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Sven Teuber

SPD 22.06.2023 Sitzungen 18/47

Frau Präsidentin, Kolleginnen und Kollegen! Was wollen wir für unsere Kinder? – Wir wollen, dass sie den Weg gehen können, den sie gehen wollen. Wir wollen das Kind, die Eltern, die Kolleginnen und Kollegen dahin gehend bestärken, diesen Weg bestmöglich mit bestmöglicher Förderung individuell so anzupassen, dass es dem Kind gerecht wird und das Kind eine selbstbestimmte Zukunft nach der Schule leben kann. Das ist das Ziel bei der individuellen Förderung und bei unserem Plan, mehr Inklusion möglich zu machen, ohne es zu erzwingen. Wir brauchen dazu alle Schulen, die wir jetzt haben. Wir wollen auch alle Schulen bewusst in diesen Prozess integrieren, aber wir wollen es nicht nur einer Schule überlassen, nämlich der Förderschule. Die Sonderschulen, die Sie angesprochen haben, suche ich noch. Die Förderschulen leisten eine hervorragende Arbeit, deswegen werden wir sie weiter brauchen. Man wird kein Problem herbeireden können, wo keines ist. Die Förderschulen werden ihren Stellenwert erhalten und behalten, solange es Kinder und Eltern gibt, die mit den Kolleginnen und Kollegen in dieser Schulform das Angebot so ausprägen, dass es im besten Sinne einer Entwicklung des Kinds ist. Wenn Sie die Heterogenität darstellen, als würde sie künstlich erzeugt, ist zu sagen, die gibt es schon immer. Es gibt schon immer starke und schwächere Schüler. Es gibt schon immer mehr Interessierte in Mathe und mehr Interessierte in Deutsch oder in Sachkundeunterricht. Das ist keine Neuerung. Das war und wird auch immer so bleiben, weil es unterschiedliche Interessen in unserer vielfältigen demokratischen Gesellschaft gibt. Es gibt unterschiedliche Interessenlagen, die wir auch unterschiedlich fördern und in dem Zusammenhang unterschiedlich an Entwicklungsständen abbilden können. Das heißt, das ist kein ideologisches Konstrukt, sondern das sind Menschen, die hier auch zusammen sind. Die Heterogenität müssen wir in einem gemeinsamen Rund ertragen oder leben, mindestens aber dulden. Ich glaube, in dem Zusammenhang muss man schauen, wie kann man auch in diesem Rund einen Kompromiss finden, um eine Lösung voranzubringen, die allen hilft? Nichts anderes ist Schule auch. Dort kommt Gesellschaft zusammen, will gemeinsam die Welt erkunden und neue Erkenntnisse gewinnen, um Kompetenzen hinzuzugewinnen. Wir möchten nicht, dass das dem Zufall oder der Herkunft, dem Hintergrund von Familie überlassen wird, sondern jedem Kind gleiche Chancen zustehen, den Weg zu gehen, den die Eltern, die Kolleginnen und Kollegen und auch das Kind für sich entscheiden. Das muss im Mittelpunkt der Bildungspolitik stehen. (Beifall der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es gibt überhaupt gar kein Problem, wenn ich das sehe, dass wir dahin gehend die Kolleginnen und Kollegen in allen Regelschulen befähigen und sie auch den Willen haben, sich fortzubilden. Frau Staatssekretärin, wir haben im Pädagogischen Landesinstitut genügend Angebote. Wir haben viel mehr an Lebenswirklichkeit in der Schule und in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern – die bei Ihnen doch scheinbar deutlich länger zurückliegt, wenn ich mir Ihre Reden so anhöre, als ich das dem Lebensalter nach vermuten mochte –, als Sie das hier darstellen. Wir müssen gemeinsam Kolleginnen und Kollegen für diese Aspekte, aber auch für die Herausforderung von Heterogenität Instrumente an die Hand geben, um den Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden. Wir wollen auch, dass Förderschullehrkräfte weiter gestärkt werden und bauen deswegen den Studienstandort Koblenz aus. Wir wollen, dass wir multiprofessionelle Teams so weit ausstatten, dass wir durch Schulsozialarbeit, aber auch, Frau Staatssekretärin, durch Integrationshelferinnen und Integrationshelfer mit den Kommunen gemeinsam vor Ort noch stärker in den Regelschulen das ganze System unterstützen. Das Kind entscheidet mit den Eltern. Es muss auch die Durchlässigkeit geben, wenn man den Weg in die Förderschule gegangen ist, dass zu einem Zeitpunkt X, an dem alle miteinander entscheiden, das ist jetzt ein guter Weg zurück in die Regelschule, dieser Weg ermöglicht werden kann. Ich glaube, diese Durchlässigkeit, diese individuelle Betrachtung jedes Kinds ist nichts, was man ideologisch oder politisch ausschlachten sollte, sondern man sollte anerkennen, dass wir Familien in ihrem Weg stärken, das Beste für ihr Kind zu tun. Dazu braucht es alle Schulformen. Dazu braucht es starke Kolleginnen und Kollegen. Dazu braucht es keinen scheinbar dahergeredeten Bildungskrieg. Den gibt es nicht. Es gibt keinen Dissens. Deswegen braucht es auch keinen, der sich uns in den Weg stellt. Wir brauchen Rückenwind, um starke Kinder für die Zukunft auszubilden. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)

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