Dennis Junk
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Schwimmbadsaison ist bereits in vollem Gange, und leider haben uns auch schon die ersten Nachrichten über schlimme Unfälle und tragische Schicksalsschläge verschiedenster Altersklassen erreicht. Häufiger Grund ist die Schwimmfähigkeit; denn die Schwimmfähigkeit nimmt leider immer weiter ab. Wir unterbreiten Ihnen daher heute einen innovativen Vorschlag für RheinlandPfalz: die Einrichtung von mobilen Schwimmcontainern. Damit kann gerade Kindern die Möglichkeit gegeben werden, vor Ort die Schwimmbasics zu erlernen. Dafür treten wir heute ein. (Beifall der CDU) Zunächst aber zu den Fakten. Die jüngsten Zahlen der DLRG aus dem Jahr 2022 sind deutschlandweit erschreckend. Demnach hat sich die Zahl der Grundschüler in Deutschland, die nicht schwimmen können, im Vergleich zum Jahr 2017 – von 2017 zu 2022 – von 10 % auf 20 % verdoppelt. 37 % der Grundschüler haben kein Schwimmabzeichen mehr, und nur 54 % haben das das Schwimmen vorbereitende Seepferdchen. Folglich sind sechs von zehn Kindern am Ende der Grundschulzeit keine sicheren Schwimmer mehr. Die Gründe für diese Situation sind vielfältig. Corona hat die Situation sicherlich verschärft. Auch die Bäderversorgung und letztlich die zur Verfügung stehende Wasserfläche sind deutschlandweit rückläufig. Das liegt auch an der finanziellen Situation der Kommunen vor Ort. Es gibt aber auch Hotels oder Bäder in Hotels, in Kliniken und sonstigen, nicht für eine breite Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen, von denen beispielsweise in Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren bereits 40 % geschlossen wurden. Dabei spielen natürlich auch die gestiegenen Energiekosten eine wichtige Rolle. Es gibt allerdings verschiedene Vorgaben der Landesregierung, beispielsweise bei der Renovierung und dem Neubau von Schwimmbädern. Ich habe es bei der Situation in Wittlich selbst mitbekommen, wo es die Vorgabe gab, die Wasserfläche insgesamt zu reduzieren. Natürlich werden dadurch kurz- oder langfristig Kosten eingespart, aber es fehlen logischerweise weitere Kapazitäten zum Schwimmen. Deshalb sind die Wartelisten für das Babyschwimmen, für Seepferdchenoder Seeräuber-Kurse und für die einzelnen Abzeichen in vielen Bereichen extrem lang. Vor Ort müssen zudem teils weite Strecken gefahren werden, und es gibt erheblichen Fachkräftebedarf, bei dem wir schauen müssen, wie wir weitere Anreize schaffen. Insgesamt ist es keine einfache Situation. Das ist mir bewusst; denn ich war selbst viele Jahre für ein Schwimmbad verantwortlich. Es stellt sich also die Frage, was wir als Land tun können, um die Situation zu verbessern? – Wir schlagen vor, ein Modellprojekt für mobile Schwimmcontainer in RheinlandPfalz zu entwickeln. Hierin können Sie natürlich keine umfangreichen Kurse machen, sondern sie dienen der Vorbereitung, der Wassergewöhnung und der Wasserbewältigung von Kindern. Ich selbst habe das bei meinen Kindern erlebt. Ich habe alle Phasen des Schwimmenlernens mitbekommen und muss sagen, ich bin meiner Frau heute ein bisschen dankbar, dass sie dem Thema immer hinterher war, weil sie mit vier Jahren schon immer dafür war, dass die Kinder weitermachen; denn Schwimmen ist Kulturtechnik. Schwimmen kann Leben retten, das eigene, aber auch das von anderen. (Beifall der CDU) Es geht insofern zunächst einmal um die Grundlagen für das Schwimmenlernen. Später können wir dann hierauf aufbauen. Lassen Sie uns drei bis fünf Container für zwei bis drei Jahre einfach einmal ausprobieren, in die Regionen in Rheinland-Pfalz bringen, diese alle vier bis acht Wochen an einen neuen Standort verlagern, Erfahrungen sammeln und dann das Ergebnis reflektieren und analysieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Schwimmcontainer einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Schwimmsituation bei unseren Kindern, aber auch im therapeutischen Bereich in unserem Flächenland Rheinland-Pfalz leisten können. (Beifall der CDU) Ich will aber auch klarstellen, es ist kein spezifisch rheinland-pfälzisches Problem. Andere Bundesländer haben das Problem erkannt und Gegenmaßnahmen angeschlossen. Ganz aktuell hat Bayern beispielsweise entschieden, die Schwimmbadförderung zu erhöhen. Sie legen das Seepferdchen-Programm neu auf. Nordrhein-Westfalen führt diese mobilen Schwimmcontainer ein. Das sollten wir auch in Rheinland-Pfalz tun. Wenn das Konzept erfolgreich ist, können wir die Container als temporären Ersatz dort einsetzen, wo gerade Baumaßnahmen durchgeführt werden. In Wittlich beispielsweise, wenn das Schwimmbad jetzt zwei Jahre ausfällt, ist die Situation auch im Umfeld sehr schwierig. Insofern könnte auch dort ein solcher Container helfen. In der Pilotphase sollten wir, ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen vorgesehen, eine Komplettfinanzierung durch das Land vornehmen, also die Pilotphase komplett finanzieren. Anschließend – das will ich auch betonen – sollten allerdings die Kosten vor Ort immer von denjenigen, die den Container im Einsatz haben, übernommen werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Container sind schnell verfügbar, kostengünstiger, für die Kommunen finanzierbar und vor allen Dingen kalkulierbar. Wenn man einmal sieht, dass viele Kommunen kein eigenes Schwimmbad haben, könnte man diese Container in die Bereiche bringen, die etwas dünn besiedelt sind, was das angeht, und die schlecht ausgestattet sind. Deshalb noch einmal: Sie können einen wichtigen Beitrag leisten, damit gerade unsere Kinder die Schwimmbasics erlernen können. Es ist ein Baustein. Ich will an dieser Stelle allerdings ganz offen sagen, ich bin auch für andere Vorschläge offen, was Ideen zur Verbesserung der Schwimmbadsituation angeht. (Abg. Martin Haller, SPD: Das ist schon mal gut!) Es geht beim Thema „Schwimmen“ um Leben und Tod. Je später Menschen schwimmen lernen, umso größer wird die Hürde. Daher meine herzliche Bitte: Lassen Sie uns gemeinsam einen Weg für eine Verbesserung der aktuellen Situation finden. (Beifall der CDU)
