Daniel Köbler
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer kennt ihn nicht, diesen einzigartigen Flair des Geruchs von Sonnenmilch mit Pommes rot-weiß, danach vielleicht noch ein Flutschfinger-Eis, und dann ab ins kühle Nass, gerade an diesen heißen Tagen? (Abg. Benedikt Oster, SPD: Jetzt hab ich Kopfkino!) Ich glaube, davon träumen jetzt einige. Ich steige deswegen mit dem Bild ein, weil ich damit ausdrücken will, dass Schwimmbäder in unserer Gesellschaft, in unseren Städten und Gemeinden eine unheimlich wichtige soziale Funktion haben, weil dort die ganze Gesellschaft zusammenkommt und sie eine wichtige Freizeit- und Sozialfunktion haben, gerade für Kinder und Jugendliche, deren Familien und Eltern sich vielleicht nicht den großen Urlaub am Meer leisten können. Diese soziale Funktion von Schwimmbädern zu erkennen und in diese Debatte einzubringen, ist mir gerade am Anfang ein sehr wichtiges Anliegen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Tamara Müller, SPD, und Philipp Fernis, FDP) Herr Kollege, Sie haben die Zahlen angesprochen – die Sie aus der DLRGBefragung entnommen haben –, dass sich nach Einschätzung der Eltern – was wichtig dazu zu sagen ist – die Zahl der Kinder, die nicht schwimmen können, im Grundschulalter von 10 % auf 20 % verdoppelt hat. Sie haben auch gesagt, es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Kinder, die nach der Grundschule nicht sicher schwimmen können, auch pandemiebedingt auf mittlerweile 60 % hochgegangen ist. Das heißt, 60 % der Zehnjährigen können nicht richtig schwimmen. Ja, ich glaube auch, dass das ein Problem ist, dem wir nachgehen müssen. Ich glaube, es ist sehr wichtig zu sehen, dass wir einen Pandemieeffekt haben. Es waren nicht nur Schulen geschlossen. Noch viel länger waren Schwimmbäder geschlossen. Als die Schulen dann wieder auf waren, war nicht gerade unbedingt der Schwimmunterricht das Erste, was man wieder eingeführt hat. Ich halte es für elementar wichtig, dass jedes Kind in der Grundschule Schwimmunterricht bekommt. Es gibt entsprechende Voraussetzungen und einen Plan vom Bildungsministerium, um das Schwimmen in der Grundschule wieder zu stärken. Ich habe im letzten Jahr sehr, sehr viele Schwimmbäder besucht. Man muss sagen, dass in Rheinland-Pfalz die Voraussetzungen nicht überall gleich sind. Sie sind sehr, sehr unterschiedlich. Ein sehr großes Problem ist, dass gerade in den 80er-, 90er- und 2000er-Jahren sehr viele Bäder privatisiert worden sind und das zum Wegfall von Schwimmzeiten für Vereine und Schulen geführt hat. Fast noch viel schlimmer ist aber, dass Kinder mit ihren Eltern zwar ins Schwimmbad gehen, aber dort nicht schwimmen lernen, weil das oft Spaßbäder geworden sind, in denen sie nicht schwimmen lernen können, weil sie überall laufen können. Es ist eben ein ganz großes Problem, dass das Nichtschwimmenkönnen überhaupt nicht auffällt, wenn sie in gar keine Umgebung kommen, in der sie schwimmen müssen. Wenn sie dann in eine solche Umgebung kommen, wird es gefährlich, und das haben Sie zu Recht angesprochen. Ich glaube, daher ist es ganz wichtig zu eruieren, welche Bäder wir eigentlich haben, welche Wasserzeiten wir haben, wo wir öffentliche Bäder haben, wo wir Wasserzeiten in privaten Bädern haben, wo wir Lehrschwimmbecken haben – zum Beispiel an Schulen und anderen Einrichtungen gibt es eine ganze Menge –, um dann zu schauen, wo die Bedarfe sind und wie man das optimieren kann. Ich weiß, dass die Verbände an solchen Erhebungen dran sind, und ich halte die für richtig und wichtig. Das Land macht eine Menge – Kollege Hüttner hat es angesprochen –: (Abg. Martin Haller, SPD: Guter Mann!) Üüber die Badsanierungen, die Zuschüsse zum Schwimmenlernen, „Kinder lernen schwimmen“ mit dem LSB, das DLRG-Programm, das ist angesprochen worden. Ich glaube, wir können auch darüber sprechen, welche Rolle solche mobilen Container spielen. Ich habe mir so etwas angeschaut. Das gibt es nämlich schon in Rheinland-Pfalz. Da muss man schon ganz klar sagen: Das kann unter gewissen Voraussetzungen einen Mehrwert schaffen. Die erste Voraussetzung ist klar, darin lernen Kinder kein Schwimmen, sondern es wird Wassergewöhnung gemacht. Das kann aber dann einen Vorteil haben, wenn Sie das dort machen, wo schon ein Schwimmbad ist. Dann können Sie nämlich die Wasserzeiten verbessern, indem Sie den Gewöhnungskurs zum Beispiel im mobilen Container durchführen und gleichzeitig mehr Zeit für Schwimmkurse und Schulschwimmen im großen Becken haben. Dann hat das einen Mehrwert. Das hat übrigens auch den Vorteil, dass Sie dann schon eine Infrastruktur für Umkleidekabinen und alles haben. Das müssen Sie nämlich mit bedenken. Ich glaube, diese Vorstellung, wir fahren mit Containern von Dorf zu Dorf, und dann lernen die Kinder schon das Schwimmen, ist mit der Realität so nicht abzugleichen. Ich glaube aber, das ist ein guter Anlass, darüber zu sprechen, welche weiteren Maßnahmen wir treffen können, insbesondere auch für die Frage der Fachkräftegewinnung; denn das Problem, woran es im Moment scheitert, ist, dass es nicht genug ausgebildete Bäderfachkräfte gibt, um Schwimmen überhaupt beizubringen. Das würde ich mit Ihnen gerne in der Tiefe im Ausschuss besprechen. Ich freue mich, dass Sie mir zugehört haben. Herzlichen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und vereinzelt bei der SPD)
