Martin Louis Schmidt
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kollegen! Die heute zur Debatte gestellte Bestandsaufnahme zur Tourismuspolitik unseres Landes wäre im Nebentitel unbedingt zu verändern; denn dass Rheinland-Pfalz als Reiseland großes Potenzial hat, kann eigentlich niemand ernsthaft bezweifeln. Auch die FREIEN WÄHLER wollen das hoffentlich nicht. Stattdessen möchte ich meine Ausführungen unter eine andere, für die Landesregierung wenig schmeichelhafte Überschrift stellen: Rheinland-Pfalz bleibt in puncto Tourismusförderung unter seinen Möglichkeiten. Dabei sind die aktuellen Rahmenbedingungen im Reisegeschäft und mit Einschränkungen auch im Bereich der Gastronomie deutlich besser, als es vor dem Abklingen der Corona-Pandemie zu erwarten war; denn noch vor gar nicht langer Zeit herrschte nach drei Krisenjahren auch angesichts der Folgen einer vielfach völlig überzogenen Corona-Maßnahmen-Politik Pessimismus vor, gerade was das Gastrogewerbe angeht. Der Landesvorsitzende des DEHOGA, Gereon Haumann, erklärte laut RheinZeitung vom 11. März – ich zitiere –: „Ich bin sogar optimistisch, dass wir in diesem Jahr die Zahlen vom Vor-Corona-Jahr 2019 nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen werden.“ (Abg. Steven Wink, FDP: Aha!) Für das durch Corona massiv in Mitleidenschaft gezogene Gastgewerbe konstatiert Haumann hinsichtlich der Personalsituation eine gewisse Entspannung dank erheblicher Lohnsteigerungen und Verbesserungen im Manteltarifvertrag. Wörtlich betont der DEHOGA-Chef in der Rhein-Zeitung – Zitat –: „Wir konnten bis zum Ende des vergangenen Jahres feststellen, dass wir rund die Hälfte der in der Pandemie verlorenen Mitarbeiter zurückgewonnen haben.“ Auch die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH beobachtet trotz Inflation, Energiekrise und dem anhaltenden Krieg in der Ukraine eine spürbar angezogene Nachfrage. Die tiefe Sehnsucht vieler Menschen nach realen Erlebnissen in Natur- und Kulturlandschaften prägt nach den bedrückenden Isolationserfahrungen der letzten Jahre offensichtlich das Reiseverhalten und kompensiert möglicherweise auch die sich verstärkenden Ängste um die Stabilität und Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Hinzu kommt, dass der Inlandstourismus durch die Einflüsse der Corona-Zeit nachhaltig gestärkt worden ist, was sich immerhin als eine erfreuliche Begleiterscheinung einer insgesamt sehr unerfreulichen Entwicklung festhalten lässt. Das sind die übergeordneten positiven Rahmenbedingungen, zu denen die rheinland-pfälzische Tourismuspolitik allerdings zumindest in letzter Zeit sehr wenig beigetragen hat. Man zehrt auch hier vor allem von der Substanz, konkret den schönen, kulturträchtigen Landschaften mit attraktiven Wanderund Radfahrmöglichkeiten, einer einzigartigen Dichte an Welterbestätten sowie einer durch unsere Weine gekrönten grenzüberschreitend geschätzten Genuss- und Festkultur. All das summiert sich zu einem Urlaubsziel mit einem guten Preis-LeistungsVerhältnis, wie es nicht nur Gereon Haumann attestiert, sondern auch in Form einer erfreulichen Besucherentwicklung belohnt wird. Dennoch bleibt Rheinland-Pfalz wie eingangs bereits angedeutet klar unter seinen Möglichkeiten und betreibt – jetzt kommt der negative Teil meiner Rede – (Heiterkeit bei der SPD –
