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Josef Neumann

SPD 15.10.2026 Sitzungen 18/133

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Generalkonsulin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Kein Mensch ist eine Insel“ schrieb der englische Dichter John Donne vor 400 Jahren. Was damals eine philosophische Erkenntnis war, ist heute zu einer geopolitischen Realität geworden; denn kein Industrieland, keine Demokratie und keine Gesellschaft kann die Herausforderungen unserer Zeit noch allein bewältigen. Wir erleben, wie sich internationale Beziehungen neu ordnen. Wirtschaftliche Abhängigkeiten werden zu diplomatischen und politischen Druckmitteln. Rohstoffe, Energie und technologische Kompetenzen entscheiden zunehmend über staatliche Handlungsfähigkeit. Die Annäherung Kanadas an Europa ist deshalb kein Zufall, sondern Ausdruck einer veränderten Weltlage. Im Juli dieses Jahres haben Kanada und Deutschland Verhandlungen über ein strategisches Partnerschaftsabkommen aufgenommen. Es geht um Sicherheit, Künstliche Intelligenz, kritische Rohstoffe, Energie und Investitionen. Diese Themen zeigen: Internationale Partnerschaften sind längst nicht mehr nur als diplomatische Beziehungen zu sehen. Sie sind eine Voraussetzung dafür, unsere wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit zu sichern. Es reicht nicht mehr aus, gute diplomatische Beziehungen zu pflegen und auf gewachsene wirtschaftliche Verbindungen zu setzen. Eine strategische Partnerschaft muss mehr leisten. Sie muss noch mehr Vertrauen schaffen, Handlungsspielräume erweitern Landtag und gemeinsame Antworten auf Herausforderungen ermöglichen, die kein Land allein bewältigen kann. Auch Kanada erweitert seine internationalen Beziehungen und sucht eine engere Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern. Dabei geht es nicht darum, bestehende Bündnisse aufzugeben. Es geht darum, zusätzliche Verbindungen zu schaffen, die Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität stärken. Die existierenden, bestehenden NRW-Beziehungen zu British Columbia, Ontario und Quebec, die Zusammenarbeit zwischen Düsseldorf und Montreal, aber auch die vielen Austausche zwischen dem Landtag und Kanada zeigen, wie eng die Verbindungen zwischen unseren Ländern sind. Für Nordrhein-Westfalen bedeutet das: Wir müssen unsere strategischen Partnerschaften nicht nur pflegen, sondern weiterentwickeln; denn unsere Zukunft entscheidet sich auch daran, mit wem wir Wissen teilen, Technologien entwickeln und Verantwortung übernehmen. Ein zweiter Bereich verdeutlicht diese Notwendigkeit umso mehr: die Sicherheit. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat gezeigt, dass die Verletzung des Völkerrechts nicht allein ein regionales Problem bleibt. Auch deshalb brauchen wir belastbare Partnerschaften. Mit Kanada verbinden uns die Zusammenarbeit innerhalb der NATO und das gemeinsame Interesse an einer demokratischen, regelbasierten internationalen Ordnung. Zugleich liegt es in unserem eigenen Interesse, Europas Handlungsfähigkeit zu stärken und unsere Beziehungen breiter aufzustellen. Eine zukunftsfähige Partnerschaft muss deshalb über wirtschaftliche Interessen hinausgehen. Sie muss den politischen Dialog, den gesellschaftlichen Austausch, die technische Verantwortung und den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen miteinander verbinden. Für Nordrhein-Westfalen bedeutet das, dass wir die Erfahrungen, die wir haben – im industriellen Sektor, mit kultureller Vielfalt, in der Frage von Bildung und Hochschulen –, als Kompetenzen einsetzen können. Kanada bietet eigene Kompetenzen, Ressourcen und internationale Verbindungen und schafft damit Handlungsmöglichkeiten, die wir auch gemeinsam entwickeln können. Wir sollten die Partnerschaft mit Kanada nicht allein aus der Vergangenheit heraus begründen. Wir sollten sie vor den Herausforderungen der Gegenwart und mit den Möglichkeiten der Zukunft entwickeln; denn die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob unsere Gesellschaften miteinander verflochten sind – das sind sie längst –, sondern, ob wir dies passiv hinnehmen oder sie gemeinsam verantwortlich zukunftsgerecht gestalten. Eine strategische Partnerschaft mit Kanada bedeutet heute, in einer vernetzten, konfliktreichen und ökologisch verletzlichen Welt gemeinsam handlungsfähig zu bleiben. Eine strategische Partnerschaft mit Kanada 15.10.2026 bietet Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit, genau diese Fähigkeiten aufzubauen. Wir bitten um Zustimmung zu diesem Antrag. – Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD, den GRÜNEN, Dr. Gün- ther Bergmann [CDU] und Matthias Kerkhoff [CDU])

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