Dr. Oliver Kusch
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die zu besprechende Große Anfrage geht in die Vergangenheit und fragt nach Zahlen ab 2011, deren Entwicklung und nach Prognosen für die Zukunft. Ich selbst habe mich im Jahr 2004 niedergelassen, in einer Zeit, in der man die ambulante und stationäre Versorgung strikt trennte und deren Trennung noch argwöhnisch von beiden Seiten aus betrachtete. Die Diskussion, wie wir sie heute über eine Überwindung dieser sogenannten Sektorengrenzen führen, war damals undenkbar. Es gab so viele Ärzte, dass es bis 2009 sogar noch die Altersbegrenzung für Ärzte in der kassenärztlichen Berufsausübung gab. Bis zum 68. Lebensjahr durfte man arbeiten, dann musste man ausscheiden. Im Kreis Kusel geht jetzt im März ein Kollege im 78. Lebensjahr in den Ruhestand. An diesen Beispielen können Sie sehen, die Zeiten der sogenannten Ärzteschwemme sind noch nicht lange her. Jeder Gesundheitsminister im Bund machte in den 80er- und 90er-Jahren eine sogenannte Gesundheitsreform. Die Folgen dieser haben wir noch heute zu bewältigen. Wir haben es heute aber auch mit einer anderen Ärzteschaft zu tun. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, in diesem Beruf hat sich, wie in der Gesellschaft, vieles verändert. Ich will Ihnen aufzeigen, was sich geändert hat. So werden im stationären Bereich, also in den Krankenhäusern, fast doppelt so viele Ärzte benötigt wie noch vor 25 Jahren, um den Freizeitund Arbeitszeitregelungen, die sich in dieser Zeit glücklicherweise für die Betroffenen verändert haben, Rechnung zu tragen. Das Zi, das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland, errechnet in seinem Zi-Papier 14/2019, aus dem ich mit Erlaubnis des Präsidenten zitieren darf, dass einen selbstständigen niedergelassenen Arzt 2,1 Ärzte in Anstellung ersetzen. Durch einen großen Frauenanteil an den Studierenden und später natürlich dann auch im Beruf sind in der Versorgung mehr Ärzte erforderlich, da durch Geburt und Elternzeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie viele Kolleginnen in der Mehrfachbelastung häufig in Teilzeit arbeiten. Auch wenn die Zahl der arbeitenden Ärzte in den letzten Jahren im Gesamten angestiegen ist, so herrscht doch aus den genannten Gründen ein Mangel an Arztzeit, wie es momentan immer häufiger genannt wird. Wie wir alle wissen, ist die Arztzeit auf dem Land besonders knapp. Daher wurde im Jahr 2019 mit dem Landesgesetz zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen des Landes Rheinland-Pfalz die sogenannte Landarztquote eingeführt. Dadurch werden wir ab 2026 etwa 27 approbierte Ärzte pro Jahr haben, die sich verpflichtet haben, in RheinlandPfalz die Weiterbildung in Allgemeinmedizin zu machen, um dann mit bestandenem Facharzt in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebieten eingesetzt werden zu können. Hinzu kommen weiterhin jährlich etwa sechs bis sieben Ärzte über die Quote des öffentlichen Gesundheitsdienstes, die dann den Gesundheitsämtern im Land zur Verfügung stehen werden. Es gibt bereits vielfältige Förderungen und Möglichkeiten, junge Mediziner in der Ausbildung an den ländlichen Raum heranzuführen. Ich möchte exemplarisch die Landesförderung zur Famulatur in Praxen, die Ausbildung in Landarztpraxen und den Medizincampus Trier nennen, der die Beendigung des Studiums dort ab dem 9. Semester möglich macht. Um die Menschen bestmöglich vor Ort medizinisch versorgen zu können, ist es meines Erachtens nicht nur sehr wichtig, die vorhin schon genannten Sektorengrenzen zu überwinden. Das Projekt ZUG – Zukunft Gesundheitsnetzwerke – stellt eine erhebliche Unterstützung der Akteure vor Ort dar. Kooperative Angebote und Netzwerke werden gefördert. Es wird dadurch zum Beispiel einem Facharzt ermöglicht, an mehreren Orten tätig zu sein, ohne dort eine eigene Praxis eröffnen zu müssen. Das erspart den Patienten Fahrtzeit und ermöglicht eine hohe Expertise vor Ort. In den Krankenhäusern Kirn und Saarburg werden aktuell verschiedene Modelle mit individuellen Lösungen erprobt. Aus diesen Modellen sollen Strukturen für künftige Umsetzungen erarbeitet werden. Am Krankenhaus Meisenheim kann man bereits jetzt schon eine gelungene Kombination aus stationär, teilstationär, ambulant in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen vor Ort und die telemedizinische Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern sehen. Wir alle wissen, dass es vielfältige weitere Herausforderungen gibt. Ich konnte Ihnen aber auch aufzeigen, dass es bereits vielfältige gute Lösungen und Ansätze gibt. Daher wird die SPD-Fraktion die Landesregierung auf diesem Weg weiterhin vollumfänglich unterstützen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
