Helge Schwab
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Aus dem Anhörverfahren und den Debatten der letzten Monate wurden Konsequenzen gezogen, und das ist gut so. (Beifall der FREIEN WÄHLER) Die Studienergebnisse der IQB-Bildungstrends und die IGLU-Zahlen waren alarmierend. Die Leistungen in den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen gehen zurück. Damit fehlen den Kindern die notwendigen Kompetenzen, die sie brauchen, um dem Schulunterricht folgen zu können und Wissen zu mehren. Schon mehrfach haben wir deshalb zum Handeln aufgefordert. Wir müssen eine bildungspolitische Trendwende einläuten und Maßnahmen ergreifen. Mit dem Neun-Punkte-Plan wird der richtige Weg eingeschlagen, von der Stärkung der Schulsozialarbeit bis hin zu Familiengrundschulzentren in herausfordernden Lagen. Ein ganz besonderer Schwerpunkt wird auf den Bereich der Sprachkompetenz gelegt. Das führt mich dazu, meine Worte vom Mai-Plenum zu wiederholen. Ohne Deutschkenntnisse können Kinder dem Unterricht nicht folgen, (Beifall der FREIEN WÄHLER, bei der CDU und vereinzelt bei der AfD) die Grundfertigkeiten des Lesens, des Schreibens, des Rechnens nicht aufbauen. Ohne Deutschkenntnisse bleiben die Chancen auf schulische Teilhabe und einen sozialen Aufstieg verwehrt. Die FREIE WÄHLER-Landtagsfraktion begrüßt daher die Maßnahmen, erstens, eine Stunde mehr Deutsch für unsere Grundschüler anzubieten, und zweitens, bevor Kinder eine Fremdsprache in der Grundschule lernen, soll erst die Zielsprache Deutsch auf eine solide Basis gestellt werden. So wird ein Schuh daraus. Außerdem soll die Sprachstandsfeststellung schon eineinhalb Jahre vor Eintritt in die Schule erfolgen, damit noch ausreichend Zeit für die sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kita besteht. Das deckt sich mit meinen Anregungen vom 10. Mai. Das ist das Datum für diejenigen, die nachlesen wollen. (Abg. Sven Teuber, SPD: Danke für den Service!) – Bitte schön. Wie Sie bemerken, sind wir auf konstruktive Vorschläge aus und können gute Ideen anerkennen. Natürlich besteht Oppositionsarbeit aber auch darin, eine kritische Stimme zu haben, und das führt mich zu der Sprachförderung in der Kita; denn zum 30. Juni, schon nächste Woche, endet das Arbeitsverhältnis der zusätzlichen Fachkräfte aus dem Bundesprogramm Sprach-Kitas. Sie sind die Experten vor Ort für das, was Sie im Neun-Punkte-Plan vorhaben, spezialisiert auf die Förderung der sprachlichen Entwicklung von Kindern im Vorschulalter. Mit sprachlichen Aktivitäten und Programmen bereiten sie bislang die Kinder optimal auf den Schulstart vor und ermöglichen damit gleiche Bildungschancen. Jetzt ist ihre Zukunft ungewiss, weil das Programm der Sprach-Kitas nicht landesseitig weitergeführt wird. Wir brauchen sie; denn den Weggang dieser Fachkräfte und damit den Verlust der Expertise kann sich unsere Bildungslandschaft nicht leisten. (Beifall der FREIEN WÄHLER) Ich nenne noch etwas, bei dem ich mich gerne wiederhole. Es ist sinnvoll, das Corona-Aufholprogramm für Schüler fortzusetzen. Es ist vernünftig, an dieser Stelle 14,5 Millionen Euro zu investieren, um die durch Corona entstandenen Lern- und Entwicklungsrückstände abzubauen. Was ist aber mit unseren Jüngsten, den Kindergartenkindern? – Die CoronaPandemie belastet Kinder aller Altersgruppen gleichermaßen. Für sie vermissen wir bis heute Unterstützungsmaßnahmen nach Corona. Deshalb müssen additive Lernangebote für Kitakinder eingerichtet und finanziert werden. Wir dürfen keine weitere Zeit verlieren. (Beifall der FREIEN WÄHLER) Das waren meine Ergänzungen zum Neun-Punkte-Plan. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. Danke schön. (Beifall der FREIEN WÄHLER und vereinzelt bei der CDU)
