Dr. Joachim Streit
Vielen Dank, Herr Präsident. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jeder von uns erinnert sich daran, wie er schwimmen gelernt hat. Bei dem einen vielleicht etwas sanfter, bei dem anderen mit Ängsten verbunden, (Abg. Martin Haller, SPD: Was? – Heiterkeit des Abg. Martin Haller, SPD, und des Staatsministers Michael Ebling) aber manches auch mit wunderbaren Jugenderinnerungen, wie eben beschrieben wurde. Wenn man selbst Vater ist, dann weiß man auch, wie man dieses Kulturgut oder diese Kulturtechnik an die eigenen Kinder weitergeben wollte, und jedes Kind war anders. Da, wo die Technik in der Schule vermittelt wurde, ist den Eltern schon viel erspart geblieben. Aus meiner Erinnerung: Ich selbst komme aus der Verbandsgemeinde Speicher, und dort gibt es nur ein kleines Schulschwimmbad an einer ehemaligen Hauptschule. Die DLRG hat dafür gesorgt, dass dort Kinder schwimmen lernen. Schaut man sich die Positionspapiere der rheinland-pfälzischen Organisationen an – Landessportbund, DLRG –, dann ist ganz klar, die Forderung nach dem Erhalt des Schwimmens ist vorhanden. Dem wird auch im Innenausschuss bei den Sportpolitikern niemand widersprechen. Ich schaue aber auch auf die Bildungspolitiker; denn wenn Schule etwas vermitteln kann, dann ist es sicherlich das Schwimmenlernen. Ob das jetzt mit Containern geschehen soll? – Lieber Dennis Junk, als ich den Antrag sah, wusste ich am Anfang nicht, ob das jetzt Hilflosigkeit ist gegenüber der großen Lücke, die sich auftut, oder ob das wirklich die Lösung ist, die es gibt. Sie haben es eben dargestellt, es soll ein Versuch werden, damit man herausfindet, was überhaupt geschehen kann. Schaue ich nach Nordrhein-Westfalen, kommt es mir so vor, als ob das der Offenbarungseid ist gegenüber einer vollkommen falschen Politik gegenüber Kommunen, die keine Gelder mehr haben, um Schwimmbäder zu betreiben, gegenüber Schulen und Schulträgern, die kein Geld mehr haben, um Schulschwimmbäder zu halten. Ich komme noch einmal zurück auf mein altes Schulschwimmbad in Speicher. Dann, wenn die DLRG Unterricht erteilen könnte – in den Ferien –, ist es geschlossen. Daher stellen sich die Fragen: Was kann man sich vor Ort leisten, und wie können Zeiten gerecht verteilt werden? Lösungsansätze sind sicherlich wie immer damit gegeben, dass man Fördermittel für Schwimmbäder und Schulschwimmbäder ausgibt. Letztendlich kommt es mir aber auch auf eine Bestandserhebung an, (Unruhe der Abg. Stephan Wefelscheid, FREIE WÄHLER, und Michael Frisch, AfD) auf einen Masterplan für Rheinland-Pfalz, dass man wirklich schaut, wo welches Schwimmbad ist und wo was angeboten wird. Man sollte das Kind jetzt nicht mit dem Bade ausschütten, um ein Bild zu bemühen, das zu diesen Containern passen würde, aber den Container halte ich jetzt wirklich nicht für geeignet, um schwimmen zu lernen. Man kann sich an Wasser gewöhnen, (Zuruf des Abg. Marco Weber, FDP) aber um dauerhaft darin schwimmen zu lernen und dann auch zu üben, dazu sind sie nicht geeignet. Wir brauchen also alternative Lösungsansätze. Was mich am meisten bei den Zahlen stört, ist, dass 50 % der Kinder aus Haushalten mit unter 2.500 Euro Monatseinkommen nicht schwimmen können. 50 % der Kinder aus Haushalten mit weniger als 2.500 Euro. Liegt man über 4.000 Euro Monatseinkommen, sind es 12 %. Es muss unser Anspruch sein, die soziale Gerechtigkeit auch beim Schwimmunterricht herzustellen. Es darf nicht davon abhängen, ob meine Eltern Geld haben oder nicht, ob ich im Wasser sicher bin oder ertrinke. (Beifall der FREIEN WÄHLER)
