Michael Frisch
Nein! Hat keiner gesagt!) Damit werden wir keine Probleme lösen, weil Sie das Thema einfach nur bei einer bestimmten Gruppe in einer Bevölkerung verorten. Das ist genau das, was das Handwerk nicht will. Die Kampagne sagt genau das Gegenteil aus. Sie sagt aus, dass auch Haushalte mit Akademikerinnen und Akademikern stolz sein müssen, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter Zimmermann oder Zimmerfrau oder was auch immer ist. Sie wollen eine Stärkung der Realschule plus, indem Sie sie scheinbar stärken, aber eigentlich schwächen, weil Sie gleich von Beginn an segregieren wollen und nicht alle, egal von welchen Haushalten sie kommen, welche Abschlüsse sie haben und welche Schule sie besuchen, darin bestärken wollen, in eine duale Ausbildung zu gehen. Das wird nicht funktionieren, und das ist nicht unser Weltbild. (Beifall bei der SPD) Wir brauchen in der Pflege, in der Medizin, in Förderschulen, in MINT-Berufen, in der Gastronomie, in der Verwaltung, in den Kitas und überall Fachkräfte. Wir werden uns sicherlich nicht nur immer wieder an den Realschulen plus abarbeiten, sondern wir müssen sie stärken und gemeinsam alle Schulformen auffordern, mehr in der Berufsorientierung zu machen. (Beifall des Abg. Helge Schwab, FREIE WÄHLER) Deswegen ist es richtig, dass wir gemeinsam als Koalitionsfraktionen für den laufenden Haushalt den Anteil um 300.000 Euro erhöht haben. Wir müssen auch anerkennen – auch das kann man nachlesen –, dass die Corona-Pandemie eher das bestärkt hat, was man als sichereren Weg ansieht. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Wir alle denken, je höher der Abschluss, desto klarer ist die Sicherheit. Das ist mitnichten der Fall. Wir müssen erkennen, dass es unterschiedliche Lebenswege mit unterschiedlichen Erwerbsbiografien in einem durchlässigen Bildungssystem und einer durchlässigen Arbeitswelt gibt. Wir können in unserer Bildungsbiografie deutlich machen: Egal an welcher Schulform ich starte und in welcher Schulform ich ende, mir stehen sehr viele vielfältige Wege im Leben offen. (Vereinzelt Beifall bei der SPD – Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Deswegen muss ich die Dinge, die in der Corona-Pandemie nicht möglich waren, wieder intensivieren. Das sind Praktika, Berufsorientierung und die frühzeitige Einbindung von Expertinnen und Experten, von Kammern, Gewerkschaften und Innungen in die Schule und in vielen Teilen schon in die Kitas, weil Elternarbeit einen sehr entscheidenden Anteil daran hat, diesen Erfolg zu erreichen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir stellen auch fest, dass die Orientierung an den Beruf der Eltern deutlich stärker wird, weil dort ein wenig Offenheit herrscht, dem Kind einen anderen Lebensweg zu ermöglichen. Jedenfalls muss man das den Studien so entnehmen. Auch das ist ein Ergebnis der Kampagne des Handwerks. Das begrüßen wir, weil wir gemeinsam dafür werben müssen, dass es sehr vielfältige Lebensformen gibt und wir jetzt gerade erkennen – vielleicht jetzt endlich alle erkennen –, dass das Handwerk ein elementarer Bestandteil für den Klimawandel, Klimaschutz und die Sicherung unseres täglichen Lebens und unserer täglichen Versorgung ist. Ich will bewusst auch die Landwirtschaft nennen. Wir haben darüber schon gesprochen. (Glocke des Präsidenten) Wir erkennen doch, wie wichtig regionale Versorgung ist. Wer aber ist außerhalb einer landwirtschaftlichen Familie noch dazu bereit, überhaupt in diesen Bereich zu wechseln? Wo gibt es die gesellschaftliche Anerkennung? Wir müssen unser gesellschaftliches System und das Bildungssystem zu mehr Offenheit in diesen Bereichen mahnen und mehr Berufsorientierung, Zusammenarbeit und eine Erleichterung von Zuwanderung ermöglichen, weil ohne das – – – Das sagt auch die Stiftung Familienunternehmen mit dem ifo Institut, und das sagen drei Viertel der Unternehmen: Wir brauchen eine Erleichterung der Zuwanderung. Nur in der Kombination dieser Dinge und der Bestärkung unseres Weges in der Bildungs- und Ausbildungspolitik werden wir Erfolge haben, aber nicht, indem wir das nur auf einen Bereich, wie Sie es wollen, begrenzen und damit Schülerinnen und Schüler noch frühzeitiger segregieren. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Steven Wink, FDP)
