Gerd Schreiner
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Warum sitzen Sie hier? Warum sind Sie in die Politik gegangen? (Unruhe im Hause) Wir machen es wegen morgen, für unsere Kinder und Enkel, für den Frieden und die Freiheit, für den Wohlstand und die Schönheit unseres Vaterlandes. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dabei nehmen wir für uns nicht in Anspruch, in jedem einzelnen Fall zu wissen, was richtig und was falsch ist; aber wir nehmen für uns in Anspruch, dass unsere Vorschläge es verdient haben, gehört, geprüft und ausprobiert zu werden. (Unruhe im Hause) Unsere Flora, unsere Fauna und unsere Kulturlandschaft stehen vor gigantischen Anpassungsprozessen. Wälder verdorren, fruchtbare Auen werden weggespült. Wegen morgen müssen wir alles daransetzen, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. Europa ist ein Kontinent im Krieg. Das schlägt durch bis in unser Bundesland, bis zu uns hier ins Parlament, bis zu den Haushaltsberatungen. Deshalb möchte ich mich heute Morgen an drei Stichpunkten aus unserem Entschließungsantrag zum Einzelplan 14 entlanghangeln. In dem Zusammenhang werde ich zu Beginn auch noch einmal kurz auf die Landwirtschaft eingehen. (Abg. Benedikt Oster, SPD: Das war aber gestern! – Unruhe im Hause) Stichwort „Ernährungssicherheit“: Heute wird in der Ukraine das Getreide nicht gesät, das das Welternährungsprogramm morgen braucht, um die Menschen in der Sahelzone vor dem Hungertod zu bewahren. Wir sind deshalb der Überzeugung, dass jeder Hektar guten Bodens unter den Pflug gehört. (Beifall der CDU – Zuruf des Abg. Dr. Bernhard Braun, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Herr Kollege Braun, das ist so wichtig, dass wir es am Mittwoch gesagt haben, es gestern gesagt haben und es heute wiederholen. (Zuruf des Abg. Dr. Bernhard Braun, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Johannes Zehfuß hat uns ins Gewissen geredet, und ich möchte es noch einmal betonen, weil wir nachher darüber abstimmen, weil wir uns wünschen, dass Sie in diesem Punkt unseren Vorschlägen folgen. (Beifall der CDU) Wir brauchen schnell mehr gesunde Lebensmittel aus Rheinland-Pfalz, für uns, für die Menschen, die hungern auf der Welt, und um endlich der Rodung des Regenwalds Einhalt zu gebieten. Konkret fordern wir, keine Äcker aus der Nutzung zu nehmen. Stellen Sie als Landesregierung sicher, dass unser wertvolles Ackerland, wo immer es sinnvoll ist, zumindest übergangsweise nicht als Grünland zur Tierfutterproduktion, sondern zur Lebensmittelproduktion für Getreide, Kartoffeln und Gemüse genutzt wird. (Beifall der CDU – Unruhe im Hause) Frau Kollegin Blatzheim-Roegler, ich möchte noch einmal auf unser Gespräch gestern eingehen. Länder des Südens, sagten Sie, sollen ernährungsautark werden. Ich bin bei diesem Thema ziemlich emotional geworden; denn ich finde, wenn es darum geht, dass Menschen hungern, dass Menschen verhungern, dann kann man auch einmal emotional werden. Frau Kollegin Blatzheim-Roegler, aber es geht mir darum, dass ich Sie und alle Kolleginnen und Kollegen von der Ampel davon überzeuge, dass wir als Bundesrepublik Deutschland, als Europa in diesem Punkt eine große Verantwortung haben. Ernährungssicherheit ist unsere Verantwortung. Das hier, Frau Kollegin Blatzheim-Roegler, sind die Ackerflächen auf der Welt. (Der Redner hält einen Zettel hoch – Zurufe aus dem Hause) Herr Kollege, ich zeige es Ihnen auch. Das sind die Ackerflächen auf der Welt. Ich erkläre Ihnen das Bild. Sie erkennen, wir können nicht überall auf der Welt Getreide anbauen. (Abg. Dr. Bernhard Braun, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Aber da, wo Sie Autobahnen hinbauen wollen, da kann man es anbauen!) Die Menschen in Ägypten beispielsweise, die zur Hälfte auf Getreide aus der Ukraine angewiesen sind, können nicht ernährungsautark werden. Unsere Verantwortung ist es, die guten Böden und das gute Klima, das wir hier haben, zu nutzen, um uns selbst mit Lebensmitteln zu versorgen, aber eben auch den Rest der Welt. (Beifall der CDU) In diesem Zusammenhang wollen wir Pflanzen schützen, dass sie reiche Frucht tragen. (Glocke des Präsidenten) Wir wollen sie deshalb, wenn immer nötig, bewässern, dass sie auch in trockenen Sommern gut gedeihen. (Unruhe im Hause) Folgen Sie deshalb unseren Anträgen, und stellen Sie bitte als Abgeordnete im Haushaltsplan sicher, dass schnell Geld fließen kann für unsere guten Böden, um sie in Zeiten anhaltender Trockenheit zu wässern. Stellen Sie sicher, dass unsere Feldfrüchte nicht im Boden oder am Halm verdorren, sondern möglichst viel Nahrung für Menschen bei uns wachsen kann. (Unruhe im Hause – Zurufe von der CDU: Herr Präsident, Herr Präsident!) Es geht um nicht mehr und nicht weniger als unser tägliches Brot.
