Benjamin Rauer
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Ich freue mich außerordentlich, dass wir heute diesen Antrag ins Plenum einbringen. Denn Beratung muss vom Menschen aus gedacht werden. Dafür möchten wir die Beratung durch vernetzte, hybride Beratungsangebote insbesondere für Menschen mit Unterstützungsbedarf für die Zukunft aufstellen. Wer Unterstützung am Arbeitsmarkt sucht, braucht schnelle und verlässliche Hilfestellungen. Doch viele Beratungsanliegen sind zuständigkeitsübergreifend und betreffen Behörden von Arbeitsverwaltung, Rentenversicherung und Jobcentern bis hin zu Kammern, Beratungsstellen, Bildungsträgern und Wohlfahrtsverbänden. Wenn Menschen dabei von einer Stelle zur nächsten geschickt werden und Unterlagen mehrfach einreichen oder auf verschiedene Termine warten müssen, kostet das wertvolle Zeit und erschwert letztlich den Weg in Ausbildung und Arbeit. Gute Beratung ist ein zentraler Baustein für Teilhabe, berufliche Qualifizierung, Inklusion und Integration in Arbeit – und natürlich auch für die Arbeits- und Fachkräftesicherung in Nordrhein-Westfalen. Durch das Modell der hybriden Beratung, das von der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster entwickelt wurde, können Beratungsangebote schneller, einfacher und barrierefrei erfolgen. Die persönliche Beratung vor Ort bleibt dabei erhalten, und wenn zusätzliche Expertise benötigt wird, können weitere Fachstellen digital zugeschaltet werden. Ich war selbst mit meinem Kollegen, unserem Fachsprecher für Inklusion, Dennis Sonne, in Münster. Wir haben uns das Modell vor Ort angeschaut. Wir konnten uns gemeinsam ansehen, wie hybride Beratung praktisch umgesetzt wird und welche Erfahrungen dort schon gemacht wurden. Konkret werden passende Ansprechpartner*innen aus anderen Behörden und Beratungsstellen bei den Gesprächen digital zugeschaltet, damit Beratungsangebote schneller, einfacher und barriereärmer erfolgen. Das wollen wir auf ganz NRW ausweiten und auch weitere Organisationen dazu aufrufen, dem guten Beispiel aus Ahlen-Münster zu folgen. Wenn Fachstellen frühzeitig eingebunden und Fördermöglichkeiten schneller geklärt werden, können Übergänge in Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung besser begleitet werden. Gerade für Menschen mit besonderem Beratungs- und Unterstützungsbedarf kann das einen großen Unterschied machen. Denken wir einmal an Herrn B., der nach langer Krankheit wieder eine Arbeitsstelle finden möchte. Hierfür ist nicht nur die Unterstützung der Agentur für Arbeit, sondern auch der Rentenversicherung von Bedeutung. Bei dem Beratungsgespräch von Herrn B. kann der Mitarbeiter der Agentur für Arbeit die Renten-Landtag versicherung direkt digital dazuschalten, sodass die notwendigen Hilfsmittel und Anträge gemeinsam besprochen werden können. Die Digitalisierung soll die Präsenzberatung nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Wir wollen mit diesem Antrag die Vorteile beider Welten verbinden: persönliche Beratung und schnelle digitale Zuschaltung zusätzlicher Expertisen. Deshalb werden wir gemeinsam mit der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur prüfen, wie solche Beratungsangebote stärker genutzt und mit bestehenden Landes- und Kommunalstrukturen verbunden werden können. Gemeinsam mit Kommunen, Kreisen, Jobcentern, Kammern, Trägern und Wohlfahrtsverbänden wollen wir schauen, wo solche Modelle sinnvoll eingesetzt werden können. Gleichzeitig brauchen wir praxistaugliche, datenschutzkonforme und barrierearme Standards. Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, wir haben in Nordrhein-Westfalen viele gute Beratungsstellen und eine große fachliche Expertise. Was wir noch besser machen können, ist, diese Expertise miteinander zu vernetzen. Ich bitte Sie deshalb um Ihre Zustimmung zu diesem Antrag. – Vielen Dank. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
