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Cornelia Willius-Senzer

FDP 02.03.2023 Sitzungen 18/40

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte der GrünenFraktion danken, dass wir heute über Chancengleichheit im Erwerbsleben sprechen können. Für uns Freie Demokraten steht fest, Frauen können alles werden. Beim Papstamt müsste die CDU-Fraktion noch einmal den Vatikan lobbyieren. (Heiterkeit bei der FDP, bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der AfD und bei den FREIEN WÄHLERN – Unruhe im Hause – Glocke des Präsidenten) Fernab dessen stehen Mädchen und jungen Frauen viele Türen auf dem Weg in ein erfolgreiches Erwerbsleben offen. Das ist gut so, und doch gibt es weiterhin Hürden. Uns Frauen der Freien Demokraten ist die Selbstbestimmung in allen Lebenslagen wichtig. Daraus leitet sich der politische Auftrag ab, alles dafür zu tun, dass Menschen nach ihrem Willen und ihren individuellen Fähigkeiten ihr Leben gestalten können, und das ohne Zwang und ohne Vorschriften. Das passiert in vielen Fällen noch immer vor dem Hintergrund tradierter Rollenbilder und überholter Klischees. Der Erzieher, die Informatikerin, der Entbindungspfleger, die Kfz-Meisterin, der Sekretär, die Dachdeckerin, daran stoßen wir uns sogar sprachlich noch immer, weil das noch immer untypische Berufsbezeichnungen sind und jeweils nicht ganz in das Bild passen, das wir von den Berufsständen haben. (Zuruf des Abg. Stephan Wefelscheid) Die Erzieherin, der Informatiker, die Hebamme, der Kfz-Meister, die Sekretärin oder der Dachdecker, das geht uns dann doch leichter über die Lippen. Wir stören uns nicht daran, dass eine Berufswahl nicht paritätisch stattfindet. Es geht uns nicht um Gleichmacherei. Es geht uns darum, dass Menschen geschlechterunabhängig und nach ihren Fähigkeiten ihr berufliches Glück suchen können. Dazu braucht es Vorbilder. Ich bin deshalb sehr stolz darauf, dass unsere Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt und unsere Frauenministerin Katharina Binz, eben jene Frauen, die als Unternehmerinnen Vorbilder darstellen, im vergangenen Dezember erstmals den Unternehmerinnenpreis verliehen haben. (Beifall der FDP, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Preisträgerinnen wie Jungunternehmerin Alice Demessier von Hajok + Wärme aus Ludwigshafen zeigen, dass Frauen heutzutage früh Führungsverantwortung übernehmen und in vermeintlich männerdominierten Branchen erfolgreich sind, dass individuelle Beiträge von Frauen, Stück für Stück die Lohnlücke weiter zu schließen und damit mehr finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben sind und vor allem eine Absicherung im Alter bieten. Vom Girls’ Day und von der Berufsorientierung über das Ada-Lovelace-Projekt für Mädchen im MINT-Bereich bis zu zahlreichen Maßnahmen der Landesregierung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leistet das Land sehr viel, um Chancengleichheit im Erwerbsleben zu erreichen. Vor allem die gebührenfreie Kita in Rheinland-Pfalz, und zwar ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr, muss genannt werden und trägt dazu bei. (Beifall der FDP, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Wir verstehen unser Engagement in der Frauenpolitik als Beitrag zum Empowerment. Glauben Sie mir, ich kenne die Zeit, in der es Vorbehalte gegenüber Frauen gab, die ihre Berufung nicht allein in der Kindererziehung gesucht haben. Ich weiß auch, wie schwierig es war, als erste Frau bei Verbänden an der Spitze zu stehen und den Weg dorthin zu finden. Ob es in England, in den USA oder in Japan war, es war immer eine Ausnahme, dass ich als Frau allein dort gestanden habe, weil nur Männer da waren. Das hat sich überall schon ein wenig verändert. Die mutigen Frauen, die sich in der jungen Bundesrepublik dem Zeitgeist entgegengestellt, gegründet, geführt, ihre Ideen verwirklicht und beruflich Verantwortung getragen haben, dürften für die Emanzipation einen größeren Beitrag geleistet haben, als Alice Schwarzer es jemals vermocht hat. (Beifall der FDP, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Zuletzt will ich noch die rheinland-pfälzische Wirtschaft in den Mittelpunkt rücken. Nicht jede Gleichstellungsmaßnahme muss politisch verortet werden. Dass sich Unternehmen über ein kluges Diversity-Management oder Empowerment-Programme wie die Initiative „Chefsache“ für die Chancengerechtigkeit von Frauen und Männern einsetzen, begrüßen wir als Freie Demokraten ausdrücklich. Setzen wir uns also mit den Sozialpartnern dafür ein, dass noch vorhandene Hürden abgebaut werden und wir ein modernes Bild der heutigen Frau aufbauen. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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