Helge Schwab
Der Wein und die Menschen in Rheinland-Pfalz sind eben vielfältig. Wir Pfälzer sind einen Tick anders als die Rheinländer oder die Rheinhessen. So ist auch ein Riesling aus der Pfalz, etwa vom Wachenheimer Gerümpel oder Forster Ungeheuer, ganz anders als der Riesling vom Bernkasteler Doctor oder aus dem Bopparder Hamm am Mittelrhein. So vielfältig der Weinbau, so kreativ sind auch die Winzer, die den Weinbau in jahrtausendalter Tradition bewahren und gerade auch in den Steillagen im Ahrtal, an der Mosel oder am Mittelrhein mühevoll betreiben. Unsere Aufgabe als Landtagsabgeordnete und Landesregierung ist es, dass wir dieses Kulturgut Weinbau in Rheinland-Pfalz und ebenso die Landwirtschaft in unserem Bundesland unterstützen und stärken; (Beifall des Abg. Johannes Zehfuß, CDU) denn was nützt der beste Spätburgunder von der Ahr, wenn die Rindsroulade nicht vom regionalen Viehbetrieb kommt und die Grumbeeren importiert werden müssen. Doch wie die Vorredner bereits ausgeführt haben, sind die Ideen der Europäischen Union nicht von Vorteil für unsere Winzer und unsere Landwirte. Insofern schließen wir Freien Wähler uns gerne einer Resolution an, die der Bad Dürkheimer Stadtrat verabschiedet hat. Allein dort wären 80 % der Dürkheimer Weinberge betroffen. (Zuruf des Abg. Benedikt Oster, SPD) Unser Freund und Biowinzer Jochen Schmitt hatte für die FWG-Ratsfraktion erklärt, dass der Vorstoß der Europäischen Union, bis zum Jahr 2030 jeglichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten zu verbieten, dazu führt, dass selbst Backpulver, das im Ökoweinbau eingesetzt wird, nicht mehr zulässig wäre. Wir Freien Wähler stehen zu Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz. Wir wollen die Existenzgrundlagen von Bauern und Winzern erhalten. Wir wollen eine Landwirtschaft auf dem Feld und im Weinberg, die regional, nachhaltig und umweltbewusst produziert und Spitzenerzeugnisse aus unserer Heimat liefert. Werte Kolleginnen und Kollegen, wenn wir der Europäischen Union nicht geschlossen die Stirn bieten, sind viele Landwirte und Winzer in ihrer Existenz bedroht. Neben den Dürresommern, die sowohl Bauern als auch Winzer bereits hart getroffen haben, wäre eine Regelung, wie sie die EU für das Jahr 2030 vorsieht, reinstes Gift für unsere Bauern und Winzer. Diese setzen im Übrigen das für die Produktion ihrer Erzeugnisse notwendige Pflanzenschutzmittel immer smarter ein – etwa durch den Einsatz von Drohnen –, um gezielt auch nur die Parzellen zu behandeln, die es nötig haben. Der Weinbau ist auch ein Beitrag zur Artenvielfalt. Kennen Sie den Apollofalter? (Abg. Benedikt Oster, SPD: Ja!) Der ist in den Winninger Weinbergen an der sonnigen Untermosel beheimatet und braucht in seiner Umgebung die Rebstöcke, (Abg. Benedikt Oster, SPD: Ich bin oft dagewesen! Sie auch?) die Trockenmauer aus Schiefer. Die Winzer in Winningen haben ein Auge auf den geflügelten Nachbarn, damit er dort in einer einzigartigen Umgebung überleben kann. Es gilt also, den Weinbau und die vielfältige Landwirtschaft zu fördern und sie nicht mit weiteren Auflagen zu versehen. Das Höfesterben im Land nimmt zu. Prämien zur Übernahme von landwirtschaftlichen Betrieben sind wichtiger denn je. Natürlich wollen wir die Landwirtschaft transformieren. Wir wollen den Erhalt der natürlichen Grundlagen und der Artenvielfalt. Ein undifferenziertes Verbot jeglicher Substanzen zum Schutz der Pflanzen in Schutzgebieten ist indes keine geeignete Maßnahme. Ackerbau und Weinbau, aber auch Viehhaltung sind Beiträge zur Vielfalt bei Flora und Fauna. Sie zu schützen, zu stärken und bei einer sich verändernden Welt mitzunehmen, ist das Gebot der Stunde. Insofern brauchen wir Verbündete in Brüssel und Berlin, die unseren Winzern und Landwirten zur Seite stehen, so wie wir es hier heute in der Aktuellen Debatte tun und in den Haushaltsberatungen bereits getan haben. Es ist also ein Appell an den Landwirtschaftsminister und den Bundeskanzler, sich entschieden für Landwirtschaft und Weinbau einzusetzen; denn nur so können wir uns auch in Zukunft zuprosten. Zum Wohl auf unser Weinland Pfalz! Ich danke Ihnen. (Beifall der FREIEN WÄHLER und bei der CDU)
