Sonja Bongers
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Sexueller Missbrauch von Kindern ist ohne Frage nicht hinnehmbar. Die Folgen von Missbrauch sind für die Betroffenen lebenslang spürbar, und Erkrankungen, die daraus resultieren, reichen von posttraumatischen 16.07.2026 Belastungsstörungen bis hin zu vielen anderen psychischen Erkrankungen. Deshalb sage ich laut und deutlich: Wir alle hier sind keine Anwälte von Sexualstraftätern, sondern von denjenigen, die Opfer dieser schweren Straftaten geworden sind. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN) Kinder, Jugendliche und andere vulnerable Personen müssen mit vereinten Kräften geschützt werden, und verurteilte Straftäter müssen alle Konsequenzen unseres Rechtsstaats zu spüren bekommen. Was Sie in dem vorliegenden Antrag aber als Konsequenz fordern, ist nichts anderes als Lynchjustiz. Sie vertrauen unserem Staat und seiner Justiz als geeignetes Mittel, hier Gerechtigkeit zu schaffen, kein bisschen. Sie nehmen mit dem Antrag in Kauf, dass nicht nur Täter, sondern auch Familien und Nachbarschaften von Wut und Diffamierung anderer ergriffen werden. Mit diesem Antrag öffnen Sie Hass und Hetze Tür und Tor. Sie setzen auf Lynchjustiz, wir auf Rechtsstaatlichkeit. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP) An dieser Stelle möchte ich eine persönliche Bemerkung loswerden, die in der eigentlichen fachlichen Rede nicht vorgesehen war. Ich halte es aber für absolut notwendig, auf einige Umstände hinzuweisen. Frau Seli-Zacharias, viele von uns hier sind Mütter und Väter, und ich glaube, viele haben mitbekommen, dass sie auch eine Mutter sind. Insofern kann man Gefühle immer nachempfinden. Aber das, was Sie gerade abgeliefert haben, glaube ich Ihnen nicht, nehme ich Ihnen nicht ab. Sie sagten, ein Prozess oder zwei Prozesse in der Vergangenheit hätten Sie dazu veranlasst, dieses Thema hier auf die Agenda zu bringen. Jedem anderen in diesem Raum hätte ich das geglaubt; Ihnen nicht. Denn schauen wir mal in die sozialen Medien. Schauen wir uns Ihre Auftritte an. Schauen wir in andere Bundesländer. Dort kann man sehen, dass fast identische Anträge zu diesem Thema, die dazu aufrufen, Wohnorte zu veröffentlichen, bereits in anderen Landesparlamenten von Ihrer Fraktion gestellt wurden. Insofern war das hier vielleicht ein guter Theaterauftritt, aber dieser Auftritt entspricht definitiv nicht der Realität. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN – Zuruf von Thorsten Klute [SPD]) Es ist noch ein Umstand, der mich aufhorchen lässt. Wie lassen sich Videos erklären, in denen Sie, Frau Seli-Zacharias, Gespräche mit dem verurteilten Sexualstraftäter Tobias Voss führen? Wissen Sie nicht von seiner Verurteilung? Sehr geehrte Damen und Herren, verehrter Herr Präsident, aus den genannten Gründen lehnen wir die-Landtag sen Antrag ab. – Recht herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und Dr. Werner Pfeil [FDP])
