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Sven Teuber

SPD 26.01.2023 Sitzungen 18/37

Vielen Dank, Herr Präsident. – Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon bemerkenswert, in welchen ideologischen Welten sich Kolleginnen und Kollegen befinden können, wenn man sich gerade hier angehört hat, was für Schlussfolgerungen Sie aus manchen Dingen ziehen und welche Lösungen Sie vorschlagen, Herr Paul. Ich will Ihnen aber zunächst einmal sagen, ich finde das schon parlamentarisch eine Frechheit und den Anzuhörenden gegenüber erst recht. Diese werden sich am 8. Februar Zeit nehmen, sich genau diesem Thema, zu dem wir gemeinsam eine Anhörung im Bildungsausschuss beschlossen haben, zu nähern und gemeinsam mit uns zu erörtern, wie aus Sicht der Praktikerinnen und Praktiker, der Verbände, die Situation zu bewerten ist. Ich finde es eine Frechheit, dass Sie heute in Kenntnis dieser Sache einfach Ihren wahrscheinlich schon lange vorbereiteten Antrag hier einbringen, (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) aber Sie werden ihn wahrscheinlich, so wie wir Sie kennen, in drei Monaten noch einmal hier einbringen. Anstand war das jedenfalls nicht, weil Sie sich nicht die Zeit nehmen. Sie wissen jetzt schon die Lösung, dann brauchen Sie auch keine Anhörung mitzubeschließen. Sie können den Antrag aber wahrscheinlich in der Form, so allgemein, wie er gehalten ist, einfach in drei Monaten noch einmal hier einbringen, und dann können wir noch einmal darüber diskutieren. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Man muss dann aber nicht ernst nehmen, dass Sie sich im Bildungsausschuss wirklich damit auseinandersetzen wollen. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Jetzt kommen wir aber zu den Forderungen, die Sie gestellt haben. Schon wenn wir über den Ausdruck der Qualität von Unterricht sprechen, muss man sagen, das ist mit Blick auf Ausdruck und Konkretisierung mangelhaft. Den ersten Punkt machen wir schon. Das könnten Sie schon wissen, wenn Sie Frau Hubig zuhörten. Sie können offensichtlich Frau Brück sehr gut zitieren, aber Frau Hubig wahrscheinlich nicht genügend zuhören. Frau Dr. Hubig hat auf jeden Fall als Ministerin im Bildungsausschuss dargestellt, dass wir Mathematik zum Beispiel schon ausgeweitet haben und sie an Deutschausweitungen dran sind. Außerdem hätten auch Sie ein Deckblatt einstellen können, wie wir es als Koalitionsfraktionen gemacht haben, um Geld zur Verfügung zu stellen, (Abg. Joachim Paul, AfD: Es geht nicht nur um Geld!) um bei Grundkompetenzen, die Sie hier bemängeln und die das IQB darstellt, weiterzukommen. Diese stehen aber längst nicht so schlecht da, wie Sie das hier zeichnen wollen. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) In dem Zusammenhang haben wir die Mittel dafür, dass man Kernkompetenzen und Grundkompetenzen in den Grundschulen behandeln kann, mehr als verdoppelt. (Abg. Joachim Paul, AfD: Umso fataler!) Wir wollen nicht das, was Sie wollen. Ich möchte mir tatsächlich einmal grundsätzlich, praktisch vorstellen, wie Sie das im Alltag leben würden, wenn Sie noch in der Schule wären, „die Einbindung von Schülern mit unzureichenden Deutschkenntnissen in den Regelunterricht zu untersagen“. Wir reden hier von der Grundschule. Das heißt, Sie wollen im Endeffekt allen Familien und Kindern sagen: Du darfst hier nicht in diesen Unterricht kommen. – Das ist Ihre Antwort: Wir helfen dir nicht im Unterricht, wir wollen nicht miteinander im Team arbeiten, sondern es ist mir egal, wie du dich weiterentwickelst. Bei mir, in meiner Welt hast du keinen Platz. – (Abg. Dr. Jan Bollinger, AfD: Sie können nicht lesen offensichtlich!) Das ist Ihre Antwort auf die Probleme der Kinder und Jugendlichen und auf die Antwort des IQB. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Das ist so platt und ideologisch verbrämt, dass das auch der IQB-Studie nicht ansatzweise gerecht wird und das nicht das Niveau sein sollte, mit dem wir uns hier auseinandersetzen. Was sind überhaupt unzureichende Deutschkenntnisse? Ab wann fängt das bei Ihnen an? Ich könnte mir vorstellen, dass das in Ihrer Welt etwas mit Migration zu tun hat. Es hat aber faktisch nichts mit Migration zu tun. Deswegen geht das an alle Familien, und es stellt sich doch die Frage: Was machen Sie zum Beispiel mit Menschen, die Legasthenie haben, oder mit anderen Punkten? Wie wollen Sie die denn gemeinsam fördern? Da haben wir multiprofessionelle Teams in den Schulen. Wir haben eine Kernkompetenz bei Lehrkräften. Wir brauchen aber auch – das ist auch nachgewiesen – in einer Ganztagsförderung das Thema „Lernen von Kindern mit Kindern in einer Gemeinschaft“. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, auch um intrinsische Motivation zu steigern und gemeinsam Erfolge zu erleben. Das ist für eine Gemeinschaft wichtig. Sie wollen separieren, segregieren, ausschließen, wo tatsächlich – – – (Abg. Joachim Paul, AfD: Differenzieren!) – Nein, Differenzieren ist das nicht. Differenzieren ist das nicht. (Abg. Joachim Paul, AfD: Doch, genau das ist es!) – Nein, das ist es eben nicht. Sie schließen diejenigen einfach aus, und sagen: Geht in eine separate Gruppe. – Was meinen Sie, was mit denen passiert? (Abg. Joachim Paul, AfD: Die lernen Deutsch!) Das haben Sie wahrscheinlich, hoffentlich nicht – – – Hoffentlich haben Sie das nicht in der Schule erlebt, aber ich könnte mir fast vorstellen, dass keiner mit Ihnen überhaupt Kontakt haben wollte, (Abg. Dr. Jan Bollinger, AfD: Oh!) weil sie gesagt haben: In diesen Bereichen sind sie in eine Gruppe abgeschoben. Da sind die Schwachen, da sind die Starken. – (Abg. Joachim Paul, AfD: Herr Teuber, Sie müssen doch schon über sich selbst lachen!) In dem Zusammenhang wollen wir so Schule nicht verstanden wissen und sind auch froh, dass Sie keine Verantwortung für unsere Schulen haben. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Einen Punkt noch – zu allen komme ich leider nicht, aber in dem Zusammenhang der Punkt 9 –: „von der ideologisch motivierten ,Schule der Zukunft‘ Abstand zu nehmen.“ Wovor haben Sie eigentlich Angst? Wovor haben Sie eigentlich Angst? (Abg. Joachim Paul, AfD: Vor Ihrer Bildungspolitik!) Wir wollen mit den Menschen, die an der Front arbeiten, die gemeinsam in der Praxis stehen, hören: Wo wollen wir weiterarbeiten, wo sollen wir Schule entwickeln, wie sollen wir Schule entwickeln? (Glocke des Präsidenten) Sie haben Angst vor kritischem Geist, vor Sachverstand aus der Praxis, weil Sie wissen, dass das, was Sie hier vorschlagen, nicht auf die Realitäten von Kindern und Familien in diesem Land zutrifft, und das ist auch gut so, und dafür werden wir auch weiter arbeiten. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)

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