Lisa-Marie Jeckel
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Wie ich den Aussagen meiner Vorredner entnehmen kann, denke ich, sind wir uns alle einig, Lebensmittelverschwendung sollte nicht sein. Wir müssen etwas dagegen tun. Es werden jährlich rund 11 Millionen t Lebensmittel weggeworfen. Das ist viel zu viel. In Zeiten der hohen Inflation und der steigenden Energiekosten haben die Tafeln in Rheinland-Pfalz einen hohen Zulauf und auch Bedarf. Eine Bewusstseinsänderung beim Umgang mit Lebensmitteln sollte aber auch und vor allem bei jedem selbst beginnen. Jeder kann hier effektiv mithelfen, nicht nur der Lebensmittelverschwendung, sondern auch der Notlage seiner Mitbürger entgegenzuwirken. Um die Sicherheit von Lebensmitteln zu gewährleisten, sind aber auch EUVorgaben zu beachten, und Lösungsansätze in diesem Bereich zu finden, wäre auch Aufgabe der EU. Wie heute schon gesagt wurde, werden aber circa 59 % der verschwendeten Lebensmittel von privaten Haushalten und nur circa 7 % vom Handel weggeworfen. Der größte Anteil an Lebensmittelverschwendung ist also auf die Entsorgung in die heimischen Mülltonnen zurückzuführen. Ich denke, es ist Konsens: Es ist erstrebenswert, weniger Lebensmittel zu verschwenden. Aufklärung, Möglichkeit und Freiwilligkeit scheinen unsere gemeinsamen Ansätze bei der Lösung zu sein. Verbraucherzentralen und Projekte können durch Aufklärung über die Weiterverwendbarkeit von Lebensmitteln, das richtige Vorratsmanagement und Bestellmanagement gezielt Privathaushalten und Einzelhändlern helfen, ihre Abfallmengen zu verringern. Ich stimme Frau Schellhammer zu: Wir sollten auch die Möglichkeit bieten, Lebensmittel – aber rechtlich abgesichert – auch nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums an Hilfsorganisationen spenden zu können. Ebenfalls schon genannt wurde, was uns als gutes Beispiel dienen kann: In Frankreich ist das für Supermärkte ab einer gewissen Größe sogar verpflichtend. Weitere Anlaufstellen und schnell erreichbare Sammelstellen sollten einfach und mit wenig Bürokratie eingerichtet werden können. Foodsharing-Initiativen wie durch Foodsharing-Cafés, Apps und andere Alternativen, die sicher, sauber und konkret das Problem angehen, sind uns willkommen. (Vizepräsident Matthias Lammert übernimmt den Vorsitz) Wir Freien Wähler sind stets offen für innovative Lösungen, aber wir sollten bei der Lösung auch ganzheitlich denken. Wie wäre es zum Beispiel mit gezielter Stärkung der Regionalität und Unterstützung der Direktvermarkter, statt Energie in rechtlich fragwürdige Übergangslösungen zu stecken, wie seitens der Grünen immer wieder gefordert? Eine gut funktionierende Direktvermarktung gibt dem Verbraucher nicht nur Klarheit über die Herkunft und Produktion, sondern vor allem auch den Mehrwert von garantiert frischer Ware. Außerdem steigt die Wertschätzung für die Erzeuger und die Lebensmittel selbst. Ganz nebenbei würden wir mit mehr Regionalität einen erheblichen Beitrag zur Reduktion der CO - Emissionen leisten, da durch den Direkterwerb beim lokalen Hersteller lange Transportwege vermieden werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist echter Klimaschutz. Lassen Sie uns also gemeinsam zielführende Lösungen finden. Danke schön. (Beifall der FREIEN WÄHLER)
