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Ralf Schönborn

AfD 22.06.2023 Sitzungen 18/47

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Die Weidetierhaltung ist eine tiergerechte und naturnahe Nutztierhaltungsform, die unseren Landwirten und den betroffenen Tieren zahlreiche Vorteile bringt: Eine grundfutterbetonte Tierernährung wird sichergestellt, das Tierwohl wird gefördert, und Lebensmittel tierischen Ursprungs werden naturnah und regional produziert. Sozusagen nebenbei wird durch diese Tierhaltungsform noch ein wertvoller Beitrag für die Biodiversität geleistet, da beweidete Flächen zu den artenreichsten in der Kulturlandschaft gehören. Der Wolf ist ein Raubtier. Dass Wölfe Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Rinder in Rheinland-Pfalz angreifen und töten, ist nicht nur theoretisch möglich, sondern geschieht auch in der Praxis. Laut Statistik gab es im Jahr 2021 44 Übergriffe durch Wölfe mit 101 betroffenen Nutztieren. Wer schon einmal durch den Wolf getötete Weidetiere auffinden musste, weiß, wie grauen- und schmerzhaft diese Art zu sterben für die Tiere sein muss und wie schlimm es für die Halter ist, ihre Tiere so vorzufinden. Darüber hinaus führt es auch zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für die Weidetierhalter. Was wir in Rheinland-Pfalz wegen der insgesamt zunehmenden Präsenz des Wolfs benötigen, ist ein konsequentes aktives Wolfsmanagement. Meine Damen und Herren, die Wiederansiedlung des Wolfs ist ein großer Erfolg des Artenschutzes, ohne Frage. Das ist ein Erfolg, der eigentlich von niemandem infrage gestellt wird. Doch bei der Frage der Wiederansiedlung geht es nicht um das Ob, sondern um das Wieviel. Auf der einen Seite muss die genetische Vielfalt der Wolfspopulationen, auf der anderen Seite die Koexistenz von Wölfen, Nutztieren und Menschen gewährleistet sein. Das ist und bleibt nun einmal ein Spannungsfeld. Deswegen gilt für die Zahl der Wölfe: So viele wie für die genetische Vielfalt nötig, und so wenige wie für die Koexistenz erträglich. Die Landesregierung positioniert sich in dieser Frage aber wieder völlig einseitig. Herdenschutzmaßnahmen sind teuer und teilweise nicht praktikabel und damit unbrauchbar. Die Antwort der Landesregierung lautet aber nahezu immer, mehr Zäune, mehr Hunde. Das ist nicht zufriedenstellend, meine Damen und Herren. Die Ampel verwechselt dabei wieder einmal Symptomlinderung mit Ursachenbekämpfung. Meine Damen und Herren, nehmen Sie endlich zur Kenntnis, auch mit Herdenschutzmaßnahmen können Sie bei steigender Zahl von Wölfen eine steigende Zahl von Wolfsrissen nicht verhindern. Der Wolf ist nämlich ein anpassungsfähiges und sehr intelligentes Tier, und die Folgen Ihrer unverantwortlichen Politik können wir dann bald täglich den Tageszeitungen entnehmen. Tierhalter werden aufgeben, weil sie diesen vielfältigen Belastungen auf Dauer nicht gewachsen sind und ihnen nicht standhalten. (Vizepräsidentin Astrid Schmitt übernimmt den Vorsitz) Wir wollen das nicht, liebe Kollegen. Wir wünschen uns beim Thema „Wolf“ endlich mehr Realismus und weniger Romantik und fordern aus diesem Grund den Einstieg in die Bestandsregulierung. (Beifall der AfD) Liebe Kollegen, problematische Wölfe müssen vergrämt oder entnommen werden, um die Sicherheit von Mensch und Tier zu gewährleisten und Konflikte zu vermeiden. Dies kann zum Beispiel in Fällen geschehen, in denen ein Wolf Nutztiere angreift, obwohl Schutzmaßnahmen ergriffen wurden. Uns ist bewusst, dass nach der Einstufung zu sogenannten Problemwölfen eine frühzeitige Vergrämung sowie die letale Entnahme bei wiederholten Übergriffen auf Nutztiere möglich ist. Die Hürden für die Umsetzung sind aber recht hoch. Entschließungs- und Alternativantrag fordern Vereinfachungen für solche Maßnahmen sowie ein Bestandsmanagement zum Schutz der Weidetiere und damit der Weidetierhaltung und zum Schutz der Halter. Als Tierfreund möchte ich betonen, dass es mir schwerfällt, Problemwölfe in Teilen zum Abschuss freigeben zu wollen. In umfassender Abwägung kann es aber in Einzelfällen für Mensch, Weidetierhalter und Tierhalter die beste Lösung sein. In solchen Fällen sollten wir uns einer Entnahme des Wolfs nicht versperren und deswegen bestehende Hürden absenken. Das Ziel des aktiven Wolfsmanagements ist die Förderung einer friedlichen Koexistenz zwischen Mensch und Tier. Eine ökologisch verträgliche Wolfspopulation soll in Deutschland leben dürfen, allerdings in den Gebieten, in denen keine Interessenkonflikte zu erwarten sind. Die Entnahme von problematischen Wölfen ist daher nur eine von vielen Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Konflikte zu minimieren und den Schutz von Mensch und Tier zu gewährleisten. Meine Damen und Herren der Landesregierung, die Weidetierhaltung darf im Sinne des Tier- und Naturschutzes sowie der Landwirte nicht einbrechen oder gar verloren gehen. Wachen Sie auf, bevor es zu spät ist! (Glocke der Präsidentin) Mit den in den Anträgen vorgeschlagenen Maßnahmen schützen Sie unsere Weidetierhaltung und stärken damit auch die Akzeptanz der Wiederansiedlung. Unsere Fraktion hat in der Vergangenheit mehrfach die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht gefordert. Wir stimmen beiden Anträgen zu. Ich danke Ihnen fürs Zuhören. (Beifall der AfD)

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