Rodion Bakum
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die AfD-Fraktion hat hier ja schon oft ziemlich seltsame Anträge gestellt. Aber jetzt muss ich sagen: Jetzt reicht es. Jetzt wollen Sie mir auch noch die Sauren Drachenzungen von hitschies wegnehmen. (Jule Wenzel [GRÜNE]: Jetzt reicht es! – Hei- terkeit bei der SPD und den Grünen) Landtag Was haben Sie eigentlich gegen hitschies, die Marke eines guten deutschen Familienunternehmens aus Hürth? Was stört Sie so sehr an der Unternehmerfamilie Hitschler? Stört es Sie vielleicht, dass sich ausgerechnet der Name des erfolgreichsten Produzenten veganer Süßigkeiten so gut auf Ihren reimt? Hitschler, Tritschler! (Heiterkeit von der SPD, der CDU und den GRÜNEN) Jetzt mal ernsthaft: Ich habe in meiner Jugend gerne Videospiele gezockt. (Zuruf von Dr. Hartmut Beucker [AfD]) Ja, auch sogenannte Ballerspiele: Call of Duty, Battlefield, Medal of Honor. Da habe ich nicht nur völlig nutzlose Scharfschützentechniken erworben, sondern sogar Geschichte gelernt. Schon als Jugendlicher wusste ich: Am Ende verlieren immer die Nazis. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU) Aber jetzt spielen wir mal Ihr Spiel weiter. hitschies stört Sie, Rheinmetall stört Sie und der Bundespräsident anscheinend auch. Sony, Rockstar, THQ, Nordic Kingdom sollen unbedingt wiederkommen. Dafür soll gleich eine staatliche Taskforce gegründet werden. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Da frage ich mich: Wer darf in Ihre gamescom eigentlich noch rein? Tencent vielleicht? Der chinesische Tech-Gigant war nämlich da, ebenso Level Infinite, die Publishing-Marke von Tencent, NetEase und HoYoverse übrigens auch. Ausgerechnet die chinesische Einflussnahme wäre ja vielleicht mal ein Thema gewesen, bei dem die AfD besondere Erfahrungen und Kompetenzen hätte einbringen können. Der frühere Mitarbeiter Ihres ehemaligen Europaspitzenkandidaten Maximilian Krah wurde wegen Spionage für China zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. (Ralf Witzel [FDP]: Aha! – Ina Blumenthal [SPD]: Hört, hört!) Darüber lese ich in Ihrem Antrag nichts. Oder nehmen wir Scopely, ebenfalls auf der gamescom. Das Unternehmen gehört zur Savvy Games Group und damit zum Umfeld des saudischen Staatsfonds PIF. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren in Saudi-Arabien bekannterweise massive Einschränkungen der Meinungsfreiheit und eine hohe Zahl von Hinrichtungen. Darüber könnten wir durchaus demokratisch reden. Aber Ihr patriotisches Problem sind zwei NRW-Unternehmen – hitschies und Rheinmetall – und unser Staatsoberhaupt. Ich würde niemandem widersprechen, der behaupten würde, Sie von der AfD-Fraktion seien Vaterlandsverräter. 17.09.2026 Über Rheinmetall kann man diskutieren. Gerade hinsichtlich einer Messe mit vielen jungen Menschen müssen wir darüber reden, wie Unternehmen Nachwuchs ansprechen und wie weit Recruiting eigentlich gehen darf. Aber diese Debatte führt doch nicht zu einer kuratierten Gästeliste. Sonst wäre es demnächst am Eingang so: Ausstellerpass, bitte! Süßigkeiten? Raus! Bundespräsident? Verdächtig! Rheinmetall? Raus! China? Saudische Prinzen? Einfach durchwinken! – Das ist doch absurd. Wenn Sie wirklich Sorge vor politischer Einflussnahme auf junge Menschen haben, (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) dann schauen Sie vielleicht einmal dorthin, wo Einflussnahme tatsächlich organisiert stattfindet. Schon 2024 identifizierte das Auswärtige Amt mehr als 50.000 Fake Accounts einer russischen Desinformationskampagne. Im Bundestagswahlkampf verbreitete dieses Netzwerk überraschenderweise sogar Wahlempfehlungen für die AfD. Die russische Trollfarm braucht übrigens keinen Stand auf der gamescom. Die Trolle spielen längst online mit – mit Bots statt Controllern und ohne sich an irgendwelche Spielregeln zu halten. (Zuruf von Christian Loose [AfD]) Und Sie spielen in ihrem Team mit. (Beifall von der SPD, den GRÜNEN, Matthias Eggers [CDU] und Klaus Kaiser [CDU]) Das wäre vermutlich eine gamescom ganz nach Ihrem nicht-veganen Geschmack. Wohlmöglich hätte sie dann einen international sehr attraktiven Namen, zum Beispiel „Elektronische Volksspielschau“. (Heiterkeit von der SPD und den GRÜNEN) Bleiben wir standhaft! Die gamescom ist ein Erfolgsfall. 368.000 Besucherinnen und Besucher, 1.743 Aussteller, ausverkaufte Flächen, Menschen aus 131 Ländern – das ist ein Erfolg für Köln und Nordrhein-Westfalen. Natürlich müssen wir über Standpreise, Sicherheit und Chancen kleiner Entwickler reden. Aber wir sollten eine der erfolgreichsten internationalen Veranstaltungen unseres Landes besser machen und nicht schlechtreden. Eine offene Gesellschaft braucht keine Partei, die entscheidet, wer kulturell dazugehört und wer draußen bleiben soll. Wer schon bei einer Spielemesse damit anfängt, hat offenbar das falsche Spiel gestartet. Für solche Veranstaltungen heißt es in einer offenen Gesellschaft: Game over. – Bleiben Sie informiert. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN – Heiterkeit von Jule Wenzel [GRÜNE]) Landtag
