Helge Schwab
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Steter Tropfen höhlt den Stein. Wir brauchen 250 zusätzliche Studienplätze im Fach Humanmedizin in RheinlandPfalz. (Abg. Dr. Joachim Streit, FREIE WÄHLER: Da sind sie wieder!) Die bisherigen Redebeiträge waren für mich genau wie für Sie selbst zu großen Teilen vorhersehbar. (Zuruf des Abg. Sven Teuber, SPD) Wie soll sich auch innerhalb eines Monats etwas ändern? Für Herrn Dr. Kusch und die SPD ist wie immer alles bestens, die Leistung des Landes mehr als ausreichend. Neu ist an dieser Stelle, dass er den Rettungshubschrauber in Kaiserslautern jetzt plötzlich als bestes Rettungsmittel der Wahl für seine Heimat ansieht. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Landräte, die sich durchgesetzt haben. (Beifall der FREIEN WÄHLER und bei der CDU) Auch die Antwort aus dem Ministerium wird uns alle nicht überraschen. Die rheinland-pfälzische Landesregierung tut bereits ihr Bestes, um dem Ärztemangel entgegenzutreten. Die Opposition hat keine Ahnung, und es ist gut so, dass die Ampel regiert. Ironie off. Das hohe Lied der Perfektion ist nicht überhörbar. Wie Sie wissen, berufe ich mich gern auf Zahlen, Daten und Fakten. Physik und Chemie benötigen Sie nicht. Deshalb versuche ich es heute einmal mit den Grundrechenarten. Vielleicht verstehen Sie dann, wo das Problem liegt und wie wir es gemeinsam angehen können. In 15 Jahren benötigen wir allein 7.126 Medizinerinnen und Mediziner, um die Stellen für diejenigen zu besetzen, die altersbedingt bis dahin aus dem Berufsleben ausscheiden werden. Die Zahl stammt aus der Antwort der Regierung. Ihre für Rheinland-Pfalz ausreichende Kapazität an der JGU nimmt jedes Jahr 450 Studierende im Fach Humanmedizin auf. Das Regelstudium beträgt zwölf Semester, das sind sechs Jahre, und die Facharztausbildung weitere fünf Jahre. Ich unterstelle jetzt – wissend, dass das nicht der Fall ist –, dass wir bereits seit elf Jahren jedes Jahr 450 Studienplätze zur Verfügung stellen und auch jedes Jahr in Rheinland-Pfalz dementsprechend 450 neue Fachärzte zur Verfügung stehen. Auch hier weiß ich, dass wir die notwendigen Kapazitäten für die klinische Ausbildung bei Weitem nicht leisten können. Um aber die Rechnung für Sie zu vereinfachen, nehmen wir auch das einmal so hin. Wir beginnen mit der Grundrechenart dividieren. Teilen wir die 7.126 durch 15, so erhalten wir gerundet 475. Nun subtrahieren wir Ihre 450 Studienbeginner von den 475 Ärzten. Sie bemerken, selbst bei 15 Jahren mit den wohlwollendsten Voraussetzungen fehlen im Schnitt jedes Jahr 25 Plätze im Fach Humanmedizin. Hinzu kommt, dass wir derzeit schon etwa 250 Hausarztstellen nicht besetzen und nahezu jede Klinik händeringend junge Ärzte sucht. Auch hier gehen wir von etwa derselben Anzahl aus. Sowohl die Pharmazie als auch die Wirtschaft suchen ebenfalls Ärzte. Diese stehen für den Dienst am Patienten ebenfalls nicht zur Verfügung. Ich rechne insoweit mit etwa 25 pro Jahr, das sind ebenfalls 250 in zehn Jahren. Es geht weiter mit der Addition. 250 Hausärzte plus 250 Klinikärzte plus 250 für Industrie und Pharmazie plus die fehlenden 250 Studienplätze, die Sie nicht ausbilden, – – (Abg. Sven Teuber, SPD: Wie viele waren es am Anfang noch mal?) – Zuhören! Zuhören, Herr Teuber, nicht dazwischenreden. (Abg. Sven Teuber, SPD: Das schaue ich mir später an! Aber ich habe den Rechenschieber jetzt vergessen!) – – so sind wir bei rund 1.000 nicht zur Verfügung stehenden Ärzten. Gott sei Dank gibt es ein Protokoll, lieber Herr Teuber. Da können Sie das nachlesen, und ansonsten kommen Sie zu mir, ich bringe es Ihnen gerne bei; denn in Mathematik bin ich gut drauf. (Beifall der FREIEN WÄHLER und der CDU) Zurück zur Mathematik. Wenn nun noch etwa 10 % ihr Studium verlängern und weitere 15 % nach der Ausbildung in andere Bundesländer abwandern, so fehlen uns weitere rund 110 Ärzte pro Jahr. Somit sind wir in zehn Jahren bei weiteren 1.100 fehlenden Ärzten in Rheinland-Pfalz. Allein in dieser kurzen Zeit habe ich – leider nicht für Sie, Herr Teuber, da Sie es nicht mitbekommen haben – erklärt, wie wir in zehn Jahren 2.100 fehlende Ärzte nicht ausgleichen werden. (Abg. Sven Teuber, SPD: Ich vollziehe es im Protokoll noch mal nach!) Damit sind wir noch lange nicht am Ende, Studienabbrecher nicht eingerechnet. (Abg. Sven Teuber, SPD: Die Rechnung geht weiter!) Wenn wir nun noch die rund 40 fehlenden Plätze im Praxissemester mit einrechnen, fehlen weitere 400 ausgebildete Medizinerinnen und Mediziner in zehn Jahren, und siehe da, – – (Zurufe von der SPD) – Immer zuhören bis zum Schluss, dann funktioniert’s. – – 2.100 plus 400 ergeben 2.500. Diese teilen wir durch unsere zehn Jahre – für Sie ganz einfach von der SPD, einfach eine Null wegstreichen –, dann haben wir genau die 250 Studienplätze pro Jahr. (Beifall der FREIEN WÄHLER –
