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Daniel Köbler

GRÜNE 01.03.2023 Sitzungen 18/39

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist gerade ein bisschen en vogue, sich die Reden zu dem Thema von ChatGPT schreiben zu lassen und dann hier vorzutragen. Allerdings sieht die Geschäftsordnung vor, dass wir sozusagen das freie Wort halten sollen und keine vorgedruckten Reden. Daher stößt Künstliche Intelligenz hier am Pult noch an seine Grenzen. Deswegen habe ich das dann nicht gemacht. (Abg. Martin Haller, SPD: Das spricht sehr für Dich!) Meine Damen und Herren, ich habe es schon mehrfach gesagt: Die digitale Revolution, in der sich unsere Gesellschaft befindet, ist mindestens vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks oder der Dampfmaschine. Wir befinden uns in allen Lebensbereichen in einem Transformationsprozess, der sich immer mehr auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz beruft. Daher ist es eine ganz, ganz entscheidende Frage, wie wir mit diesen Realitäten umgehen. Ich bin froh zu hören, dass wir ein bisschen gelernt haben. Während wir – gerade in Deutschland – bei der Digitalisierung noch lange, lange hinterhergehinkt sind, wenn man sich den internationalen Vergleich ansieht, holen wir jetzt mit Hochdruck im Bildungsbereich seit der Novelle des Schulgesetzes, aber auch beschleunigt durch die Pandemie, beim Thema „Digitalisierung“ in allen Lebensbereichen und bei der Bildung und im Schulbereich gerade einiges auf; denn es ist eben die Lebensrealität. Es ist die Lebensrealität von vielen Menschen, und es ist vor allem die Lebensrealität der jungen Menschen. Das ist sie nicht nur jetzt, das wird sie auch in Zukunft sein. Es ist nicht nur so, dass Digitalisierung zu einer Substitution bisher menschlicher Tätigkeiten führt. Der Unterschied ist noch einmal ein anderer. Wir können davon ausgehen, dass die Ergebnisse von Künstlicher Intelligenz einfach besser sind als die, die Menschen heute in vielen Bereichen bringen. Ich glaube, das ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung – gesellschaftlich, ethisch, philosophisch –, aber letztlich auch eine große Chance, die wir nutzen können und sollten. Wir nutzen Sie dann am besten, wenn wir unsere jungen Menschen dafür fit machen, indem wir sie ermutigen und nicht fragen: Hast Du Deine Hausaufgaben mit ChatGPT gemacht? Wenn eine Fragestellung bei einer Hausaufgabe so gestellt ist, dass es clever, intelligent, effizient und richtig ist, sie mithilfe Künstlicher Intelligenz zu beantworten, dann ist das doch eine positive Leistung des Schülers und der Schülerin (Abg. Carl-Bernhard von Heusinger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Genau!) und nicht etwas, das wir sanktionieren sollten. Vielmehr sollten wir sie im Sinne eines guten Lebenswandels und der positiven Gestaltung unserer Gesellschaft dazu befähigen, diese Künstliche Intelligenz so einzusetzen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP – Zuruf des Abg. Michael Frisch, AfD) Ich glaube, deswegen muss man sich in den Schulen und in der Politik damit auseinandersetzen, was Künstliche Intelligenz bedeutet. Ich habe dann tatsächlich doch einmal eine sehr kompetente Stelle befragen lassen, was denn ChatGPT ist und wie sich ChatGPT seine Antworten holt. (Unruhe der CDU – Glocke des Präsidenten) Ich möchte – mit Erlaubnis des Präsidenten – ChatGPT zitieren. ChatGPT sagt: Als künstliches Intelligenzmodell nutze ich mein generiertes Wissen und das Datenmaterial, auf welches ich während des Trainingsprozesses Zugriff hatte. Diese Informationen stammen aus einer breiten Palette von Quellen wie Büchern, Artikeln, Websites und anderen Dokumenten. Ich nutze mein generiertes Verständnis, um auf die Fragen, die ich erhalte, zu antworten. Da ich keinen Zugang zu aktualisierten Informationen habe und die Antworten auf Ihre Fragen nicht auf einer aktuellen Quelle basieren, wird es wichtig sein, sicherzustellen, dass die Informationen, die ich Ihnen gebe, auf dem aktuellen Stand sind und von mehreren vertrauenswürdigen Quellen bestätigt wurden, bevor Sie sie in irgendeiner Weise verwenden. – Ende des Zitats von ChatGPT. Ich finde, ChatGPT gibt uns sehr gute Informationen darüber, wie wir mit ChatGPT umgehen sollten. Das bedeutet eben, dass wir uns in der Schule dafür öffnen, Lehrerinnen und Lehrer qualifizieren, die Anwendung üben und in der Schule darüber reden, auch über die Gefahren und darüber, was hinter Künstlicher Intelligenz steckt. Ich sage ganz klar: Wir reden viel – zu Recht – über Bildungsstandards und über die Frage, was Kinder nach der 4. Klasse können müssen. Ich finde es gut, dass wir darüber sprechen, was Matheleistung angeht, was Zuhören angeht, was Rechtschreibleistung angeht. Ich finde aber auch, dass wir darüber sprechen sollten, dass man schon nach der Grundschule ungefähr wissen sollte, was ein binärer Code und was ein Algorithmus ist. Nicht, dass jeder programmieren können muss, aber es schadet nicht, zu wissen, wie die Welt von morgen aufgebaut ist. Herzlichen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD sowie des Abg. Steven Wink, FDP)

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