen, da Einsatzkräfte fehlen. Stundenlange Einsätze erfordern zudem teilweise mehrfache Ablösungen durch Kolleginnen und Kollegen. Wir können dieser gesellschaftlichen Entwicklung nur bedingt entgegenwirken. Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen auch dort arbeiten, wo sie leben. Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, hilft hier sicherlich ein wenig. Was können wir aber tun, um die Ehrenamtlichen in unserem Land zu unterstützen? Was führt nun also dazu, dass sich Menschen für die Gesellschaft einsetzen? – Sie haben die Antwort in Ihrem Antrag selbst gegeben. Es ist die Wertschätzung, die wir als Gesellschaft entgegenbringen. Zu dieser Wertschätzung gehören natürlich auch Ehrenabzeichen für die Ausgehuniform. Das ist im klassischen Sinn nice to have, es gibt viele Feuerwehrleute, die diese Abzeichen mit Stolz tragen, aber niemand dieser Menschen springt für eine Ehrenurkunde nachts um drei aus dem Bett, um eine Ölspur zu beseitigen. (Zuruf des Abg. Dennis Junk, CDU) Wie können wir also den Zusammenhalt der Kameradinnen und Kameraden fördern, die Menschen an die Vereine, die Feuerwehr binden? – Die Antwort: Bereits seit 2014 gibt es die Ehrenamtskarte in Rheinland-Pfalz. Vergünstigte Besuche von Museen, Bädern, Theatern, Veranstaltungen sind damit schon lange möglich. In Koblenz werden beispielsweise Freikarten für den Besuch der Schlosstreppen bei „Rhein in Flammen“ verlost. Hiermit besteht die Möglichkeit, sich mit Kameradinnen und Kameraden nach einem langen Einsatz im Schwimmbad zu entspannen oder bei einem Konzert einmal abzuschalten und eben nicht an die schlimmen Erlebnisse zu denken. Damit haben wir viel für diese Menschen getan, die im Einsatzalltag nur als Team funktionieren. Ja, die Wertschätzung der Gesellschaft für unsere Ehrenamtlichen ist wichtig. Ein weiterer Baustein ist der Ehrenamtstag, der am 3. September bereits zum 20. Mal stattfindet. (Zuruf des Abg. Johannes Zehfuß, CDU) Es gibt keinen besseren Ort, um die Menschen, die sich in so vielfältiger Weise für unsere Gesellschaft einsetzen, kennenzulernen. Hier können unsere Ehrenamtlichen ganz prominent zeigen, was sie können. Hier kommen sie mit anderen Menschen ins Gespräch. Ganz nebenbei ist das die größte Stellenbörse für das Ehrenamt in Rheinland-Pfalz. Diese Funktion ist nicht zu unterschätzen; denn wir alle wissen, das Ehrenamt braucht Nachwuchs. Nachwuchsarbeit ist der Schlüssel zu mehr Engagement. Lassen Sie uns deshalb den Fokus unserer Anstrengungen auch auf die Jüngsten in unseren Bambiniund Jugendfeuerwehren legen. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten für unsere Kommunen, Zeltlager, Ausflüge, Mitmachfeste. Solche Aktionen steigern die öffentliche Wahrnehmung und das Interesse an der Arbeit unserer Feuerwehren und Hilfsorganisationen. Die Bandbreite des ehrenamtlichen Engagements ist groß, von der einfachen Mitgliedschaft bis hin zur Leitung einer Jugendabteilung oder einer gesamten Feuerwehr. Ihre Forderung ist mir da zu pauschal. Deshalb lehnen wir den Antrag der CDU ab. Wir haben alle das gemeinsame Ziel, unsere Feuerwehren und Hilfsorganisationen für die Zukunft aufzustellen; denn wir haben es in diesem Hause schon sehr oft gehört, die Anforderungen vor allem für unsere Feuerwehren werden in der fortschreitenden Klimakatastrophe weiter steigen. Hier brauchen wir einen guten Zusammenhalt und mehr Nachwuchs. Dafür – Herr Kollege Noss hat es gesagt – steht die Ehrenamtsstudie, die wir beauftragt haben. Lassen Sie uns die Ergebnisse abwarten. Dann werden wir auch noch handeln. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)
