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Joachim Paul

AfD 11.11.2021 Sitzungen 18/10

Sehr verehrtes Präsidium, liebe Kollegen! Ich gehe davon aus, dass wir fraktionsübergreifend übereinstimmen, dass Tierschutz und Tierwohl politische Aufgaben sind und wir die der Tagespolitik übergeordneten Auftrag haben, das Wohl und das Leben der Tiere zu schützen. Es wird kaum einen anderen Bereich geben, in dem der Mensch, vor allem die Politik, mehr Einfluss auf das Leben der Tiere hat als in dem Feld der Tierversuche. Der Gesetzgeber schafft die Rahmenbedingungen, wie Tiere verwendet und speziell gezüchtet werden dürfen, um als Versuchsobjekt zu dienen und letzten Endes zu sterben. Aktuell ist das in Deutschland das Schicksal von bis zu drei Millionen Tieren im Jahr. Infolgedessen ist es unsere Aufgabe, die Forschung genau zu beobachten und aufmerksam zu registrieren, wenn sich tragfähige Alternativen in greifbarer Nähe entwickeln und daraufhin zu prüfen, ob eine zielscharfe Förderung mit dem Ziel, Tierversuche deutlich zu reduzieren oder zu beenden, weitere Chancen eröffnet. 2030, dieses Jahr könnte in der Tat ein Wendepunkt sein; denn Forschungsfortschritte und Innovationen gerade in unserem Land machen Hoffnung. Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Regulierung der Tierversuche in Deutschland als Teilbereich des Tierschutzes eine Kernkompetenz des Bundes ist und wir als Land auf gesetzlicher Ebene nur in den Bereichen Regelungsmöglichkeiten haben, in denen der Bund es gestattet. Wir räumen ein, dass es ernst zu nehmende Stimmen gibt, die sagen, dass Tierversuche, Stand heute, in einigen Forschungsbereichen – Hirnforschung, experimentelle Chirurgie zum Beispiel – unersetzbar seien oder scheinen. Das darf uns nicht davon abhalten, die Forschung an Alternativen zu Tierversuchen bei uns zielscharf zu fördern. Vier von sechs Forderungen unseres Antrags widmen sich deshalb diesem Hebel, diesem Instrument, dieser Perspektive. Mehr noch, wir beziehen uns ganz konkret auf einen Forschungserfolg hierzulande, den man durchaus als Durchbruch bezeichnen kann. Im Juni berichtete die BASF, dass die OECD ihr nach zehnjähriger Forschungsarbeit die weltweit erste toxikologische Teststrategie ohne Tierversuche zugelassen hat. Mittels dreier Alternativmethoden kann nunmehr abgeschätzt werden, ob eine Substanz allergische Hautreaktionen hervorruft. In Zukunft sollen auch komplexere toxikologische Fragestellungen ohne Tierversuche gelöst werden. Das in Jena ansässige Start-up-Unternehmen Dynamic42 bildet menschliches Organgewebe, zum Beispiel von Leber, Lunge oder Darm, in kleinen Biochips nach und testet hierin verschiedene Wirkstoffe für Medikamente. Während bei Tierversuchen 95 % der Wirkstoffe, die im Versuch noch funktionieren, bei klinischen Studien am Menschen versagen, soll dieser Ansatz genau das verhindern. Für den Menschen giftige Wirkstoffe können so frühzeitig ausgeschlossen und Tierversuche obsolet werden. Das sind zwei Durchbrüche, die eine weitsichtige Politik jetzt aufgreifen kann und muss. Deshalb beantragen wir die Auflegung eines Landesprogramms, das diese Forschung und Entwicklung von Alternativmethoden fördert und auf den Zeithorizont 2030 hin antreibt. Ich möchte aber jenseits dieser Perspektive kurz auf die generelle Kritik der Tierversuchskritiker, insbesondere der Ärzte gegen Tierversuche, eingehen. Sie verweisen auf den blinden Fleck, dass vieles, was an Tierversuchen erprobt und getestet worden ist, sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen lässt. Deswegen erscheint die ethische Fragestellung umso drängender. Zurück zum Kern unseres Antrags: Tierversuchsfreie Verfahren sind in Forschung und Medizin eine Nische, die aufgrund der geringen Fördersummen von Bund und Ländern für Nachwuchskräfte nicht attraktiv sind. Das hat die Folge, dass die Forscherelite der Zukunft nicht präsent ist und sich nicht einbringen kann. Das ist in den USA anders. Dort hat man große Fortschritte gemacht, indem man zum Beispiel seit geraumer Zeit auf automatisierte Zellsysteme und Computermodelle setzt. Hinzu kommen Tests mit Robotern. Außerdem steigt die Zahl an Laboren, die auf In-vitro-Systeme aus dem Reagenzglas setzen, die mit Zell- und Gewebekulturen oder Mikroorganismen und Blut testen. In Deutschland sind diese alternativen Testverfahren in Einzelfällen durchgeführt worden, aber es fehlt die Förderung in der Breite. Die wollen wir anstoßen. Es sind Forschungsansätze, die größte Aufmerksamkeit verdienen, die eine großartige Förderoffensive benötigen, um mit Blick auf 2030 Erfolge zu zeitigen. Deutschland ist das Land, das eine lange Tradition des Tierschutzes hat. Unser Antrag baut darauf auf. Wir bitten um Zustimmung. Vielen Dank. (Beifall der AfD)

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