Michael Frisch
Verehrte Kollegen! Herr Ehmann, Sie haben eine Lanze gebrochen, sich für das politische Interesse und die Motivation junger Menschen in die Debatten in unserem Land einzubringen. Ich will dem gar nicht widersprechen, wobei ich, gerade bei den Schülergesprächen, die wir zum Teil auch gemeinsam bestritten haben, die Erfahrung gemacht habe, dass das sehr differenziert zu betrachten ist. (Zuruf von der SPD: Na ja!) Ich will aber auf einen anderen Gedanken hinaus. Ich gehöre einer anderen Generation an als Sie, und ich würde ausdrücklich widersprechen, wenn hier behauptet wird, junge Menschen seien heute besonders politisch interessiert. Nein, das waren wir bereits damals. (Zuruf von der SPD: Dann ist doch gut!) Ich kann mich an meine Schulzeit erinnern, in der wir in der Schule intensiv und heftig politische Debatten geführt haben. Wir haben gesehen, dass uns in der Politik herausragende Persönlichkeiten – die heute übrigens aus meiner Sicht zum Teil fehlen – wie Helmut Kohl, aber auch Willy Brandt, Herbert Wehner und Franz Josef Strauß fasziniert haben. Sie haben uns elektrisiert, und wir haben teilweise Bundestagsdebatten stundenlang am Nachmittag im Fernsehen verfolgt. (Zuruf der Abg. Jutta Blatzheim-Roegler, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das heißt, wir waren selbstverständlich damals politikinteressiert. Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt, und ich glaube, dass wir mindestens so ernsthaft um große Themen wie die Ostpolitik, aber auch andere Fragen gerungen haben, wie das heute bei Fridays for Future bezüglich der Klimapolitik ist. (Zuruf von der SPD: Bei den Vorbildern landet man dann bei der AfD!) Wir haben aber kein Wahlrecht mit 16 gehabt. Wir haben darauf hingefiebert, dass wir endlich unsere Stimme abgeben konnten. Wir haben uns in die politische Diskussion eingebracht. (Abg. Jens Guth, SPD: Genau wie die jungen Leute heute! Falsche Argumentation! – Unruhe bei der SPD – Glocke des Präsidenten) Wir haben geübt, politische Beteiligungsmöglichkeiten vorzubereiten und haben uns dann, als wir 18 Jahre alt waren, gefreut, dass wir jetzt das höchste Recht eines Staatsbürgers haben, nämlich darüber zu entscheiden, wie die Geschicke dieses Landes in Zukunft gestaltet werden, und wir uns daran beteiligen dürfen. Es stimmt also nicht zu sagen, wir müssen diesen jungen Leuten heute das Wahlrecht geben, weil sie politisch interessiert sind. (Zuruf der Abg. Sabine Bätzing-Lichtenthäler, SPD) Das stimmt einfach nicht. Wir waren es auch, aber auch ohne ein Wahlrecht haben wir uns eingebracht, und ich denke, das sollten wir heute auch so lassen. (Unruhe bei der SPD – Glocke des Präsidenten –
