Joachim Paul
Sehr verehrtes Präsidium, liebe Kollegen! Weil gerade Japan angesprochen wurde: Also, ob das jetzt Japan ist, Australien, Neuseeland oder Kanada – Neuseeland hat übrigens seine Einwanderungspolitik nochmals dramatisch verschärft –, alle diese Länder suchen im Prinzip, handverlesen, Spezialisten mit einer entsprechenden Qualifikation aus. Das sind natürlich auch Qualifikationen im beruflichen Bereich. Dieses Modell hat sich aber doch als überlegen erwiesen gegenüber unserem Modell „Offene Grenzen, und dann schauen wir mal, was passiert“. Das sind Länder mit einer Einwanderungstradition, und sie haben es von Anfang an richtig gemacht. Bei Japan spielt noch das hinein, was Herr Dr. Martin dankenswerterweise hat anklingen lassen, nämlich das Stichwort „Automatisierung“. Wir stehen vor einer industriellen Revolution. Künstliche Intelligenz wird einen ganz großen Impact auf den Arbeitsmarkt haben. Schauen Sie sich die Diskussion um das Sprachmodell ChatGPT an. Das sind ganz große Veränderungen, die anklopfen. Da muss man erst recht fragen: Können wir eine Einwanderung noch gebrauchen, wenn wir auf Automatisierung setzen müssen, die gering qualifiziert ist oder keine Qualifizierungsperspektive hat? Das ist eine schwerwiegende Frage, eine sehr, sehr schwerwiegende Frage. Wir müssen sie uns stellen, wenn wir in den Bereich Automatisierung investieren wollen. Wenn Deutschland hier stark sein soll, muss man dafür auch mehr tun. Unter den ganzen Anbietern dieser großen Sprachmodelle, die natürlich auf viele Berufe eine Auswirkung haben wollen, ist nur noch ein deutsches Unternehmen, nämlich Aleph Alpha aus Heidelberg. Der Rest kommt aus dem asiatischen Bereich – Japan, China – oder aus den USA. Da sind wir abgehängt. Das heißt also, diese Investitionen in den Bereich Künstliche Intelligenz reichen nicht. Die reichen nicht, wenn Microsoft in der Lage ist, Milliarden in Anbieter zu stecken. Das wird eine große Frage sein. Es ist nämlich ein weiterer Baustein dabei, die Fachkräftemisere zu lösen: diesen Bereich jetzt zielscharf zu fördern. Das ist natürlich auch Teil der Privatwirtschaft, aber ich denke, ohne staatliche Förderung geht es nicht, und uns sind schon einige Konkurrenten weit enteilt. Das heißt, wir brauchen eine ordentliche Zuwanderungspolitik (Glocke des Präsidenten) nach neuseeländischem, kanadischem Vorbild, und wir brauchen Investitionen in die Automatisierung, sodass wir nicht abgehängt werden. Vielen Dank. (Beifall der AfD)
