Andreas Hartenfels
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Vielen Dank auch von meiner Seite, dass wir das Thema „Ernährung“ hier auf die Tagesordnung gesetzt haben. Ich bin auch froh, dass zwei Landwirte hier im Plenum dazu Stellung genommen haben. Die Art und Weise, wie sie dazu Stellung genommen haben, sollte uns allen noch einmal in Erinnerung rufen, um was es bei dem Thema „Lebensmittelverschwendung“ wirklich geht. Ja, es gilt vor allen Dingen, darüber zu reden, wie wir unsere Ernährung wahrnehmen und wer uns eigentlich daran hindert, wieder Wertschätzung für Lebensmittel zu empfinden und aufrechtzuerhalten, damit das in Zukunft besser wird, weil wir auch konstatieren müssen, dass es uns in den letzten Jahren nicht gelungen ist, die Lebensmittelverschwendung signifikant nach unten zu bringen. Herr Zehfuß, ich bin Ihnen dankbar, dass Sie versucht haben, einmal so ein bisschen unter der Decke zu scharren und zu schauen, wohin wir eigentlich müssen, was das Fundament der Fehlentwicklung ist. Da müssen wir schon konstatieren, dass die Lebensmittelbranche vor allen Dingen schon seit Jahrzehnten die Betriebe so dermaßen unter Druck setzt, nach dem Motto „Wir wollen eigentlich, dass Ihr uns billige Rohstoffe liefert“ – billig, billiger, noch billiger –. Dafür sind die großen Ketten verantwortlich. Die Politik nimmt das zwar zur Kenntnis, traut sich aber nicht so richtig ran. Auch Marco Weber hat sehr schön beschrieben, was die Landwirte im Bereich Fleisch zum Beispiel nur noch für ihre Tiere bekommen. Es ist doch absurd, was da passiert. Das trägt sich weiter bezogen auf das Produkt, sodass wir alle dann relativ leichtfertig hochwertige, qualitative Lebensmittel in die Tonne treten. Es wurde schon angesprochen, das Problem ist nicht schwerpunktmäßig die Lebensmittelbranche, sondern das sind die Privathaushalte. Wir reden hier über 6,5 Millionen t, die im Privathaushalt weggeworfen werden. Wir sollten das einmal in Fläche umrechnen. Was bedeutet das denn, 6,5 Millionen t? Das sind fast 1 Million ha in Deutschland, die zwar angebaut werden, diese Anbauprodukte werden aber in die Tonne getreten. Das ist deutlich mehr Ackerfläche als wir in Rheinland-Pfalz bewirtschaften, deutlich mehr Ackerfläche. Ich glaube, da müssen wir uns an die eigene Nase fassen, das müssen wir uns deutlich machen. Deswegen ist die Kampagne von Rheinland-Pfalz „Rheinland-Pfalz isst besser“ genau die richtige Stoßrichtung. Wir müssen wieder über Qualität und nicht über möglichst billige Lebensmittel reden; denn wo wird denn gespart, auch in Krisenzeiten? Das wissen wir alle. Es wird doch nicht an den Konsumartikeln gespart. Marco Weber, du hast es angesprochen. Dem Haustier muss es weiterhin gut gehen, aber was auf den Tisch kommt, da können wir hier noch einen Cent sparen, da können wir da noch sparen. Das müssen wir fundamental ändern. Wir müssen noch etwas ändern. Das möchte ich in dem Zusammenhang noch erwähnen, weil natürlich auch der Teil in der Welt angesprochen worden ist, der hungert. Wir leisten uns den Luxus, 60 % unseres Getreideanbaus in Deutschland – 60 % – in den Futtertrog zu werfen. (Abg. Marco Weber, FDP: Oi, oi, oi!) Wir müssen uns klarmachen, dass wir deutlich mehr Menschen ernähren könnten und können, (Abg. Marco Weber, FDP: Nein!) wenn wir stärker auf vegetarische Ernährung (Abg. Marco Weber, FDP: Nein!) und weniger auf eine intensive Fleischernährung setzen würden. Ich möchte hier nicht einem Fleischverbot das Wort reden, (Glocke des Präsidenten) aber ein wenig weniger würde schon erheblich mehr bedeuten, (Abg. Marco Weber, FDP: Nein!) dass wir weniger Flächen verschwenden, die wir dringend für den Anbau von Produkten brauchen, (Abg. Marco Weber, FDP: Nein!) die uns als Weltgemeinschaft und nicht nur hier in Deutschland in die Lage versetzen, uns zu ernähren. (Abg. Marco Weber, FDP: Nein!) Vielen Dank.
