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Helge Schwab

FREIE WÄHLER 22.06.2023 Sitzungen 18/47

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! „Kinderarzt dringend gesucht.“ – Wenn Sie, Herr Minister Hoch, oder die Damen und Herren Abgeordneten der regierungstragenden Parteien nun damit rechnen, dass ich unter diesem Arbeitstitel erneut 250 zusätzliche Studienplätze im Fach Humanmedizin fordere, um das durch die Opposition erkannte Defizit perspektivisch zu egalisieren, dann haben Sie sich verrechnet. „Kinderarzt dringend gesucht.“ – Am Donnerstag letzter Woche erreichte mich ein Anruf aus Bitburg mit folgendem Inhalt: Bitte helfen Sie mir, Herr Schwab. Mein Kind ist krank, es hat seit zwei Tagen Brechdurchfall. Mein Hausarzt nimmt derzeit keine Patienten auf. Erst Ende Juli könnten wir einen Termin zum Erstgespräch bekommen. Einen festen Kinderarzt haben wir leider noch nicht, da diese derzeit auch keine neuen Patienten aufnehmen. In 50 km Entfernung bekam ich einen Notfalltermin bei einem anderen Kinderarzt, 45 Minuten einfache Fahrt mit einem geschwächten Kind. Helfen Sie mir bitte, einen Kinderarzt zu finden. – Werte Kolleginnen und Kollegen, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Eltern mit den Kinder- und Jugendmedizinern ist die Basis einer guten Entwicklung unserer Kinder und macht über eine zuverlässige Lotsenfunktion erst eine vertrauensvolle Bindung zum Kinderarzt möglich. Wer mit seinem Baby oder Kleinkind regelmäßig den Arzt aufsucht, weiß, was es praktisch bedeutet, wenn dieser kleine Patient die Kinderärztin oder den Kinderarzt nicht kennt und diesem nicht vertraut. Eine Untersuchung ist dann oft schlichtweg nicht möglich. Der Kinderarzt muss das Kind kennen, und dieser muss auch dem Kind bereits vertraut sein. Dies ist ein ganz normaler Anspruch und Bedarf zur Begleitung und guten Entwicklung eines Kinds. Dazu gab es bereits im Jahr 2022 verzweifelte Mitteilungen von Eltern, dass sie keinen oder nur schwer einen Kinderarzt in ihrer Region finden. Dies war auch Grund und Gegenstand unserer Kleinen Anfrage vom 15. November 2022. Festgestellt wurden allgemein eine steigende Nachfrage, die Änderung im Bereich der U-Untersuchung, die höheren Geburtenraten und der Zuzug von Kindern aus dem Ausland. Ja, die Gründe liegen auf der Hand, die Probleme ebenso. Vor Kurzem haben wir uns im Plenum intensiv mit dem Thema „Kindeswohl“ beschäftigt und festgestellt, dass wir die Transparenz zum Schutz unserer Kinder befürworten und die Folgen von gezieltem Arzthopping vermeiden möchten, und nun wird faktisch ein Arzthopping von der Landesregierung empfohlen und die Terminservicestelle als Lösung angeboten. Es geht nicht darum, irgendwo einen Termin mit einem Kinder- oder Jugendmediziner zu erhalten. Es geht um eine dauerhaft verlässliche Partnerschaft und Fürsorge für eine gute Entwicklung und kontinuierliche Gesundheitsvorsorge unserer Kinder. Sie können ihre Bedürfnisse nicht selbst äußern und ihren angemessenen Anspruch selbst einfordern. Dies müssen wir stellvertretend für sie tun. Unser Gesundheitswesen muss dies stärker berücksichtigen und auf die vorhandenen Belange und Hilferufe reagieren. (Beifall bei der CDU) In einem offenen Brief vom 27. April 2023 hat auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendmediziner e. V. Stellung bezogen und sah die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen auch durch den Medikamentenmangel gefährdet. Als letztes Mittel der Wahl bleibt besorgten Eltern nur das Aufsuchen einer Kinderklinik, welche zudem wahrscheinlich völlig überlastet ist. Der SWR hat es am 19. Mai 2023 in seiner Sendung „SWR aktuell“ auf den Punkt gebracht: Das Problem ist groß, und es wird noch größer. – Alles Weitere in der zweiten Runde. (Beifall der FREIEN WÄHLER und bei der CDU)

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