Dr. Oliver Kusch
Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, verehrte Gäste! Die heutige Debatte hat den Titel „Medizinische Versorgung sichern – Studienplatzkapazität im Fach Humanmedizin ausbauen“. Ich möchte mit Ihnen drei Fragen zu diesem Thema beleuchten. Zum einen: Ist die reine Ausweitung der Medizinstudienplätze ausreichend? Zweitens: Was wird aktuell getan? Drittens: Wie ist der Ausblick für die Zukunft? (Zuruf von der CDU: Düster!) Betrachten wir also die erste Frage. Die reine Anhebung der Medizinstudienplätze wird den Mangel an qualifizierten Ärzten speziell im ländlichen Bereich nicht beheben. Ich möchte Ihnen auch darstellen warum. (Zuruf von der CDU: Jetzt sind wir gespannt!) Bei einer Bleibequote von 40 % – das ist die Menge an Medizinern, die nach Abschluss des Studiums im Land verbleiben – hätten wir dann bei den geforderten 200 Studienplätzen am Ende der Ausbildung 80 Ärzte pro Jahr mehr in Rheinland-Pfalz, die im Land verbleiben würden. (Abg. Anke Beilstein, CDU: Das wäre doch ein Anfang! – Unruhe bei der CDU und bei der AfD – Glocke des Präsidenten) Auch bei diesen 80 Medizinern ist nicht gesagt, dass gerade die die Ausbildung machen, die benötigt wird, und sich dort niederlassen, wo sie gebraucht werden. Man sieht an diesem Beispiel, es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen, wie Sie immer so gerne suggerieren wollen. (Vereinzelt Beifall bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es werden auch nicht, wie immer behauptet, weniger Mediziner ausgebildet. Nein, zum Beispiel durch die Landarztquote werden ab 2026 27 bis 30 approbierte Ärzte pro Jahr mehr in Rheinland-Pfalz zur Verfügung stehen, die genau die Ausbildung machen werden, die gebraucht wird, und sich genau dort niederlassen werden, wo sie gebraucht werden, nämlich in unterversorgten und von Unterversorgung bedrohten Gebieten in Rheinland-Pfalz. Was wird weiter getan? – Bei der Landarztquote haben wir schon gesehen, das ist die richtige Richtung. Als weiteres Beispiel ist der Medizincampus in Trier zu nennen. Er ist ein Beispiel und Vorbild für eine dezentrale Ausbildung von Medizinern im klinischen Abschnitt. Hier wurden 30 neue Plätze geschaffen. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP – Zuruf von der SPD: Sehr gut!) Mit der dezentralen Ausbildung wird auch ein großes Problem angegangen, nämlich die Verteilung der Mediziner auf die Fläche bzw. Ärzte in die ländlichen Regionen zu bekommen. Die meisten verbleiben nämlich nach Abschluss des Studiums in städtischen Gebieten und strebten bislang auch in die Krankenhäuser. Die im Oktober 2022 veröffentlichten Ergebnisse der regelmäßigen bundesweiten Befragung der Medizinstudentinnen und -studenten ergab aber, dass sich erstmals mehr für eine Niederlassung – das auch speziell im ländlichen Bereich – ausgesprochen haben. Ganz wichtig auch in diesem Zusammenhang ist die Zusammenarbeit der Landesregierung mit der Kassenärztlichen Vereinigung, um die Ärzte in den ländlichen Bereich zu bekommen, zum Beispiel durch die Landesförderung zur Famulatur in Praxen oder die Ausbildung von jungen Medizinern in Landarztpraxen, um so die jungen Ärzte und Mediziner in Ausbildung schon auf das Land und in die Niederlassung zu bekommen und für die Niederlassung zu gewinnen. Dass dies Früchte trägt, zeigt der Zuwachs von 2,7 % mehr Ärzten im Jahr 2022 in Rheinland-Pfalz. Nun kommen wir zum Ausblick. Es muss weiter Ziel sein, qualifizierte Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Fachpersonal zur Verfügung zu stellen. Arztzeit kann künftig auch durch den Physician Assistant eingespart werden. Hierbei handelt es sich um ein Bindeglied zwischen Pflege und Arzt. Der Studiengang wird aktuell in Rheinland-Pfalz implementiert. Im Rahmen der Krankenhausstrukturreform sollen Doppelstrukturen zugunsten einer qualitativ hochwertigen Versorgung der Bevölkerung eingespart werden. Dadurch wird auch Personal freigesetzt. Momentan sind Bund-Länder-Verhandlungen im Gange, die die Umgestaltung der Krankenhauslandschaft, des Notdienstes und die Medizinerausbildung im Blick haben. Es bedarf gemeinsamer solidarischer Anstrengungen, um auch künftig eine finanzierbare und gute medizinische Versorgung flächendeckend zu haben. Hier gibt es, wie schon gesagt, keine einfachen Lösungen auf komplexe Fragen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
