Lena Teschlade
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist eine etwas undankbare Aufgabe, beim letzten Tagesordnungspunkt zwischen Ihnen und dem Feierabend zu stehen. Aber da müssen wir jetzt alle gemeinsam noch durch. (Rodion Bakum [SPD]: Wir sind alle da! – Lisa- Kristin Kapteinat [SPD]: Du schaffst das!) Die regierungstragenden Fraktionen greifen mit diesem Antrag ein wichtiges Thema auf. Noch immer läuft der Zugang zu Beratung und Beantragung an vielen Stellen kompliziert. Ein und dieselbe Ausgangslage muss immer wieder geschildert werden, und zahllose Behördengänge sind notwendig. Das ist für die einzelnen Betroffenen extrem mühsam, kostet viel Zeit und führt nicht selten dazu, dass Menschen den Überblick verlieren, Unterstützung zu spät erhalten oder auch die Motivation verlieren. Das Modell der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster hat daher auch mich bei meinem Besuch überzeugt. Ich freue mich, dass die Arbeit dort Früchte trägt und heute dieser Antrag vorliegt. 17.09.2026 Wer Beratung sucht, kann die Agentur für Arbeit aufsuchen, die technisch so ausgestattet ist, dass weitere Stellen digital hinzugeschaltet werden können. So kann insbesondere an den Schnittstellen verschiedener Institutionen beraten werden, ohne dass zahlreiche Termine notwendig werden und Unklarheiten entstehen. Die Beratung suchenden Personen können außerdem direkt nachvollziehen, wer in den Prozess eingebunden worden ist. Gerade bei komplexen Lebenslagen ist das ein großer Vorteil. Häufig sind mehrere Behörden oder Institutionen beteiligt. Dies betrifft beispielsweise Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf und Menschen, die wieder neu auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen. Hier entstehen oft Reibungsverluste, weil Zuständigkeiten nicht klar sind oder Informationen erst zeitaufwendig zwischen verschiedenen Stellen ausgetauscht werden müssen. Vernetzte, hybride Beratung kann genau diese Hürden abbauen. Im Ergebnis wird Zeit gespart, und die Person erhält die bestmögliche Unterstützung. Dabei geht auch der persönliche Kontakt nicht verloren, da ein Teil der Beratung weiterhin in Präsenz stattfindet. Genau darin liegt die Stärke dieses Ansatzes. Er verbindet die Vorteile digitaler Möglichkeiten mit der persönlichen Beratung, die für viele Menschen unverzichtbar bleibt. Im Antrag werden diese Vorteile umfangreich beschrieben. Ich teile auch die Einschätzung, dass es in noch mehr Bereichen diese Art der vernetzten und hybriden Beratung geben sollte. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels und angesichts immer komplexerer Unterstützungsstrukturen wäre es sinnvoll, vorhandene Kompetenzen besser zu vernetzen und Beratung stärker aus Sicht der Betroffenen zu organisieren. (Unruhe bei der AfD) – Soll ich kurz warten, bis Sie fertig sind? Genau weil dies so eine wichtige und zukunftsweisende Idee ist, habe ich mich darüber gewundert, dass der Forderungsteil so schwammig ist. Sie prüfen, beraten und entwickeln Konzepte. Das ist nett, aber ein klares Bekenntnis sieht anders aus. Sie beschreiben im Antrag auf mehreren Seiten sehr ausführlich, warum das Modell sinnvoll ist und welche Chancen darin liegen, doch wenn es um die eigentlichen Konsequenzen geht, bleiben Sie erstaunlich unverbindlich. Ich würde mir wünschen, dass Sie sich vornehmen, die Dinge konkret umzusetzen, insbesondere da es bereits im Modellprojekt erfolgreich erprobt wurde. Wer von einem Ansatz überzeugt ist, sollte nicht nur weitere Prüfaufträge formulieren, sondern auch sagen, Landtag wie und wo er diesen Ansatz tatsächlich voranbringen will. Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind bekannt. Die Schnittstellenprobleme zwischen den verschiedenen Akteuren kennen wir seit Jahren. Wenn nun ein Instrument vorliegt, das nachweislich dabei helfen kann, Beratungsprozesse einfacher und effizienter zu gestalten, dann braucht es mehr als die Ankündigung weiterer Gespräche. Dann braucht es politischen Gestaltungswillen. Wir vermissen den Mut, gute Dinge tatsächlich voranzubringen und die richtigen Prioritäten im Bereich der Arbeitsmarktpolitik zu setzen. Nordrhein-Westfalen sollte sich an dieser Stelle nicht darauf beschränken, Möglichkeiten zu prüfen, sondern den Anspruch haben, erfolgreiche Modelle konsequent in die Fläche zu bringen. Trotzdem erkennen wir als SPD an, dass dieser Antrag heute vorliegt und zumindest Prüfaufträge eingereicht werden. Deshalb werden wir zustimmen, und zwar in der Hoffnung – daran werden Sie sich messen lassen müssen –, dass diese Prüfaufträge am Ende in echte Taten umgesetzt werden. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)
