Michael Frisch
Frau Ministerin, durch Wiederholung wird Falsches nicht richtig. Entscheidend – um ein berühmtes Wort zu bemühen – ist doch, was hinten rauskommt. Wenn man sich die Realität, die Praxis in den Kitas anschaut, dann ist sie doch eher ernüchternd. Es sind nicht nur die Rückmeldungen der GEW oder vom Kitafachkräfteverband, sondern auch von vielen Leuten, die dort tagtäglich vor Ort eine engagierte Arbeit leisten. (Vizepräsidentin Astrid Schmitt übernimmt den Vorsitz) Herr Teuber, wenn Sie feststellen, der Fachkräftemangel sei ein Faktum, das der Landesregierung sehr wohl seit Jahren bewusst ist, dann frage ich mich: Warum hat man dann nicht rechtzeitig die Maßnahmen ergriffen, die notwendig waren, um diesem Fachkräftemangel zu begegnen? Stattdessen haben Sie weiter ausgebaut. Das ist doch die Bankrotterklärung einer vernünftigen, zukunftsorientierten Politik, auf der einen Seite einen Bedarf zu schaffen, das zu erhöhen, was notwendig und sinnvoll ist – – – Ich darf daran erinnern, wir haben mittlerweile 40 % mittelbare pädagogische Arbeit in unseren Kitas. Das haben damals in der Expertenanhörung die entsprechenden Leute bestätigt. Das heißt, Sie erhöhen auf der einen Seite den Bedarf, sorgen aber nicht dafür, dass er mit Fachkräften unterlegt wird. Das ist doch keine kluge und vorausschauende Politik. Was nützen uns denn Stellen – ich kann es nur nochmals wiederholen –, die ausgeschrieben sind, dann aber nicht besetzt werden können. Offensichtlich wird diese Situation in Zukunft noch weitaus gravierender sein. Ich darf auch noch einmal daran erinnern, wir reden nicht über irgendwelche technischen Angelegenheiten. Wir reden auch nicht über die Produktion und Herstellung von Dingen. Wir reden über junge Menschen in der sensibelsten und wichtigsten Phase ihres Lebens, von der wir wissen, dass sie prägend sein wird für alles Weitere. Deshalb erlaube ich mir, mit einem schönen Satz von Jean Paul, dem französischen Schriftsteller, (Heiterkeit der Staatsministerin Dr. Stefanie Hubig) zu schließen, der einmal gesagt hat: „Mit einer Kindheit voller Liebe kann man ein halbes Leben hindurch die kalte Welt aushalten.“ Das, meine Damen und Herren, ist der entscheidende Anspruch. (Glocke der Präsidentin) Ich habe erhebliche Zweifel, ob die Betreuungsrealitäten in unseren Kitas trotz der engagierten Mitarbeiter dort diesem Anspruch gerecht werden. Vielen Dank. (Beifall der AfD – Zuruf des Abg. Sven Teuber, SPD)
