Johannes Zehfuß
Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Präsident! Vorneweg Dank und Lob: Dank an die FDP-Fraktion, dass sie diese Thematik in die Aktuelle Debatte bringt. Lob an Kollegen Weber, der in seinem Redebeitrag den Beweis geführt hat, dass meine jahrelange parlamentarische Arbeit auf scheinbar fruchtbaren Boden gefallen ist. (Beifall der CDU – Heiterkeit bei der CDU und bei der FDP – Zuruf des Abg. Gerd Schreiner, CDU) Zunächst einmal die Frage: Wer sind denn die Garanten, die die Versorgung sichern? Es sind nicht die Politiker, die immer neue Verordnungen und Richtlinien erlassen. Es sind die Landwirte, denen wir in erster Linie unser tägliches Brot zu verdanken haben. Doch Landwirt ist kein herkömmlicher Beruf. Kollege Weber hat das sehr schön beschrieben. Es ist eine Berufung. Fragen Sie einmal einen Landwirt, wie viele Wochenstunden er auf dem Feld und mit der Dokumentation verbringt. Er wird es Ihnen wahrscheinlich gar nicht genau beantworten können. Er ist rund um die Uhr für seinen Hof verantwortlich, und das mit Leib und Seele. Doch ihre Arbeit ist für sie nicht nur Leidenschaft, natürlich müssen sie von ihrer Arbeit auch leben können. Die Herausforderungen sind groß. Der Klimawandel verlangt alles von den Landwirten ab, und sie müssen unter Extrembedingungen wirtschaften, mal in feuchten Perioden, in denen der Pilzbefall bekämpft wird, mal in Dürremonaten, um die Wasserversorgung der Pflanzen zu sichern. Von jeher hat der Landwirt diese Probleme in eigener Verantwortung gelöst. Voraussetzung für diese Selbstverantwortung ist aber Freiheit, und zwar die unternehmerische Freiheit, die zur Verfügung stehenden Optionen wirklich nutzen zu können. (Beifall der CDU sowie des Abg. Dr. Joachim Streit, FREIE WÄHLER) Moderne Anbausysteme, Kulturschutzeinrichtungen, Beregnung, innovative Züchtungsmethoden, neue Wirkstoffe im Pflanzenschutzbereich, aber auch die Chance, in guten Jahren für schlechte Zeiten finanziell vorsorgen zu können, diese Freiheit gerät zunehmend unter starken Druck. Doch wären die Herausforderungen der Natur nicht allein genug für den Landwirt, muss er seine Arbeit ständig neuen Regelungen anpassen: politische Rahmenbedingungen, welche die ökonomische Komponente der Nachhaltigkeit und die übergeordneten Ziele landwirtschaftlicher Produktion unberücksichtigt lassen, praxisferne Bewirtschaftungsauflagen, die zu massiven Einschränkungen führen, und die Marktmacht des LEH, die faire Preise nicht unbedingt garantiert. Das ist nur eine kleine Auswahl von Steinen, die den Landwirten in den Weg gelegt werden und die Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe bedrohen. Noch nie gab es mehr Umwelt-, Natur- und Tierschutz in der Landwirtschaft. Nie wurden Dünger und Pflanzenschutzmittel so präzise ausgebracht. Nie war die Produktion transparenter und effizienter, die Vorgaben dagegen immer umfangreicher und kurzlebiger. Verbraucher können sich auf sichere, gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel in Deutschland verlassen, (Beifall der CDU und der FDP) aber statt Wertschätzung für die Leistungen zu erhalten, steht die Branche aktuell so stark in der Kritik wie noch nie. Ich denke oft an das Erlebnis, das ein Vater eines Abgeordneten hier im Saal im Schlachthof beim Abladen von Schlachtschweinen hatte. Die Landwirtschaft wird zum Beispiel für schwindende Grundwasservorkommen und den Rückgang der Biodiversität allein verantwortlich gemacht. Das können wir, die wir unsere Tätigkeit als Berufung ansehen, nicht nachvollziehen. (Beifall der CDU sowie des Abg. Helge Schwab, FREIE WÄHLER) Deshalb bedarf es einer Landwirtschaft, die gut gerüstet ist für die Herausforderungen der Zukunft, natürlich auch im Sinne des Schutzes der Wasserressourcen und der Biodiversität. Wir brauchen kein Lamento über den Klimawandel. Für die Landwirtschaft müssen Klimaanpassungsstrategien zur künftigen Lebensmittelsicherung entwickelt werden. Um auf den Punkt zu kommen: Die Erfolgsstory landwirtschaftlicher Forschung und Beratung, die Lehre, die DLR dürfen nicht länger ausbluten. Sie sind ein weiterer, wichtiger Garant für eine zukunftsfähige sichere Lebensmittelversorgung. Es darf nicht sein, dass Forschungsprojekte, sogar privatwirtschaftlich finanziert, am Personalmangel scheitern, Mitarbeiter in einem nicht tragbaren Maß Überstunden machen aus Pflichtbewusstsein gegenüber der Aufgabe. Die Forschung sollte sich nicht nur darauf beschränken, bestehende Probleme zu lösen. Es sollen genügend Kapazitäten vorhanden sein, um in visionäre Projekte investieren zu können und der Zukunft vielleicht einen kleinen Schritt voraus zu sein. Doch wir hinken nur hinterher. (Glocke des Präsidenten) Kein Wunder, dass die Agrarforschung aus Deutschland auswandert. Weiteres in der zweiten Runde. (Beifall der CDU)
