Helge Schwab
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Schulen waren schon immer mehr als ein Ort des Lernens und der Bildung. Für alle Schüler ist die Schule der Ort, an dem sie den Großteil ihres Heranwachsens erleben. Mit Blick auf Ganztagsangebote verbringen sie oft mehr Zeit in der Schule als zu Hause und werden dort mindestens genauso stark geprägt wie im Kreis der Familie. Hier sollten sie auch das offene Ohr und den Rat finden, wenn sie ihn denn brauchen und suchen. Das Fördern von selbstbewussten Bürgern ist eine Kernaufgabe des Staates, das gerade in den Schulen verfolgt werden muss. Schulsozialarbeit setzt genau daran an, widmet sich nicht nur den Problemen, sondern nimmt die ganze Person in den Blick. Der Bedarf einer professionellen und ausreichend verfügbaren sozialen Betreuung war schon von jeher hoch, und das nicht nur an Realschulen plus oder berufsbildenden Schulen, sondern in allen Schulformen. Wurde noch vor wenigen Jahren Schulsozialarbeit ausschließlich in einem Atemzug mit sogenannten Brennpunktschulen genannt, muss man heute sagen, dass es ein Makel ist, wenn eine Schule keine Schulsozialarbeit anbietet. Insbesondere die Corona-Pandemie und jetzt der Ukraine-Krieg machen es notwendig, dass das Land Rheinland-Pfalz Verantwortung übernimmt und auf das soziale Wohl seiner Kinder und Jugendlichen ein besonderes Augenmerk legt. Die Freien Wähler vertreten daher die Auffassung, hier für eine flächendeckende Versorgung der Schulsozialarbeit in allen Schulformen einzutreten. So verstehen wir bereits seit vielen Jahren die Schulsozialarbeit als Pflichtaufgabe des Landes. Schulsozialarbeiter sind wichtige Ansprechpartner für Schüler, Eltern und Lehrer. Gerade wenn beide Elternteile berufstätig sind, Kinder aus bildungsfremden Familien kommen oder einfach nur die Zeit fehlt, über aufkommende Probleme, wie beispielsweise Lernschwächen, Mobbing oder auch Beziehungsprobleme, zu sprechen, brauchen Schülerinnen und Schüler einen Ansprechpartner, der mit Sachverstand und Einfühlungsvermögen vertrauensvolle Hilfe bietet. In der Vergangenheit ist dahin gehend noch zu wenig geschehen. In den Realschulen plus im Landkreis Kusel beispielsweise kommen auf rund 1.160 Schüler 2,75 Vollzeitäquivalente in der Schulsozialarbeit. So steht es auf Seite 22 der Anlage zu lesen. Dieser Wert bleibt allerdings seit der Großen Anfrage im Jahr 2020 unverändert, obwohl die Herausforderungen und Sorgen angesichts der Pandemie und des Kriegs stets gewachsen sind. Ganz düster sieht hingegen die Lage an den Gymnasien im Landkreis aus. Für die gleiche Anzahl an Schülerinnen und Schüler gibt es keine Schulsozialarbeit. Ein Grund für diesen Unterschied ist, die Personalkostenförderung des Landes gilt nur für die Realschulen plus, integrierte Gesamtschulen und Schulen mit Förderschwerpunkt Lernen. Das ist eine Ungleichbehandlung, die dringend behoben werden sollte. (Zuruf des Abg. Sven Teuber, SPD) Bei diesem wichtigen Thema darf es keinen Flickenteppich geben. Ohne Sichtbarkeit und Verlässlichkeit geht es nicht. Nur wenn der Zugang zur Sozialarbeit niedrigschwellig ist, nutzen Kinder und Jugendliche psychologische und psychosoziale Angebote. Es muss klar sein, dass ich als Heranwachsender weiß, dass ich an allen Schulformen und mit guter Verfügbarkeit solche Angebote vorfinde und diese unproblematisch sowie diskret nutzen kann. Sind diese Anforderungen nicht erfüllt, verpuffen alle Maßnahmen der Sozialarbeit. Wir Freien Wähler sprechen uns daher dafür aus, dass Schulsozialarbeit nicht auf Schularten begrenzt sein darf, so wie es auch in der Antwort auf die Große Anfrage zu lesen ist. (Abg. Sven Teuber, SPD: Ist es auch nicht! Steht überhaupt nicht drin!) – Herr Lehrer, wenn Sie zuhören, bis ich zum Ende komme, dann dürfen Sie gerne unterbrechen, und dann ist alles gut. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN – Zuruf des Abg. Hans Jürgen Noss, SPD) – Herr Noss, – –
