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Thomas Nückel

FDP 14.10.2026 Sitzungen 18/132

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! 65 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei sind ein Grund zum Feiern. Auch in den Pressespielen der Landesregierung und des Landtags wurde das abgefeiert. Über viele Seiten waren Schlagzeilen und Artikel in türkischer Sprache zu sehen – mit Bildern, auf denen sich Ministerpräsident Wüst bei seinem Besuch in Ankara glücklich lächelnd mit Autokrat Erdoğan ablichten ließ, während sich türkische Demokraten um die Zukunft des Landes sorgen. Blicken wir zurück. Das Anwerbeabkommen mit der Türkei hatte anders als Vereinbarungen mit europäischen Ländern wie Griechenland, Italien und Spanien, die bereits in den 50er-Jahren abgeschlossen wurden, Hürden zu überwinden. Der Wunsch, ein solches Abkommen zu schließen, ging von der Türkei aus und wurde von der damaligen Bundesregierung – vor allem vom damaligen Arbeitsminister, dem Christdemokraten Theodor Blank – wegen der religiösen Unterschiede auf das Heftigste abgelehnt. Es war – das wissen viele gar nicht mehr – der politische Druck der Vereinigten Staaten von Amerika, der dafür sorgte, dass sich die beiden NATO-Partner Deutschland und Türkei einigten. Freilich hatte das Abkommen Vorläufer. Vor 70 Jahren gab es bereits ein Fortbildungsprojekt für türkische Handwerker, und 1957 lud der liberale Bundespräsident Theodor Heuss junge Berufsschulabsolventen ein, in Deutschland eine Ausbildung zu absolvieren. Landtag Der Umgang mit der ersten Generation von Zuwanderern aus der Türkei war, milde gesagt, skandalös. Nur zwei Jahre sollten sie bleiben und dann ausgetauscht werden. „Maschinenmenschen“ war der Begriff. Es war ein von Verachtung geprägtes Menschenbild. Viele, die damals kamen, blieben, noch mehr folgten ihnen. Zuwanderer aus der Türkei und ihre Nachfahren haben Nordrhein-Westfalen mitgeprägt. Viele von ihnen sind heute Unternehmer und schaffen Arbeitsplätze, andere sind im Polizeidienst, und wieder andere sind hochqualifizierte Facharbeiter in der Industrie, Hochschullehrer oder ganz einfach Nachbarn und Freunde. Die Türkei ist eine vielfältige Gesellschaft. Diese Vielfalt wird bis heute zu wenig gesehen. Diese Ignoranz verstellt den Blick. Nicht alle sind Sunniten, viele sind Aleviten oder interessieren sich nicht besonders für Religion. Oft werden Menschen als Türken gesehen, die Kurden, Assyrer oder Jesiden sind. Wer aus der Türkei nach Nordrhein-Westfalen gekommen ist und hier als Kind türkischer Einwanderer geboren wurde, muss sich nicht über die Türkei definieren. Niemand ist verpflichtet, die Politik Erdoğans zu verteidigen, religiöse Traditionen zu pflegen oder sich überhaupt für die Politik seines Herkunftslandes zu interessieren. Jeder hat das Recht, seinen eigenen Weg zu gehen. Genau das bedeutet Freiheit in der offenen Gesellschaft hier. Deswegen finde ich es immer noch bedenklich, dass das türkische Religionsministerium in DİTİB-Gemeinden hineinregiert. Aber auch diese Vielfalt mit all ihren Konflikten und ihrer Geschichte ist schon seit Jahrzehnten ein Teil unserer Geschichte. Und sie wird uns auch in Zukunft mitprägen, so wie es die anderen Zuwanderer und ihre Nachfahren schon immer getan haben. Wir stimmen dem Antrag zu. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)

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